Von Wikingern und dem Blutgreif

Sebastian Hilpert als Wikinger in voller LARP - Rüstung und mit Seeadler
Mit Seeadler und in voller Ausrüstung – Sebastian 2016

Aufgestaute Sommerhitze über der hügeligen Ebene. Ein intensiver Geruch liegt in der Luft, markant, fast körperlich greifbar, etwas beißend und urtümlich. Frischer Schweiß vermischt sich mit dem Geruch von Leder, dem rauchigen Duft nach lagerfeuerriechender Kleidung und der markanten Note von Waffenöl.

Waffenöl das die Kettenhemden der rund vierzig Krieger direkt vor mir, glänzen lässt. Sie bilden mit ihren schweren Helmen, Rundschilden, Äxten, Speeren und Schwertern die Front unseres überschaubaren Wikinger-Heeres. Unter ihren glänzenden Brillen- und Nasalhelmen, auf dem die gnadenlose Sommersonne knallt, kochen sie regelrecht. Tauschen will ich nicht mit ihnen. Denn ich selbst stehe nur leicht gerüstet, ohne Helm, eine Linie hinter ihnen an der rechten Flanke. Meine Axt und der Dolch hängen an meinem Gürtel. Der Riemen über meiner linken Schulter hält den Köcher voller Pfeile und in der linken Hand halte ich meinen Langbogen. Als Bogenschütze bin ich hier unter den Wikingern eine absolute Ausnahme, aber ich weiß eben was ich kann, denke ich zumindest.

Sebastian Hilpert LARP Wikinger Epic Empires 2016
Wikinger-Schildwall vor dem Ork Lager auf dem Epic Empires
„Hey Loki, triffst du den?“

Wir alle beobachten was sich vor uns abspielt. Geschrei, Geplärr, Kommandos hallen über die weite Wiesenfläche und prallen an unserem Schildwall ab als würden sie uns nichts angehen. Denn dort vorne außerhalb der Pfeilreichweite finden Kämpfe statt. Das „Lager des Chaos“ jagt gemeinsam mit den Orks die letzten Truppen des „Lagers des Lichts“. Unser Heerführer hat befohlen abzuwarten. Wahrscheinlich um dann geordnet den aus der Formation fallenden Sieger platt zu machen. Ein paar der Kämpfer vor uns versuchen zu flüchten, kommen in unsere Richtung und werden dabei verfolgt. Auch ein feindlicher Bannerträger ist unter ihnen.

„Hey Loki, triffst du den?“ fragt mich beiläufig und nicht ganz ernst gemeint der Führer der rechten Flanke. Ich blicke auf die kleine Gruppe Flüchtender. Sie sind nun an der maximalen Grenze zur Reichweite meines Bogens, sie rennen, straucheln, zwischenzeitlich verändern sie immer wieder leicht die Richtung. Sie rennen wie die Hasen, dazu kommen noch gelegentliche Windböen, kurz – es ist unmöglich sie zu treffen. Dafür verschwendet man keinen kostbaren Pfeil.

Sebastian Hilpert Wikinger Blutgreif LARP
Mein alter, kurzgeschorener und fein rausgeputzter Wikinger-Charakter „Loki“
Unmöglich

Doch ich sage nichts, stattdessen trete ich seitlich aus der Formation. Lege den Pfeil auf die Sehne, spanne in einer fließenden Bewegung den Bogen bis zum Äußersten. Jetzt nicht denken, sondern fühlen in welchem Abschusswinkel ich den Bogen halte, wie weit ich vorhalten muss, wie sich das Ziel eventuell bewegen wird. Ich lasse den Pfeil in steilem Winkel von der Sehne schnellen. Bleibe unbewegt stehen und verfolge die Flugbahn des Pfeiles wie in Zeitlupe. Um mich herum angespannte Stille. Die Gruppe rennt noch immer, fluchend und stolpernd.

Mein Pfeil erreicht seinen höchsten Punkt zum Himmel und beginnt nun schneller werdend dem Boden entgegen zu rasen – genau auf die Gruppe des Bannerträgers zu. Einschlag, Aufschrei – mein Pfeil trifft ihn im Rennen, am rechten Oberschenkel – und er stürzt ins weiche Gras. Ohrendbetäubender Jubel um mich! Mir wird auf die Schulter geklopft bis sie fast blau ist, ich grinse von einem Ohr zum anderen, während ich verlegen zu Boden blicke und mein Bogen triumphierend der Sonne entgegenstrecke. Was für ein Schuss, so ein Moment ist einmalig, einer den man nie mehr vergisst.

LARP Fotografie Sebastian Hilpert
Beindruckende und unterschiedlichste LARP Charakter fotografierte ich zu dieser Zeit.
BLUTGREIF

Das war keine erfundene Geschichte aus einem Fantasy- Film oder Buch. Auch war es kein Traum, sondern passierte im Sommer 2016, auf meiner letzten LARP (Live Action Role Playing) Veranstaltung als „Spieler“. Das war mein Highlight, der eigentlich unmögliche Schuss – voll ins Schwarze. Danach gab es nur noch ein LARP/Fantasy Projekt für mich. Unseren selbstgedrehten Fantasy Film zu Ende zu bringen. Sozusagen als Abschluss bevor ich dieses vielseitige, aber auch etwas anstrengende Hobby an den Nagel hing um mich meinem Projekt „ANIMALPERSON“ voll und ganz zu widmen.

Dieser selbstgedrehte Film war ein privates Mamut Projekt. Kein Budget, keine ausgebildeten/gelernten Schauspieler, Filmtechniker und Kameraleute. Nur eine kleine Gruppe motivierter Verrückter, die kaum Termine fanden, an denen sie gemeinsam Zeit hatten, um am Film weiterzuarbeiten. Und so zog sich das Filmprojekt über neun Drehtage, viele Tage Planung und Besprechungen, sowie wochenlanger Nachbearbeitung, von Februar bis November 2016. Steinbrüche, Wälder, Felder, 700 Jahre alte Stadttürme und Burgruinen um Würzburg waren genutzte Kulissen. Aber auch Greifvögel und Drohnen kamen zum Einsatz. Kurz vor Weihnachten, nach mehrwöchiger Filmbearbeitung (Schnitt, Bilderbearbeitung, Vertonung, Spezial Effekte) konnten wir dann stolz unseren Kurzfilm „BLUTGREIF“ veröffentlichten.

Schaut ihn euch gern an und denkt daran – niemand der mitgewirkt hat ist darin ausgebildet, wir hatten kein Budget, vieles musste improvisiert werden und alles entstand in unserer Freizeit. VIEL SPASS!!!

Ps. Danke an alle die mitgewirkt haben! Es war mir eine Ehre!

PPS. Einen LARP-Kalender, unzählige Charaktershootings sowie drei Zeitschriftencover steuerte ich damals in meiner  kurzen Zeit als „Fantasy-Fotograf“ der Szene bei.

PPPs. Das LARP-Hobby beendete ich unter anderem, weil ich keine fiktiven Abenteurer mehr “spielen“ wollte. Stattdessen wollte ich echte Abenteuer erleben. Was daraus wurde lest ihr in meinem Buch „ÜBERLEBEN – Als Wildhüter in Afrika“.

EXKLUSIVE FOTO SAFARI – MIT SEBASTIAN

Fotograf, Autor und Wildhüter Sebastian Hilpert auf Safari in Namibia
2020 mit Sebastian gemeinsam auf exklusiver Safari in Namibia!

Du willst Namibia selbst hautnah erleben? Die einzigartige Tierwelt kennenlernen und in Bildern festhalten? Aber am besten begleitet von mir, der das Land, die Menschen und die Tierwelt kennt? Der dir vor Ort Tipps gibt wie du einmalige Safari Situationen am besten mit deiner Kamera festhalten kannst? Das kann tatsächlich wahr werden!

Löwin fotografiert von Sebastian Hilpert
Die Wildtiere Namibias selbst sehen und erleben.

Seitdem mein Buch erschienen ist, werde ich immer wieder gefragt ob es denn möglich ist das Land mit mir gemeinsam als Photo-Guide zu bereisen. Jetzt laufen tatsächlich die ersten Planungen dafür an! Angepeilt ist es mit einer kleinen exklusiven Gruppe im Sommer 2020 zu starten! Interesse? Weitere Informationen folgen!

Giraffe und Nilpferd fotografiert von Sebastian Hilpert
Giraffe, Nilpferd und Löwe in ihrer natürlichen Umgebung beobachten!

Unfreiwillig in Johannesburg – TEIL II

Dieser Blogeintrag ist Bonusmaterial zu meinem Buch >ÜBERLEBEN<

Denn diese spannende und auch etwas lustige Geschichte hat ganz einfach nicht mehr ins Buch gepasst. Aber zum Glück doch noch seinen Weg in meinen Blog gefunden.

Zweiter Teil meiner Zusatz-Stroy „Unfreiwillig in Johannesburg“.

WICHTIG!!! Lies erst TEIL I, nicht das Du gespoilert wirst…

Viel Spaß beim lesen!

Kampf zweier Nashörner in Namibia
Breitmaulnashörner – mit diesen faszinierende Tieren hatte ich die letzten Wochen in Südafrika gearbeitet.

Orientierung: Gerade eben habe ich die Nashorn-Auffangstation im tiefen südafrikanischen Busch verlassen. Die viele körperliche Arbeit brennt noch in meinen Muskeln. Der „Rhino-War“ und hundert andere Eindrücke drehen sich in meinem Kopf, als ich mich auf den Weg nach Johannesburg mache. Von dort aus soll es weiter gehen ins Nachbarland Namibia, genauer gesagt nach Windhoek. Von der namibischen Hauptstadt werde ich dann weiterreisen auf die Auffangstation in der Kalahari, zurück zu den Raubkatzen und Wildhunden. Soweit der Plan. Doch dann verpasste ich in Johannesburg den letzen Flug nach Namibia…

Ich habe mein Gepäck. Der Fahrer, welcher mich am Flughafen Windhoek abholen sollte weiß genauso wie meine dortige Pension Bescheid, dass ich heute nicht mehr eintreffen werde. Lisa hat mir mit Herrn Grüns Empfehlung ein Hotelzimmer in Johannesburg reservieren können und jetzt fehlt nur noch das Ticket für Morgen. „Nein, wir können ihr Ticket nicht umbuchen, sie müssen ein neues kaufen.“ Aha, Danke auch und wieso musste ich auf diese Antwort so lange warten? Mein Reiseagent klärt mich auf. „Herr Hilpert, mir ist das ganze sehr unangenehm aber leider ist bei South African Airways häufiger mal das Problem, dass etwas angeblich nicht geht was eigentlich ohne Problem gehen würde. Die Mitarbeiter haben meist einfach nur keine Lust. Ich rufe sie in zehn Minuten wieder an, ich denke ich kann das Problem von hier aus lösen.“

Es ist 20:45 Uhr, um 21:00 schließen hier die Schalter. Herr Grün ruft mich tatsächlich pünktlich um fünf vor neun zurück.

Es hat geklappt, ich halte mein vorläufiges Ticket in der Hand und dank ihm muss ich nur eine geringe Umbuchungsgebühr zahlen statt eines komplett neuen Flugs. Der Mann ist wirklich Gold wert, er hat innerhalb von 10 Minuten von seinem Büro in Deutschland aus das geklärt wozu hier direkt vor Ort drei Mitarbeiter nicht in der Lage waren und mich auch noch eine halbe Stunde haben warten lassen bevor sie mir das mitteilten. Dienstleistungsqualität, da gibt es eine sehr große Differenz zwischen Afrika und Deutschland, das ist nicht von der Hand zu weisen.

Nachdem ich Geld gewechselt habe muss ich jetzt nur noch die Stelle finden wovon stündlich ein Transporter zwischen Flughafen und dem Hotel pendelt. Mich langsam wieder entspannend passiere ich eine Gruppe finster dreinblickender Polizisten. Von deutschen Flughäfen kennt man ja die Polizisten, die immer zu zweit patrouillieren, einer trägt dabei meistens eine Maschinenpistole (MP) (Welche fälschlicherweise von jedem als Maschinengewehr (MG) bezeichnet wird. Der Unterschiede zwischen MP und MG ist in etwa so groß wie zwischen einem PKW und einem LKW, kein Polizist läuft mit einem Maschinengewehr herum, keiner! So das musste mal geklärt werden.)

Auf jeden Fall laufen hier die Polizisten nicht zu zweit, sondern zu fünft oder zu acht Patrouille und jeder trägt dabei eine Shotgun/Schrotflinte vor der Brust, die aussieht als wäre sie seit zwei Jahrzehnten täglich im Einsatz.

Die „Deutschen-Themen“

Ich will gerade mit meinen Rucksäcken schwer bepackt in einen Korridor einbiegen, von dem ich denke es könnte der richtige sein, als mich ein Flughafenmitarbeiter in Sicherheitsweste anspricht. Er klärt mich auf, dass ich in die falsche Richtung unterwegs bin und hilft mir den richtigen Weg zu finden. Er begleitet mich sogar bis zu der überdachten Stelle am Rand des Flughafenbereiches. Der dortige Parkplatz wird scheinbar nur für Shuttelservice der Hotels genutzt. Ich möchte mich bei ihm bedanken und verabschieden aber er winkt ab und sagt, dass er mit mir auf den Transporter warten wird, er möchte mich auf keinen Fall hier im Dunkeln alleinstehen lassen. Okay, denke ich etwas irritiert, aber wieso?

Der Smalltalk mit ihm läuft zu Beginn sehr vertraut ab. Die erste obligatorische Frage ist woher ich komme. Wenn ich dann mit Deutschland antworte geht es IMMER um die gleichen Themen, völlig egal ob ich an einer Tankstelle, einem Flughafen, einem Einkaufszentrum, einer Safarilodge, einer Wildtierauffangstation oder mitten im Nirgendwo angesprochen wurde.

Die vorprogrammierten Themen sind: Autos, Fußball, Bier, Ingenieure, Autobahn und wenn ich Pech habe der Österreicher A. Hitler. Besonders unangenehm wird es, wenn der Gesprächspartner den „Führer“ des zwölf Jahre dauernden „tausendjährige Reich“ gut findet, nicht selten sind es dann auch noch dunkelhäutige. Ich frage mich in solchen Momenten immer ob sie es ernst meinen und einfach keine Ahnung haben, oder ob sie denken sie tun mir einen Gefallen ihn gut zu finden. Mein jetziger Gesprächspartner der sich als Walther vorgestellt hat, möchte neben Autos „made in Germany“ aber zum Glück nichts davon wissen. Nein er hat eine andere Frage: „Wieso kommen eigentlich so viele Deutsche nach Südafrika um Elefanten, Löwen usw. zu sehen? Habt ihr selbst keine?“ Das ist etwas, das mir auch schon häufig aufgefallen ist. Vielen Afrikanern ist offensichtlich nicht bewusst, dass es viele Tierarten nur auf ihrem Kontinent gibt, geschweige denn, dass diese dramatisch schnell immer weniger werden. Nachdem ich Walther erklärt habe, dass es bei uns gerade mal noch im Großen und Ganzen, Wildschweine und Eichhörnchen gibt, frage ich ihn ob er selbst schon Elefanten, Löwen, Giraffen oder sogar mal ein Nashorn gesehen hat. Wie die allermeisten seiner Landsleute hat er es nicht, er kennt diese Tiere leider nur aus Büchern.

Elefantenbulle in Erindi Namibia
„Habt ihr denn keine Elefanten in Deutschland?“

Im weiteren Gespräch erfahre ich, dass er bereits seit sechs Uhr am Morgen arbeitet (es ist jetzt kurz vor zehn Uhr am Abend) und dass er gerade mal 600 Meter vom Flughafen entfernt wohnt. Er zeigt die Straße vor uns hinunter und erklärt mir, dass seine Wohnung in dieser Richtung liegt. „So nah, das ist gut dann kannst du ja immer zur Arbeit laufen.“ sage ich ahnungslos an ihn gewandt aber er schüttelt mit dem Kopf. „Nein das geht nicht, ich fahre immer mit Freunden im Auto nach Hause.“ Ich schaue ihn stirnrunzelnd an. „Siehst du das große Haus dort“ er zeigt auf ein Hotel auf der anderen Seite des Parkplatzes, ca. 150 Meter entfernt. „Wenn du an diesem Haus vorbei läufst wirst du überfallen. Die klauen dir da alles und wenn du dich wehrst stechen oder knallen sie dich ab. Es gibt so viel verrückte Leute in dieser Stadt.“ sagt er etwas traurig und schaut zu Boden. Ich blicke ihn entsetzt an.  „Was? Wenn du dieses Hotel passierst dann wirst du überfallen? Nur jetzt in der Nacht oder auch am Tag?“ Er nickt, „Egal welche Tageszeit! Ob du Tourist bist oder Einheimischer interessiert diese Menschen auch nicht.“

Ich erinnere mich an die Geschichten die Karl und Lee erzählt haben. Von Leuten die mit ihrem Fahrzeug an Ampeln standen und dann von blitzschnellen Überfallgruppen aus dem Fahrzeug gezogen wurden. Von Räubern die mit Ziegelsteinen die Scheiben der Fahrzeuge einschmeißen völlig ohne Rücksicht ob sie die darin Sitzenden schwer verletzen oder gar töten. Lee ist es sogar schon selbst vor ein paar Jahren passiert. Die Angreifer mussten jedoch sehr schmerzlich feststellen, dass die kleine drahtige Frau einige Erfahrung im Kampfsport hat. Ja Südafrika hat neben der wunderschönen Natur auch eine sehr hässliche Seite, die enorm hohe Kriminalität.

Wir unterhalten uns fast eine Stunde. So lange bis der nächste Shuttel zum Hotel eintrifft. Es ist ein Kleinbus mit verdunkelten Scheiben und einem niedrigen, massiv wirkenden Anhänger für das Gepäck. Walther und ich verabschieden uns mit Handschlag und wünschen uns gegenseitig ein „Stay safe!“ Fahrer und Beifahrer steigen aus dem Shuttel, sie grüßen mit ernstem Gesicht. Beide tragen schwarze Anzüge mit goldenen Namensschildern des Hotels auf der linken Brust. Der Beifahrer wirkt irgendwie etwas kastenförmig unter seinem Jackett. Und wieso überhaupt sind sie zu zweit? Reicht nicht ein Fahrer? Es hieß doch das Hotel ist nur zwanzig Minuten vom Flughafen entfernt. Als die beiden meinen schweren Rucksack in den Anhänger heben und der Beifahrer sich über diesen beugt kann ich sehen was er unter dem Jackett trägt. Eine Schusssichere Weste und eine Pistole im Schulterholster. Okay, der Mann ist wohl für die Sicherheit während der Fahrt zuständig. Ist „Joburg“ wirklich so heftig? Scheinbar habe ich die Bewohner der Stadt unterschätzt.

So jetzt durchatmen, geschafft, es geht endlich zum Hotel. Ich konnte tatsächlich alles in der kurzen Zeit klären bzw. organisieren. Aber als wäre das nicht genug für heute gewesen, steigen jetzt zwei plötzlich aus der Dunkelheit auftauchend merkwürdige Typen in den Kleinbus. Sie setzten sich auf die Plätze vor mich und ich habe das Gefühl in den Vorspann eines achtziger Jahre Actionfilmes versetzt worden zu sein. Der linke sieht Original aus wie Dolph Lundgren, spricht aber mit tief russischem Akzent, während der rechte eine breitere und jüngere Ausgabe von Al Pacino ist. Er jedoch hat einen anderen Akzent, einen den ich mittlerweile auch gut kenne, israelisch. Was machen diese zwei aufgepumpten Brocken hier!? Ist das eine gemeinsame Aktion von KGB und Mossad? Solche Typen gibt’s doch sonst nur in Hollywood Filmen! Die zwei Actionfiguren da vor mir sollen mich bloß in Ruhe lassen! All das denke ich während ich müde aus dem Transporter auf die vorbeiziehenden nächtlichen Straßen von Johannesburg blicke. Mir reichst für heute mit der Aufregung, ich will jetzt duschen und schlafen, morgen geht es für mich schon wieder um 6 Uhr zum Flughafen zurück.

Fünf Rand für „ganz üble Kerle!“

Der nächste Morgen. Die Nacht war kurz und mein Schlaf noch kürzer. War ein komisches Gefühl einen ganzen Raum inkl. Bad wieder für sich allein zu haben. Ich nehme meinen schweren Reiserucksack und betrete beim ersten Tageslicht wieder den Flughafen von Johannesburg. Kaum habe ich das getan spricht mich ein hochgewachsener junger dunkelhäutiger Mann an. Wo ich denn hin möchte will er wissen. Er trägt ein perfekt sitzendes Hemd und teuer wirkende Schuhe, allgemein ein sehr sauberes Erscheinungsbild – im Gegensatz zu mir, ich sehe immer noch wie ein Ranger frisch aus dem Busch aus, zum mindestens war das letzten Abend Walthers Meinung.

Ich sage ihm zu welchem Schalter ich muss und denke mir nichts dabei. Walther hat mir gestern ja auch einfach so geholfen. Er führt mich über einen angeblich schnelleren Weg durch den Flughafen und ist dabei ausgesprochen freundlich. Wir erreichen den Schalter. Eine uniformierte Mitarbeiterin von South African Airways um die vierzig sitzt lesend dahinter. Sie blickt auf, sieht zuerst mich an dann den aus dem Ei gepellten Typen, der mich hierhergeführt hat. Ihr Blick verwandelt sich innerhalb von Sekunden von neutral über eiskalt bis hin zu „wenn Blicke töten könnten“. Der perfekt gestylte, angeblich hilfsbereite Kerl dreht sich auf dem Absatz um und rennt einfach weg. Was war das?! „Haben sie den Mann bezahlt?!“ donnert die Stimme der Flughafenmitarbeiterin mir entgegen. „Ich, was? Nein wieso sollte ich?“ frage ich verwirrt. „Das ist verboten! Sie dürfen solchen Leuten kein Geld geben! Das sind Verbrecher! Ganz üble Kerle! Die rennen mit ihrem Gepäck weg und was machen sie dann?!“ will sie wütend und mit finsterem Blick von mir wissen. Was zur Hölle ist denn jetzt schon wieder los? Ich habe niemandem irgendetwas gegeben! „Ich habe ihm kein Geld gegeben.“ sage ich und erwidere ihren Blick. „Gut“ ist ihre kurze Antwort und sie nimmt schweigend meinen Reisepass und mein vorläufiges Ticket entgegen. Während sie die Daten in den Rechner eingibt und mir mein richtiges Ticket wieder ausgibt spricht sie jetzt ruhig weiter. „Der wird wiederkommen, wenn sie hier fertig sind. Geben sie ihm maximal fünf Rand (Das sind in etwa 33 Cent), lassen sie sich in keine Gespräche verwickeln und vertrauen sie nur Leuten in Sicherheitswesten mit Ausweis. Begeben sie sich einfach auf dem schnellsten Weg in den Check-in-Bereich.“ Ich will mich gerade für ihre Aufklärung bedanken als sie den Finger hebt und hinzufügt: „Und gehen sie nicht den Weg zurück, den sie gekommen sind, gehen sie vorne herum. Dort wo die Polizisten stehen.“ Sie deutet nach „vorne“ ich folge ihrer Richtungsangabe und kann fünf Polizisten mit ihren Shotguns sehen die sich an einem Geländer anlehnen. „Dann wird er sich wahrscheinlich erst gar nicht trauen ihnen zu folgen“.

Wiedersehen

Im Check-in-Bereich angekommen frühstücke ich erst mal entspannt. Der Kerl, der wie aus einem Mode-Katalog aussah ist nicht mehr aufgetaucht und die 5 Rand Münze, die ich mir für ihn zurechtgelegt hatte kann ich gleich dem Trinkgeld für das Frühstück hinzufügen.

Ich ziehe mein Tagebuch aus dem Rucksack und schreibe in Ruhe all das auf was mir in den letzten 24 Stunden passiert ist. Die Uhr behalte ich dabei ganz genau im Blick. Eine gute Stunde vor dem Boarding laufe ich schlendernd zum Flugsteig. Ich schaue links und rechts in die Läden, passiere den Outdoorshop aus dem ich gestern gestürmt bin und erreiche fast die Treppe zum Flugsteig als mir jemand in einem Souvenirshop auffällt. Ich muss grinsen, freue mich schon auf die Reaktion der Person und trete von hinten an sie heran. „Entschuldigen Sie, sind sie zufällig Prinzessin Swildan?“. Lili dreht sich in Zeitlupe um, als wir uns ansehen fallen wir beide in schallendes Gelächter. „Was zur Hölle machst du denn hier? Solltest du nicht in Namibia sein?“ ist ihre erste begründete Frage nachdem wir wieder Luft haben. Ich erzähle der schwedischen Volontärin, mit der ich die letzten Wochen auf der Nashornauffangstation einige Abenteuer erlebt habe, in Kurzform was passiert ist. Während ich berichte schüttelt sie immer wieder grinsend den Kopf. Nach zehn Minuten gutgelauntem Austausch verabschieden wir uns nun zum zweiten Mal und ich wünsche ihr wieder viel Spaß auf Madagaskar – ihrem nächsten Resieziel. Für mich wird es jetzt endlich, mit einem Tag Verzögerung, wieder Zeit Namibia zu erleben. Ich freu mich drauf.

Junger verwaister Gepard in Namibia
Mein Ziel in Namibia – zurück zu den Raubkatzen.

Ende meiner „Outtake“ Bonus-Story, wies weiter geht erfahrt ihr natürlich in meinem Buch.

Ich hoffe es hat euch Spaß gemacht zu lesen!

Unfreiwillig in Johannesburg – TEIL I

Dieser Blogeintrag ist Bonusmaterial zu meinem Buch >ÜBERLEBEN<

Denn diese spannende und auch etwas lustige Geschichte hat ganz einfach nicht mehr ins Buch gepasst. Aber zum Glück doch noch seinen Weg auf meinen Blog gefunden.

Erster Teil meiner Bonus-Stroy „Unfreiwillig in Johannesburg“.

Viel Spaß beim Lesen!

Care for Wild - Rhino Sanctuary
Gerade eben noch auf der Rhino Sanctuary abseits der Zivilisation. (Foto: Tom Bickles, Februar 2017)

Orientierung: Gerade eben habe ich die Nashorn-Auffangstation im tiefen südafrikanischen Busch verlassen. Die viele körperliche Arbeit brennt noch in meinen Muskeln. Der „Rhino-War“ und hundert andere Eindrücke drehen sich in meinem Kopf, als ich mich auf den Weg nach Johannesburg mache. Von dort aus soll es weiter gehen ins Nachbarland Namibia, genauer gesagt nach Windhoek. Von der namibischen Hauptstadt werde ich dann weiterreisen auf die Auffangstation in der Kalahari, zurück zu den Raubkatzen und Wildhunden. Soweit der Plan.

Landung in der berüchtigten Stadt Johannesburg. Der Flug, mit dem ich ankomme, wäre fast wegen Unwetter abgesagt worden aber wir hatten Glück und die Maschine konnte abheben bevor das Gewitter den kleinen Flughafen erreichte.

„Joburg“ wie ihr Spitzname lautet, ist nicht wirklich eine Stadt, die mich reizt, aber sie ist nun mal ein Knotenpunkt für den Flugverkehr im südlichen Afrika. Die Stadt galt einige Jahre als gefährlichste Stadt der Welt, zusammen mit den hier erfahrenen Erlebnissen die mir ein paar Leute von der Nashorn-Auffangstation im Vorfeld erzählt haben wirkt die Stadt nicht gerade einladend und alles andere als sicher. Beim Hinflug hatte ich gerade mal vierzig Minuten Zeit zum „umsteigen“ in meine nächste Maschine Richtung Nashorn-Auffangstation und auch jetzt bin ich froh, dass ich hier nur ein paar Stunden Aufenthalt am Flughafen habe bevor es um halb acht abends weiter nach Namibia geht.

Okay Sebastian jetzt bist du nicht mehr im tiefen Busch, sondern in der Zivilisation, sage ich zu mir selbst und beobachte die mir fremd gewordenen hektischen Menschenmassen. Ich schaue auf die Uhr, fast vier Stunden noch bis zum Abflug, mehr als genug Zeit um die paar Kleinigkeiten, die ich mir auf einer Liste zusammen geschrieben habe zu besorgen. Unter anderem brauche ich ein neues Tagebuch, Sonnencreme, eins zwei Souvenirs und eine neue Kappe wäre auch gut. Meine alte ist durch Schweiß, Dreck und die starke Sonne ziemlich „fucked up“.

Vertraute Laute in Johannesburg

Während ich den Schildern folge höre ich es plötzlich wieder, vertraut und doch fremd – die deutsche Sprache. Tatsächlich kleine Touristengruppen in karierten Kurzarmhemden, mit unter den Arm geklemmten Jack-Wolfskin Jacken und schlecht gelaunten Gesichtern überholen mich. Ja das sind sie, die Deutschen, denke ich und vergesse kurz das ich selbst einer bin. Nur die weißen Tennissocken in Sandalen sehe ich zum Glück nicht, hat sich wohl endlich nach ein paar Jahrzehnten überall herumgesprochen wie bescheuert das aussieht. Ich fühle mich fast wie ein Naturforscher, der eine äußerst interessante Spezies beobachtet, meine eigene.

Breitmaulnashorn Bulle by Sebastian Hilpert
Die Spezies mit der ich in den Wochen vor Johannesburg am meisten zu tun hatte.

Den weitläufigen Flughafen erkundend, bleibe ich immer dann lauschend stehen, wenn ich eine Touristengruppe deutsch sprechen höre. Denn ich freu mich nach den vielen Wochen, in denen ich mich auf Englisch austauschen konnte jetzt wieder meine vertraute Sprache zu hören. Doch was ich höre schockt mich, mehr als achtzig Prozent der Gespräche und Äußerungen sind negativ. Sie alle sind mit ihren sauberen Klamotten auf dem Weg in den Urlaub oder kommen gerade aus diesem und haben nichts Besseres zu tun als sich am laufenden Band über Lächerlichkeiten zu beschweren. Sie meckern über die Kaffeepreise der Restaurants, sie sind unzufrieden darüber, dass niemand vom Flughafenpersonal deutsch spricht (Hallo wir sind hier in Südafrika und nicht auf Sylt!) und sie wirken fast alle enorm gehetzt, sind aber gleichzeitig genervt davon, dass sie „noch solange“ auf ihren Flug warten müssen.

Ich selbst stehe mit meiner oliv und khakifarbigen Kleidung, aus der der Dreck der letzten Wochen nur notdürftig gewaschen ist, daneben und staune. Der Großteil meiner Landsleute fliegt offensichtlich nur in den Urlaub, um zur Abwechslung auch mal außerhalb von Deutschland schlechte Laune zu haben. Ich bin wirklich entsetzt. Natürlich gibt es auch Ausnahmen aber die meisten der vierzig bis siebzig Jährigen sind hier von Grund auf negativ. Und aus dieser Altersklasse kommen mit Abstand die meisten der deutschsprachigen Touristen, die mir hier begegnen. Bin ich auch so? War ich mal so? Grundsätzliche Negativität trotz Luxus? Uns geht es im Vergleich zu den allermeisten Ländern doch verdammt gut. Wir sind ein demokratischer Rechtsstaat, haben immer fließend Wasser, Strom und eine funktionierende Infrastruktur. Wir haben sogar ein Sozialsystem und ein Gesundheitssystem. Auch wenn diese beiden Systeme sicherlich ausbaufähig sind, wir haben sie und das ist keine Selbstverständlichkeit. Milliarden Menschen in anderen Ländern können von unseren Sicherheiten und Freiheiten nur träumen. Doch statt das zu schätzen meckern wir lieber, suchen nach dem Haar in der Suppe und haben scheinbar Angst vor jeder Art von Veränderung.

So etwas passiert nur anderen

Mich beschäftigt das auffallend negative Verhalten der deutschen Touristen so sehr, dass ich fast die Zeit vergesse. Kontrolle, die Uhr sagt mir, dass ich noch dreißig Minuten bis zum Boarding habe, genug Zeit, um nach einer neuen Kappe in dem Outdoorshop zu sehen. Aus den Lautsprechern krächzen immer wieder mal halb verständliche Durchsagen, meist Personenaufrufe die Gefahr laufen ihre Flieger in Kürze zu verpassen. Ich frag mich wer so knapp anreist, dass er wirklich Gefahr läuft seinen Flug zu verpassen. Klar kann immer wieder mal etwas dazwischenkommen, aber das muss man eben mit genug Puffer einkalkulieren. Flug verpassen, nein so etwas wird mir mal nicht passieren.

Ich finde und bezahle eine grüne unkomplizierte Kappe. Nach etwas Smalltalk mit der Verkäuferin will ich gerade wieder mein Flugticket einstecken, welches man zum Zahlen vorzeigen muss als ich nochmals auf die Abflugzeit schaue. Die jetzt ist! Ströme von Hitze und Kälte durchfahren mich wellenartig von einer auf die andere Sekunde. Ich stürme so schnell ich kann in Richtung meines Flugsteiges. Weiche erschrockenen Menschengruppen aus und bleibe an eins zwei unvorsichtigen Personen hängen. Verdammt war ich wirklich so sehr abgelenkt, dass ich ausversehen die Abflugzeit mit Boardingzeit verwechselt habe?! Ja war ich verflucht nochmal! Ich haste die Treppen hinunter zu meinem Flugsteig, aber ich kann bereits sehen, dass er geschlossen ist, kein Mensch steht mehr dort.

In Südafrika, zurück nach Südafrika…

Was mach ich jetzt? Ich steuere die erste Flughafenmitarbeiterin an die ich finden kann. Sie erklärt mir, dass ich zur Information Station muss, evtl. gibt es ja heute einen weiteren Flug nach Windhoek auf dem noch ein Platz frei ist. Okay, das mach ich, denke ich mit stark erhöhtem Puls und ärgere mich unendlich über mich selbst. Verschwitzt und gestresst erreiche ich die Information. Der Mitarbeiter teilt mir mit, dass heute kein weiterer Flug nach Namibia geht, ich habe den letzten des Tages verpasst. Fuck! FUCK!! FUUUCK!!! „Sie müssen bei der Airline einen neuen Flug für Morgen buchen, heute geht definitiv nichts mehr.“ sagt er freundlich. Heute geht nichts mehr, ich versuche das zu verarbeiten, das bedeutet ich muss in Johannesburg übernachten! Aber wo? „Doch zuerst müssen sie wieder in Südafrika einreisen.“ ergänzt er noch. „Ich muss was?“ frage ich völlig verwirrt. Ich befinde mich doch noch in Südafrika. „Laut Reisepass sind sie bereits ausgereist und befinden sich in Richtung Namibia. Sie müssen jetzt erst mal wieder rückwärts durch alle Kontrollen bis zur Passkontrolle und sich dort eine Verlängerung von mindestens einem Tag geben lassen.“

Sebastian Hilpert pflegt Gepard in Namibia
Ziel meines verpassten Fluges – die Auffangstation in Namibia auf der ich bereits 2015 arbeitete.

Als passenden Soundtrack für meine folgende einstündige abendliche Hetzjagd durch den Flughafen von „Joburg“ würde ich wohl etwas von KORN wählen. Laut, hektisch aggressiv, ja das würde passen.

Mit rotem Gesicht und schwitzend haste ich durch die Gänge des Flughafens und frage mich im kurzen Kommandoton kommunizierend von einer Stelle zur nächsten. Währenddessen telefoniere ich mit Lisa (meine damalige Partnerin), die mein unerwarteter Anruf in der heißen Badewanne im eiskalten Deutschland überraschte. Sie wiederum kontaktiert meinen Reiseagenten, Herrn Grün. Einer der wohl am meist entspannten Menschen Mitteleuropas. Er erklärt mir in völlig ruhigen Ton, dass eine Sache in Johannesburg elementar ist. Das Gepäck! Ist es hier einmal weg taucht es auch nicht wieder auf. „Aber ist das nicht jetzt schon auf dem Weg nach Namibia?“ will ich von ihm wissen. „Nein, wenn sie nicht an Bord gegangen sind wird Ihr Gepäck wieder entladen. Finde sie ihr Gepäck als erstes, alles andere können wir danach regeln. Ich schaue mich schon mal für Sie nach verfügbaren Hotels in Johannesburg um.“ Gut, seine Ruhe ist so stark das sie ansteckend wirkt.

OFF LOADED

Mittlerweile bin ich auch wieder laut meines Reisepasses in Südafrika. Auf der Suche nach meinem Gepäck werde ich immer weiter in die Eingeweide des Flughafens gelotst. Andere Touristen sehe ich hier gar nicht mehr. Hin und wieder sitzen ein paar sehr entspannt wirkende Flughafen Mitarbeiter auf Plastikstühlen und sorgen dafür, dass ich mich nicht völlig verlaufe. Endlich komme ich in eine Halle in der sicherlich zwei bis dreihundert Gepäckstücke aufgereiht in zwei Linien liegen. „Alle von heute“ sagt ein an der Wand lehnender grinsender Mann mit Sicherheitsweste. Ich gehe die Gepäckreihen ab, doch mein olivfarbener skandinavischer Wanderrucksack ist nicht dabei. Der Sicherheitswesten-Typ sagt, dass ich es noch in einem Bereich ca. 200 Meter von hier versuchen kann, das wäre die letzte Möglichkeit wo mein Gepäck sein könnte. „Und wenn es dort nicht ist?“

Er zuckt mit den Schultern, okay nicht aufgeben weiter gehen. Ich erreiche nach 200 Metern eine Einbuchtung, in der ein einzelner grauhaariger Mitarbeiter sitzt, neben ihm sind genau drei Gepäckstücke, meines ist nicht dabei. FUCK! Brülle ich in Gedanken. Was mach ich jetzt? Eine Klappe im Boden hinter dem Mann wird plötzlich von außen aufgeschoben. Lauter Fluglärm schlägt uns aus der Luke entgegen und ich kann ein Stück Flugbahn sehen. Ein Rucksack wird von außen in die Einbuchtung gehoben. Er ist olivgrün ein großer roter Aufkleber klebt auf ihm. „OFF LOADED“ steht darauf. Ich atme auf, es ist tatsächlich meiner.

Fortsetzung der Story

Ende des ersten Teiles meiner Zusatzstory, wie es weiter geht, welche komischen Gestalten mir noch in der Stadt begegnete, warum mein Flug nicht umgebucht wurde und wo ich überhaupt übernachten konnte – alles nächste Woche im Teil II von „Unfreiwillig in Johannesburg“.

TV-INTERVIEW „TALK AM SONNTAG“

Sehr interessant! Nach dem ich bereits beim BR Live in der Sendung „Wir in Bayern“ zu Gast war, durfte ich jetzt mein zweites TV Interview geben. Bei der Sendung „SO GESEHEN – TALK AM SONNTAG“ hatte ich das Glück zwanzig Minuten über Artenschutz, Wilderei, Wildtierauffangstationen, mein Buch und vieles mehr sprechen zu können. Und das alles entspannt in einem gemütlichen Hamburger Café. Obwohl die die Themen teilweise ernst waren, gab es natürlich  auch etwas zu lachen.

Die Sendung wurde am 07.07.19 von SAT1 ausgestrahlt. Hier könnt ihr sie nochmal in voller Länge sehen. Viel Spaß dabei!

 

„ÜBERLEBEN“ DAS BUCH

ES IST SOWEIT! MEIN BUCH IST DA!!!

Ich platze vor Aufregung und Freude! Nach knapp eineinhalb Jahren intensiver Arbeit ist jetzt mein erstes Buch veröffentlicht worden! Wie ihr oben im Video seht fehlen mir etwas die Worte! Die Gefühle spielen einfach verrückt…

All meine abenteuerlichen Erlebnisse und Erfahrungen in Namibia und Südafrika sind in dieses mir unglaublich wichtige Herzensprojekt geflossen. Ich freu mich so sehr das jetzt endlich alles mit euch teilen zu können! Intensiv gefühltes Afrika, außergewöhnliche Wildtier Begegnungen, Hintergründe zu Safari, Volontärs Arbeit, Jagd und Wilderei. Schlicht, über das dortige Leben und Überleben. So nah, ehrlich und persönlich geschrieben wie es mir möglich war. Dazu viele eindrucksvolle Fotos und weiteres Bonusmaterial! Schaut einfach mal rein! Das Buch ist in allen Buchhandlungen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz zu haben. Ansonsten ist es natürlich auch online bestellbar.

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DIE OFFIZIELLE BUCHBESCHREIBUNG:

„Tief im südlichen Afrika, inmitten berauschender Landschaften, wo Geparden ihm den Kopf putzen, Erdmännchen sich in seiner Achillessehne verbeißen und er einem Spitzmaulnashorn zu Fuß begegnet, erlebt Sebastian Hilpert Abenteuer, die er sich nie hätte vorstellen können. Zwölf Jahre war er Soldat und hatte sich am Ende so weit von sich selbst entfernt, dass er in eine Depression stürzte. Der Weg der seelischen Heilung führt ihn zu verwaisten Raubkatzen in der Kalahari und weiter auf eine Nashorn-Auffangstation in Südafrika, wo der Rhino War, der Krieg um die letzten Nashörner, erbarmungslos wütet. Als Volontär kümmert er sich um verwaiste und verletzte Tiere, zieht Karakale und Nashörner mit der Flasche auf und lernt die Härte der Natur wie auch die Skrupellosigkeit der Wilderer aus erster Hand kennen. Später reist er als Fotograf durch die beeindruckende Weite Namibias und arbeitet als Wildhüter in einem Wildtierreservat.
Ein Buch voller Engagement und Abenteuer in nahezu unberührter Natur und zugleich eine Geschichte des inneren Wachstums, die uns an die Verantwortung erinnert, die wir tragen: gegenüber den Lebewesen dieser Erde und uns selbst.“

SOMEWHERE IN NAMIBIA – ON PATROL

Ein stimmungsvolles, kurzes persönliches Video mit faszinierenden Landschafts- und Tieraufnahmen aus Namibia.

Unsere Artenvielfalt ist beeindruckend, faszinierend und wunderbar. Doch um sie weiter zu erhalten, muss sie in vielen Teilen der Welt stark und vor allem aktiv geschützt werden. Ohne diesen Schutz geht es einfach nicht mehr. Innerhalb kürzester Zeit würden viele Arten durch die Zerstörung von Lebensraum und der Wilderei ausgerottet werden. Aber auch der Natur- und Artenschutz ist vielseitig. Forschung, seriöse Schutzorganisationen, Auffangstationen und private Wildtierreservate sind nur wenige Beispiele.

Im August und September 2017 begleitete ich meinen Freund Louis bei seiner Tätigkeit als Wildhüter auf einem dieser riesigen privaten Wildtierreservate. Wildlife Management und Antiwildere Patrouillen im namibischen Busch – das war unsere tägliche Arbeit. Dieser Aufenthalt war meine bisher intensivste Zeit in Afrika. Weder meine Aufenthalte als Fotograf auf Safari, noch als Volontär auf verschiedenen Wildtierauffangstationen haben mich nachhaltig so beschäftigt.

Im August 2018 bin ich dann wieder nach Namibia gereist. Natürlich habe ich auch wieder Louis besucht. Diesmal zwar nur zwei Wochen, aber dafür zusammen mit meinem Bruder Alex. Der währenddessen diese wunderbaren Filmaufnahmen von uns gemacht hat. Zusehen sind wir auf Patrouille, die beeindruckende namibische Landschaft und Tierwelt. Ich hoffe das kurze Video, das daraus entstand kann euch ein wenig zeigen warum ich mich so magisch von diesem Land angezogen fühle.

PS. Schaut es euch am Besten in HD und Vollbild an.

PPS. Lasst mich wissen, wenn ihr gerne mehr solcher Videos sehen würdet.

PPPS.  Das Video darf sehr gerne kommentiert, geteilt und verteilt werden.

Mein Rückblick auf 2017

Wildhüter Sebastian Hilpert mit Beagle Welpen Stouter Kabouter in Namibia

Ein ereignisreiches und erkenntnisreiches Jahr liegt hinter mir.

Nachdem meine Militärdienstzeit nach 12 Jahren zu Ende ging hieß es für mich gleich Anfang Januar „zurück nach Afrika“. Erst in den Südafrikanischen Busch auf eine Nashorn-Auffangstation um dort als Volontär die Auswirkungen des „Rhinowar“ hautnah zu erleben. Gleich im Anschluss weiter um den Rest des Februars und den März auf der Wildtierauffangstation in der namibischen Kalahari zu verbringen wo vor fast drei Jahren meine Afrika-Leidenschaft begonnen hat. Nach nur einem Monat Pause und reparieren meiner Kamera in Deutschland ging es im April/Mai wieder nach Namibia, diesmal selbstständig als Fotograf auf Safari. Höhepunkt des Jahres war dann im August und September meine insgesamt fünfte Namibia-Reise. Zu Gast bei namibischen Freunden, wo ich die Möglichkeit hatte sie bei der täglichen Arbeit auf einem riesigen privaten Wildtierreservat zu begleiten. Wildtiermanagement und Antiwilderer Patrouillen waren hier der klare und blutige Schwerpunkt.

So viele neue Erlebnisse, Eindrücke und interessante Menschen durfte ich dieses Jahr kennenlernen. Tausende von Bildern aufnehmen. Doch, 2017 war ein tolles Jahr, wenn auch nicht immer alles super positiv oder leicht zu verdauen war, aber alle Erkenntnisse waren und sind wichtig.
Danke an alle die mich dieses Jahr in welcher Form auch immer unterstützt haben! Ich wünsche euch ein tolles und erfolgreiches Jahr 2018!!!

Ps. Der kleine Beagle Welpe den ich auf dem Foto im Arm habe gehört meinen namibischen Freunden und war im August/September mein ständiger Begleiter.

„Uhu Bärbel und doppelt Sahne“

Sebastian Hilpert mit Klaus-Bärbel bei Tanja Brandt
Mit Bärbel dem sibirsischen Uhu durch den Wald.

Vereinzelte orangene Lichtpunkte durchdringen den dichten Wald der an dieser Stelle aus einem Großteil jungen Birken besteht. Bärbel sitzt fest auf meinem Arm, die Krallen ihrer Fänge spüre ich deutlich. Der Kopf mit den großen leuchtend orangenen Augen blickt sich aufmerksam aber ruhig um. Bärbel ist ein sibirischer Uhu.

„KLAUS-BÄRBEL“

Diese Uhuart ist die größte mit einer Spannweite von ca. 1,70m bis 1,80m. Sie sind Grifftöter, das bedeutet sie packen ihre Beute mit ihren kräftigen Fängen und drücken diese schraubstockartig zu. Einen ausgewachsenen Fuchs tötet dieser Griff in drei Sekunden. Ob sie eine oder zwei Sekunden mehr für einen Labrador bräuchte weiß ich nicht und ich will es jetzt auch nicht ausprobieren. Zum Glück ist die Spaziergängerin die uns entgegenkommt aber vernünftig, sie hat ihren Labrador an der Leine und macht einen Bogen um uns.

Klaus-Bärbel krasse Augenfarbe
Leuchten!

Es ist unser vierter oder fünfter Besuch innerhalb von knapp zwei Jahren bei Tanja der Falknerin die mit ihren Bildern von ihrem belgischen Schäferhund „Ingo“ und ihrem Steinkauz „Poldi“ mittlerweile weltberühmt ist. Sie ist bescheiden, tut ihren Erfolg etwas ab und bildet sich auch nichts darauf ein. Aber trotzdem, sie erhält internationale Preise und ihre Bilder werden in Magazinen von Nordamerika bis China gedruckt.

Berühmtheiten Ingo und Poldi
Mit „Ingo“ und „Poldi“ zum Welterfolg. Quelle: Tanja Brandt – www.ingoundelse.de

Wir lassen den Wald hinter uns und betreten eine Wiese mit kniehohem Gras. Tanja sucht mit ihrer Nikon und dem Hammer-genialen 300mm 2,8 Objektiv eine gute Position. Ich nehme den Falknerhandschuh ab damit man das sieht wovon wir Bilder machen wollen. Das Tattoo von Bärbel auf meinem linken Unterarm zusammen mit der lebendigen Vorlage 😉

Kratzer

Der Uhu krallt sich nun auf die nackte Haut meines rechten Arms und Tanja schickt uns etwas von links nach rechts bis der Hintergrund passt.

Bärbel entdeckt scheinbar etwas am Waldrand das ihr nicht passt. Sie will von meinem Arm losfliegen, ich halte sie jedoch fest und mache den Fehler mit der linken Hand nachzugreifen um sie wieder auf meinen Arm zu setzten. Kurzer brennender Schmerz, eine einzelne Kralle hat meine Hand gestreift. Glück gehabt, nur die oberste Hautschicht ist von der beiläufigen Bewegung aufgerissen. Ein ca. zehn Zentimeter langer Riss ist nun in meiner linken Handinnenfläche. In fünf Tagen ist er schon wieder vollständig verheilt. Weitaus schneller als der Biss eines Erdmännchens…

Sibirischer Uhu Klaus-Bärbel entdeckt etwas am Waldrand
Außenseite meines linken Unterarms. Zu sehen ist eine Seitenansicht von Bärbels-Kopf. Schwarzer Schnabel, orangenes Auge und ihre „Ohrfedern“ stechen hier klar hervor.

Bärbel sitzt wieder brav auf meinem Arm und Tanja macht noch ein paar Bilder mit Lisa zusammen. Danach laufen wir wieder durch den dichten Wald zurück in die Falknerei und versorgen dort Tanjas Greifen.

Im Anschluss geht es in die Eisdiele mitten im „schönen Remscheid“ oder ist es Wuppertal? Ich kann es nicht auseinanderhalten. Hier fährt man ein und dieselbe Straße entlang und passiert dabei dreimal das Ortsschild „Remscheid“ und zweimal „Wuppertal“, als Würzburger bin ich damit überfordert. Egal Navi wird’s schon richten.

Tanja gibt in der Eisdiele die gleiche Bestellung wie in den letzten zwei Jahren auf:„Vier Kugeln Erdbeer mit doppelt Sahne bitte, wegen der Diät.“ 😉

Tanja Brandt mit Klaus-Bärbel
Tanja mit Bärbel im hohen Gras.

Der Ameisenbärendrache

Pangolin auf Erindi
Der Schwanz des „Ameisenbärendrachens“

Die Sonne steht weit im Westen und bereits so tief, dass mir die Krempe meines Hutes kaum mehr Schutz bietet. Es ist windig, die Vegetation ist dicht für die Jahreszeit und wir suchen die Nadel im Heuhaufen.

700 km² also 70 000 Hektar ist das private Wildtierschutzgebiet „Erindi“ groß. Da kann man schon mal an einer ganzen Elefanten Herde in 100 Meter Entfernung vorbeifahren und diese nicht bemerken.Das Tier das wir jedoch suchen ist gerade mal 40 – 80 cm lang und gut getarnt. Unsere einzige Chance ist es mit Hilfe eines kleinen Peilsenders zu finden den es bei sich trägt. Aber dieser hat nur eine geringe Reichweite und selbst wenn wir ein Signal finden würden heißt das lange noch nicht das wir auch das Tier finden.

Aber von welchem Tier schreibe ich hier überhaupt? Es ist eines der seltensten Säugetiere das man im südlichen Afrika suchen kann. Eines der unerforschtesten, eines der gefährdetsten, eines der faszinierendsten und skurrilsten.
Wenn ich es kurz beschreiben sollte würde ich sagen es ist ein Mischung aus Ameisenbär und einem kleinen Drachen – ein Ameisenbärendrache, ja das wäre meine Beschreibung.

Der englische Name, der mir auch gut gefällt ist „Pangolin“, der deutsche Name ist mehr eine Bezeichnung, eine unpersönlich klingender Name „Schuppentier“. Nicht zu verwechseln mit dem Gürteltier. Aber wie gesagt der Ameisenbärendrache verdient einen wohlklingenden Namen und deshalb werde ich den englischen verwenden – Pangolin.

Und dieses Pangolin suchen wir. Gerade mal zu Dritt in dem großen olivenen Land Rover der mich mit seinen Fahreigenschaften an den ein oder anderen Radpanzer meiner Militärzeit erinnert.

Der Guide Warren, Lisa und ich. Warren ist der Pangolin Spezialist auf Erindi. Keiner hat hier soviel Pangolins gesichtet wie er. Es gibt ein regelrechtes Ranking unter den Guides wer wie viele Pangolins in seinem Leben gesehen hat oder ob er überhaupt mal eins gesehen hat.

Wir fahren am späten Nachmittag los da Pangolins nacht- dämmerungsaktiv sind. Wir fahren erst mehr als eine halbe Stunde durch Buschland auf den höchsten noch zu befahrenden Berg – den „Officehill“. Der Ausblick ist atemberaubend. Buschland bis an den Horizont gelegentlich durchbrochen von kleinen Hügelketten oder massiven Bergen in weiter Ferne. Warren steigt aus, baut die Antenne für den Peilsender zusammen und klettert noch etwas höher.

Erindi Officehill
Auf dem „Officehill“

Bis er zurückkommt nutze ich die Zeit um ein paar Bilder zu machen. Als er dann zurückkommt schüttelt er mit dem Kopf. Kein Signal. Wir müssen es anderswo probieren. Er verrät uns, dass die letzten drei Versuche das Pangolin zu finden leider erfolglos waren. Wir versuchen es natürlich weiter. Wir fahren den abenteuerlichen „Officehill“ wieder herunter um nach 20 Minuten Fahrt auf einer anderen Felsformation es erneut zu probieren.

Diesmal fängt er ein schwaches Signal in westlicher Richtung ein. Zwar schwach aber ein Signal!

Leider heißt das nicht automatisch, dass wir es auch finden. Es könnte sich z.B. in völlig unwegsamen und unerreichbarem Gebiet aufhalten, sich in eine Höhle unter der Erde zurückgezogen haben oder der Sender ist an ein Raubtier verloren gegangen das versucht hat das Pangolin zu knacken.

Raubkatzen wie z.B. Löwen oder Leoparden, Wildhunde und Greifvögel haben keine Chance die Rüstung aus sich überlappenden Panzerschuppen zu brechen wenn es sich eingerollt hat. Nur die Hyänen, die die stärkste Beißkraft in der ganzen Tierwelt besitzen, könnten es schaffen.

Aber von was ernährt sich eigentlich so ein Pangolin? Ameisen, sehr viele Ameisen! Pro Streifzug in der Nacht fängt es mit seiner 30 – 60 cm langen Zunge ca. 300 000 Ameisen. Das entspricht einem Gesamtgewicht von etwa 1 kg Ameisen und das bei einem Eigengewicht von 8 – 35 kg.

Wir machen den nächsten Halt, erneute Signalprüfung. Da ist es, das stetige Piepen. Ein deutliches Signal Richtung Norden, doch dahin führt kein Buschpfad mehr. Also querfeldein durchs Buschland. Das Piepen wird lauter und die Abstände zwischen den Tönen geringer. Wir halten immer wieder an um die Richtung zu kontrollieren und noch ist die Sonne noch nicht untergegangen. Ich hoffe sehr, dass wir das Pangolin finden, wenn das im Tageslicht wäre wäre es umso perfekter da ich dann sogar noch ein paar Fotos machen könnte.

Warren der bisher immer sehr konzentriert wirkte hält erneut im Buschland an und steigt aus. Er läuft ein Stück und kommt nach zwei Minuten zurück. Grinsend von einem zum anderen Ohr. „Du hast ihn gefunden???“ frage ich aufgeregt. „Ja“ antwortet er noch immer grinsend. „Gleich da hinten liegt er unter einem kleinen Baum und schläft. Nicht in einer Höhle sondern im Freien.“ JA! Was für ein Glück! Wir steigen aus und laufen mit dem sich immer noch sichtlich freuenden Guide durch den Busch.

 

Panzerschuppen Pangolin
Pangolin, das kleine Gesicht (nicht sichtbar) am Boden unter den Panzerschuppen. So schläft es sich sicherer.

Und plötzlich vor uns liegt gut getarnt ein kleiner Fels, der keiner ist. Ein Fels der aus Panzerschuppen besteht. Das klitzekleine Gesicht zum Schutz am Boden und durch die Panzerschuppen des Oberkörpers versteckt. Es ist ein faszinierender Anblick und ich bin ganz aufgeregt.

Warren holt den Wagen etwas näher und verkündet über Funk stolz den anderen Guides dass wir das kleine Fabeltier gefunden haben. Ich mache derweil Nahaufnahmen von den wunderschönen Panzerschuppen als ich plötzlich etwas höre. Ein leises doch tiefes atmen mit gelegentlich zufriedenen Seufzern. Das erinnert mich sofort an unseren Kater Zuhause! So hört sich Peter unser Kater an wenn er tief schläft und träumt. Ich frage Lisa und Warren ob sie das auch hören. Der Guide kommt näher, so das wir beide nur noch zwanzig Zentimeter mit unseren Ohren von ihm entfernt sind. „Ja unglaublich“ sagt Warren, „Er schnarcht, das habe ich noch nie zuvor gehört!“

Wie genial ist das denn?! Ich bin sofort verliebt in den Armeisenbärendrache der Geräusche wie mein Kater macht.

 

Sebastian Hilpert mit dem schnarchende Pangolin
Der kleine schnarchende Pangolin und ich – sein neuer und begeisteter Fan!

Mittlerweile hat es sich unter den Guides herumgesprochen und sie versuchen ihre Gäste zu überzeugen, dass sie dieses faszinierende Tier einer Suche nach einem Elefanten oder Löwen vorziehen sollten. Aber offensichtlich können viele mit einem Pangolin nichts anfangen und einfach zu finden sind wir mitten im Busch abseits der Wege auch nicht. Leider ist es so, dass der Duchschnitts-Safarigast denkt eine Safari besteht daraus möglichst viele der „Big Five“ zu sehen und wenn ein Tier nicht besonderes laut oder groß ist ist es nichts Besonderes. Sie wollen lieber Elefanten oder Löwen sehen und das am besten innerhalb eines Tages. Arme Guides, ich würde bei soviel Ignoranz und unbelehrbarer Dummheit völlig eskalieren.

Aber wie außergewöhnlich ist es denn ein Pangolin in der Wildnis zu sehen? Warren, seit 9 Jahren Guide auf Erindi, hat darauf eine deutliche Antwort:

„Von einer Millionen Touristen die den Krüger Nationalpark besuchen sieht ein einziger davon (evtl.) ein Pangolin.“

Pangolin liegt flach auf dem Boden
300.000 Ameisen täglich… faszinierend.

Grund für ihre Seltenheit ist auch bei diesem Tier mal wieder der Mensch. Die Preise sind extrem hoch, der illegale Handel mit Pangolins oder Teilen von ihnen wird sogar noch höher bestraft als der mit dem Horn des Nashorns.
Hauptabnehmer mit über 90 % auf dem Schwarzmarkt ist wieder China.

Ich habe ein extrem schwieriges Verhältnis zu China. Das hängt zum einen mit meinen Erfahrungen auf der Nashornauffangstation in Südafrika zusammen (LINK zum Beitrag) zum anderen mit diversen negativen Begegnungen mit Chinesen. Das führt dazu, dass ich mittlerweile eine massive Ablehnung gegenüber der chinesischen Kultur habe die mir persönlich als die respektloseste gegenüber der Natur und den Tieren auf dieser Welt erscheint.

Der kleine Ameisenschreck ist mittlerweile aufgewacht und rollt sich nun ein. Für drei Sekunden kann ich sein kleines spitzes Gesicht mit den Knopfaugen sehen.

Die Sonne verschwindet hinter dem Horizont und wir beschließen wieder zu fahren, dann kann der Pangolin in Ruhe auf seinen nächtlichen Streifzug gehen.

Als wir den Land Rover wieder besteigen hat sich der Wind gelegt und ich habe meine Lieblingstiere, die aus verschiedenen Katzenarten bestehen, nun um eine Nicht-Katzenart erweitert. Naja immerhin hört es sich wie eine Katze an, wenn es schläft.

 

Swakopmund zwischen Namibwüste, Atlantik, Kaiser und Karsten

Leuchttrum Swakopmund
Das Wahrzeichen Swakopmunds im Sonnenuntergang, der Leuchtturm von 1902.

„Es ist echt wie in Deutschland, da musst du hin“. Das hörte ich im Frühjahr 2015 als ich das erste mal in Namibia war über den kleinen Küstenort mit dem markanten rot-weißen Leuchtturm. Aber mal ganz ehrlich wieso sollte ich zehn Stunden mit dem Flugzeug von Deutschland nach Namibia fliegen um dort dann nach fünf weiteren Stunden Autofahrt einen Ort zu besuchen der „echt wie in Deutschland“ ist? Ich bin doch im südlichen Afrika um genau nicht in Deutschland zu sein. Da bräuchte ich doch gar nicht wegfahren! Das waren meine Gedanken und als ich dann im Dezember 2015 das erste mal während einer Reise durch Namibia Swakopmund besuchte war ich sehr überrascht und das nicht negativ. Es war ganz anders als erwartet, das war auch der Grund weshalb ich im April 2017 die 43.000 Einwohner zählende Kleinstadt wieder besuchte und nun diesen persönlichen Blogeintrag schreibe.

Flachdächer die an Mexiko erinnern, sehr breite Straßen die an Teile der USA erinnern. Wenn man an einer Kreuzung die Straße runter in die südliche Richtung blickt sieht man die Sanddünen der ältesten Wüste der Welt. Wenn man die Straße nach Westen entlang blickt, sieht man den glitzernden eiskalten Atlantischen Ozean. „Echt wie in Deutschland“?! Nein absolut nicht, aber es ist die Stadt in Namibia in der man die Deutsche Kolonialzeit noch am deutlichsten sieht. Und das ist gar nicht schlecht, denn es macht sie zu einem besonderen Ort. Dem beliebtesten Urlaubsort in Namibia, auch für die Namibier selbst.

Bismarck Straße Swakopmund
„Bismark Straße“ Ein paar der alten Straßennamen gibt es noch.

Was macht die Stadt so besonders?

Das sind mehrere Faktoren. Zum einen die Lage – Begrenzt durch Namibwüste im Süden, Atlantik im Westen und Skelettküste im Norden.

Das Klima – Regentage gibt es ganze zwei im Jahr. Da kann man schon mal den ganzen Regen eines Jahres verschlafen…

Jetty Swakopmund
„Jetty“ – der Laufsteg reicht 300m in den kalten Südatlantik.

Der kalte Benguelastrom im Meer hält die Stadt im afrikanischen Sommer (Oktober bis März) mit durchschnittlich 20° angenehm kühl im Gegensatz zum Landesinneren.

Zum anderen die Architektur der Innenstadt die durch die deutsche Kolonialzeit von 1884 bis 1915 dominiert wird. Wilhelminische Giebel und Jugendstilfassaden in Afrika – das ist außergewöhnlich! Schräg gegenüber unsere Unterkunft steht die Evangelisch Lutherische Kirche, geweiht 1912 und sie sieht aus als wäre sie direkt aus einer mitteldeutschen Stadt hierher gebeamt worden. Auch dem alten Bahnhof von 1901, dem „Alten Amtsgericht“, dem Leuchtturm, dem Woermannhaus, dem Hohenzollernhaus oder der alten Kaserne sieht man sofort an, dass die Architektur aus Deutschland zur Kaiserzeit stammt. Das macht zusammen mit den Palmen und dem Sand auf der Straße ein ganz eigenen Flair.

 

Sacheldraht in Swakopmund
Sicherheit, auch in Swakopmund schützt jeder sein Grundstück mit Stacheldraht und Alarmanlage. Im Hintergrund die schöne Evangelische Kirche von 1912.

Aktivitäten

„Alles ausgebucht tut mir leid“. „Für die nächsten drei Tage? Bei allen Anbietern???“ „Leider ja“.

Tja mir wurde die „Living Dessert Tour“ von vielen Seiten empfohlen aber wir hatten offensichtlich die Nachfrage unterschätzt. „Die meisten buchen das jetzt schon von Zuhause aus. Die Nachfrage wird größer, es kommen immer mehr Touristen“. Das war die Aussage der freundlichen Dame an der Information. Und damit hatte sie recht.

Noch vor zwei Jahren sind uns nicht einmal ein viertel so viele Touristen in Namibia begegneten wie jetzt. Aber zum Glück ist Namibia vom Massentourismusflair noch weit weg aber doch muss ich hier jetzt empfehlen solche Aktivitäten wie Wüstentouren, Heißluftballonfahrten, Fallschirmspringen oder ähnliches vorab zu buchen. Sonst steht man da wie wir…

Zum Glück gibt es noch viele andere Dinge die man hier tun kann.

Der Damaraturm am Ankerplatz eignet sich z.B. hervorragend um sich ein Überblick von der Stadt zu schaffen. Der 25 Meter hohe Turm gehört zu dem 1894 erbauten „Woermannhaus“, eines der ältesten Gebäude des Ortes. Die Sicht von der Spitze aus ist beeindruckend, da man sieht wie direkt hinter den Dächern der Stadt die Dünen der Namibwüste an den Ozean reichen.

 

Über den Dächern von Swakopmund
Blick vom Damaraturm Richtung Süden. Die Dünen der Wüste links, der Ozean rechts.

 

Interessant und z.B. geeignet für einen ruhigen Sonntagmittag wenn fast alle Geschäfte geschlossen haben, ist das privat betriebene Swakopmund-Museum.

Das Museum ist größer als es von außen den Anschein macht und beinhaltet eine Vielfalt an Geschichte und Kultur Namibias.

„Kleiner“ Geheimtipp für die diejenigen die etwas ungewöhnliches fotografieren wollen oder sowieso die Küste nach Norden entlangfahren.

Man fährt die Küstenstraße von Swakopmund aus Richtung Skelettküste. Links sieht man die Brandung des Meeres, rechts das Ödland. Nach ca. 50 km ragt dann etwas aus dem Meer das mir als ich es das erste mal sah die Nackenhaare hat aufstellen lassen. Es war im Dezember 2015 auf dem Weg ins Damaraland. Die Küste war nebelverhangen und die Landschaft durch die fehlende Sonne grau und leblos. Plötzlich ragte wie aus einem postapokalyptischen Albtraum dieses Schiffswrack aus dem Meer. Damals hielt ich nicht an um es zu fotografieren, was mich im Nachhinein ärgerte und weshalb ich es dieses Jahr nachholte.

Extra früh um fünf aufgestanden um im Morgenlicht das Wrack des angolanischen Kutters mit dem Namen „Zeila“ zu fotografieren. Mittlerweile weist sogar ein kleines Schild an der Straße auf das Schiff hin und man hat eine ebene Fläche neben der Straße an der man das Auto abstellen kann um die wenigen Meter zum Strand zu laufen. Ich mag solche Fotomotive einfach!

Schiffswrack Zeiler in der Nähe von Swakopmund
Schiffswrack an der Küste – Die „Zeila“ 50 km nördlich von Swakopmund.

Restaurants & Cafés

Essen, gutes Essen ist wichtig. Meine Laune kann man z.B. hervorragend positiv mit gutem Essen und guten Kaffee beeinflussen.

Gute Restaurants gibt es eine Vielzahl ich werde natürlich nur über die schreiben die ich selbst besucht habe.

Mh, da stehe ich bei 32° im April in der afrikanischen Sonne, habe den salzigen Duft des Atlantik in der Nase und lese folgende Worte über mir an der Wand: „Hopfen und Malz, Gott erhalts“.

Das ist das „Swakopmund Brauhaus“, innen ist die Decke mit allen möglichen Fahnen der Welt aber vor allem Deutschlands geschmückt. So sieht man hier neben der Flagge Bremens, Hamburgs, Sachsen, Bayern, Finnland und Wales auch die Flagge von Franken und sogar Unterfranken.

Am besten ins Gespräch mit Einheimischen kommt man wenn man sich an die Bar setzt. Gegessen werden hier typisch deutsche Gerichte zu denen hier hauptsächlich nach deutschem Reinheitsgebot gebrautes Bier getrunken wird. Es gibt aber auch eine riesige Weinkarte, was aber die Touristen aus Südafrika, die neben den Deutschen den größten Touristenanteil ausmachen wenig interessiert. Die Südafrikaner trinken hier vor allem 2 Liter fassende Biergläser in Stiefelform. Das wird in ihrem Reiseführer als „typisch deutsch“ angepriesen. Sorry Jungs aber bei uns gibt’s maximal „nur“ Maßbier. Bei zwei Liter wird das Bier ja auch schal bevor es getrunken ist…

Brauhaus Swakopmund Namibia
Fahnen und Bier – Swakopmund Brauhaus

Sushi in Namibia? Warum nicht, ich glaube sogar es war das beste Sushi das ich überhaupt gegessen habe. Das „Ocean Cellar“ gehört zwar zu einem Hotel aber das stört weiter nicht. Der Fisch, die Meeresfrüchte und das Sushi sind erstklassig. Daneben hat man von der Terrasse einen sehr guten Ausblick auf den kleinen Strand wo sich wagemutige in den verschiedensten Altersklassen – in die meist nicht wärmer als 18 – 20° „warme“ See stürzten.

Kaffee, Kaffee, Kaffee

Ich mag guten Kaffee. Kein Filter- oder Instantkaffee sondern das wirklich gute Zeug aus den z.B. italienischen Maschinen.

Wer es etwas skurriler haben möchte geht insCafe Anton“. Das Cafe im „Schweizer Haus“ hat eine schöne Terrasse mit Blick auf den Leuchtturm. Skurril ist es weil es komplett im deutschen 70er Jahresstil eingerichtet ist und es dort Schwarzwälder Kirschtorte und Frankfurter Kranz gibt. Das empfand ich als jemand der Namibia vor allem aus dem Busch / Wildnis kennt doch als sehr verwirrenden, aber das ist nun mal Swakopmund.

Bunt, afrikanisch, lebensfroh und herrlich unkompliziert, dazu riesige Frühstücksbrote, das ist das „Village Cafe“. Der bunte Innenhof mit dem alten VW Bulli ist ein echter Wohlfühlort. Kann man nur empfehlen.

Der Geruch von frisch geröstetem und gemahlenen Kaffee weht auf die Straße vor das Café „Slowtown“. Das neue und modern eingerichtete Kaffee könnte auch locker in einem Szeneviertel in Hamburg, Wien oder Berlin stehen. Es ist gemütlich, hell und hier wird der Kaffee selbst geröstet und gemahlen. Von der Terrasse aus hat man auch hier einen schönen Blick auf den Leuchtturm. Die Kuchen sind der Hammer und ich kenne nur ein einziges Café in Deutschland das besseren Kuchen macht. Ich bin begeistert von diesem neuen und stylischen Café, mein klarer Favorit.

Cappuccino im Cafe SLOWTOWN Swakopmund
Kaffeegenuss vor Ort, frisch gerösteter Kaffee für Daheim oder ein Muffin? Slowtown hat es – in bester Qualität.

Und sonst so – Warum wieder Swakopmund?

Was macht ein Ort zu einem Ort den man wieder besuchen möchte? Sind es in Swakopmund die vielen Läden? Safariausrüstung, Buchläden (unter anderem das älteste Namibias von 1910) und viele Souvenirläden gibt es ja. Ist es die Architektur? Die besondere Lage?

Für mich macht einen besonderen Ort auch einen Ort aus an dem Menschen leben die ich wieder sehen/besuchen möchte. In diesem Fall ist es ein Künstler den wir bereits 2015 kennengelernt habe. Ein Baumeister und kreativer Schmuckkünstler. Jemand der seit über 30 Jahren im Atlantik surft und auf einer Farm in der Wüste lebt. Karsten heißt er und hat einen kleine Schmuckladen mit dem Namen „Smallworld“ am Ankerplatz.

Alternativer Schmuck Swakopmund
Den wahrscheinlich schönsten Schmuck des Planeten gibt es hier – Smallworld

Hier verkauft er aufwändig gestaltete Ketten, Armbänder und andere Kunstwerke. Seine Materialien sind Halbedelsteinen z.B. aus der Namibwüste und dem Brandbergmassiv, Leder, Metall und viele andere Materialien. Alles ist ein Unikat und ich bin begeistert von seinen Arbeiten. Mittlerweile trage ich drei seiner Armbänder und ich würde wohl noch mehr tragen wenn ich es mir leisten könnte 😉

Ja, das ist meine Hand im Sonnenuntergang…

Wir hatten die Ehre wiederholt bei ihm Zuhause eingeladen worden zu sein. Außerhalb von Swakopmund ist ein kleines kreatives Paradies scheinbar mitten in der Wüste. Eine Farm mit vielen Flachdächern und Terrassen, liebevoll gestaltet und völlig unvergleichbar mit irgendetwas das ich zuvor gesehen habe. Es ist ein Genuss dort mit Kaffee oder beim Grillen zu sitzen und den Sonnenuntergang zu erleben. Die letzten Sonnenstrahlen lassen die Wüste erst honiggelb und dann immer roter erstrahlen während die Schatten länger und tiefer werden.

Auf Karstens neuster Terasse mit Blick auf die Halfpipe. Traumhaft.

Vor zwei Jahren waren hier zur gleichen Zeit wie wir Skateprofis aus den USA, Kanada, Deutschland und Indien. Der Grund? Karsten hat für seinen Sohn mitten zwischen den Felsen eine Halfpipe gebaut. Eine Halfpipe mitten in der afrikanischen Wüste – das muss man erlebt haben und als Profi sowieso.

Karsten hat Pläne für seine Farm, Übernachtungsmöglichkeiten und ein Café, evtl. in eins bis zwei Jahren. Ich hoffe sehr, dass er diese Pläne umsetzt, ich könnte mir keinen besseren Ort für meine zukünftigen Aufenthalte vorstellen.

Sebastian Hilpert Catperson
100 % Catperson 🙂

Harnas Wildlife Foundation 2017 – Mein Überblick

Tracking in der Wildline bei Harnas
Harnas – Tracking in der Wildline

Motorboot – sie hören sich an wie ein kleines Motorboot. Ob das stimmt oder nicht ist mir egal, ich mag den Vergleich. Stetiges tiefes Brummen, nicht zu tief aber doch sehr basslastig. Die Sonne steht knapp über dem Horizont und wirft lange Schatten über das riesige Gehege bei Harnas, das natürlich belassenes Buschland ist.
Um mich herum der Ursprung des Geräusches der kleinen Motorboote, fünf Geparden. Schlanke, langbeinige Katzen deren Fell viele schwarze Punkte aufweisen. Die Punkteanzahl und Anordnung unterscheidet sich von Gepard zu Gepard, es ist wie ein Fingerabdruck.

Ich bin wie jeden Tag hier, entweder wie heute zu zweit mit einer anderen Volontärin oder allein. Allein ist normalerweise nicht erlaubt – Sicherheitsgründe. Aber es ist mein dritter Aufenthalt auf der Wildtierauffangstation Harnas; ich weiß wie man sich richtig verhält und bewege mich entspannt und selbstsicher zwischen ihnen. Als Waisen sind sie von klein auf hier und das erste Mal als ich sie gesehen habe gingen sie mir bis zum Knie, jetzt bis zur Hüfte. Doch wo hat man die Möglichkeit solchen Tieren so nahe zu kommen, auf eine gute und positive Weise?

Geparden mit Animalperson - Sebastian Hilpert
In einer Reihe – die fünf Geparden und ich

Harnas Wildtierauffangstation

„Harnas“ ist afrikaans und bedeutet soviel wie Rüstung/Schutz. Seinen Ursprung hat Harnas – die Wildtierauffangstation in Namibia im Jahre 1978 als die Gründerin eine misshandelte Meerkatze von Wilderern abkaufte. Doch seitdem hat sich viel getan und Harnas ist gewachsen.

Mittlerweile leben auf der ehemaligen Rinderfarm mit knapp 10 000 Hektar Buschland eine Vielzahl von Tieren. Darunter z.B. Löwen, Leoparden (meine Lieblinge), Geparden, Karakale, Meerkatzen, Paviane (nicht meine Lieblinge), Afrikanische Wildhunde (Hyänenhunde), Mungos, Springböcke, Impalas, Zebras, Elands, Gnus, Strauße, Geier, Warzenschweine, Erdmännchen, etc.

Der Schwerpunkt liegt bei verwaisten, missbrauchten, verletzten und gefangen gehaltenen Wildtieren aus Namibia. Und diese wollen versorgt und gepflegt werden, was Zeit und Geld kostet; perfekt für ein Volontärprogramm. Mit dem Volontärprogramm wird unter anderem die Versorgung der Tiere finanziert und bietet unglaubliche Erfahrungsmöglichkeiten.

Harnas – Arbeit mit dem Wildtier

ABER „Harnas is not for pussies“! Als Volontär verbringt man nicht seine ganze Zeit damit Tiere zu streicheln sondern zu arbeiten und das unter der starken afrikanischen Sonne. Und zwar jeden Tag (ohne Wochenende) während des Aufenthalts der zwischen 2 Wochen und 3 Monaten lang sein kann. Die Arbeit ist körperlich anstrengend, auch wenn sie bei weitem nicht so anstrengend ist wie die Arbeit auf der Nashorn-Auffangstation in Südafrika auf der ich im Januar / Februar 2017 gearbeitet habe (Link zum Beitrag – Nashorn-Auffangstation).

Was man nie vergessen sollte ist, dass man mit Wildtieren arbeitet! Respekt und gesunder Menschenverstand ist gefragt und auch Überwindung gehört dazu. Das Fleisch für die Raubtiere fällt nicht vom Himmel und muss u.a. zugeschnitten werden. Meist Eselfleisch wird verfüttert da es fettarm, nicht zu teuer und durch die Farmer in der Umgebung meist zuverlässig zu Verfügung steht. Es wird alles verwertet was verwertet werden kann, Wildhunde lieben z.B. jede Art von Innereien.

Wer ein realitätsfremder, verstrahlter Träumer ist der unter anderem Dinge denkt wie, „Katzen kann man vegetarisch ernähren“ (Das ist so wie als wollte man Kühe mit Fleisch ernähren!!!) und sich unter einer Wildtierauffangstation so etwas wie ein „Blümchen-Ponyhof“ vorgestellt hat, sollte lieber nicht als Volontär nach Harnas kommen.

Löwe Trust
Löwe – „Trust“

Doch wie sieht denn grob der Tagesablauf auf Harnas aus?

06:30
Löwenbrüllen – Aufstehen, untergebracht im „Volunteersvillage“, eine Anzahl von Hütten in denen vier Personen schlafen. Toiletten und Duschen für alle zentral in der Mitte des Villages.

07:00
Frühstück im „Gemeinschaftshaus“ im Village. Im Anschluss zur ca. 1,5 km entfernten Hauptfarm laufen.

08:00
„Treemeeting“ Einteilung der Gruppen und Volontäre in die Tätigkeiten.
z.B. Futter zubereiten, Gehege reinigen, AM Tour, kümmern um verschiedene Tiere, Research in der Wildline, Farmwork – Gehege bauen / reparieren, Spurenlesen, Walks mit verschiedenen Tieren, etc.

12:30
Mittagessen im Volunteersvillage, Pause

15:00
„Treemeeting“ auf der Farm mit erneutem Einteilen der Volontäre in die Tätigkeiten

19:00
Abendessen im Volunteersvillage, Freizeit
Wie man sieht ist der Tag gut ausgefüllt. Für mich war es diesmal etwas anders, da ich nicht als „normaler“ Volontär gearbeitet habe, sondern als Fotograf. Ändert aber nichts an dem Tagesablauf.

Bacon Warzenschweinkeiler Volontärdorf Harnas
Mein letztes Bild von „Bacon“ dem Warzenschweinkeiler. Das Volontärdorf war sein Revier.

Änderungen zu 2015:

Zum Schluss möchte ich für alle die bereits auf Harnas waren ein paar Änderungen aufzählen. Dinge die sich seit meinem letzten Aufenthalt 2015 geändert haben.

Das Essen war teilweise sehr gut. Zu mindestens die ersten zwei Wochen meines jetzigen Aufenthalts. Danach wurde es wirklich schlecht, ähnlich wie 2015. Ständig Pasta, ständig Hackfleischsoße, wenig Abwechslung.

Die Duschen und WCs sind weitaus sauberer und werden täglich kontrolliert.

Von allen Koordinatoren aus dem Jahr 2015 sind leider nur noch Tyla und Bonnita da.

Weniger Volontäre, meist zwischen 20 und 30 Personen. Kaum Skandinavier mehr, 2015 haben sie noch ca. 60% ausgemacht, jetzt sind mittlerweile 85% (leider) deutschsprachig (war ein Schock für mich nach meiner Zeit in Südafrika).

Lapanight ist leider nicht mehr in der Boma auf der Farm sondern im Village. Kein Amarulasong und Tanz mehr, allgemein bei weitem nicht mehr so stimmungsvoll wie 2015.

Atheno ist wieder in seinem alten großen Gehege.

Leopardin Missy Joe hat mit Karakal Bonnie ( <3 ) und Juliette das Gehege getauscht.

Von allen alten Erdmännchen lebt nur noch Hänsel.

Berta, Mimi und Micky sind mit ca. 6 anderen Pferden in einem großen Gehege neben den Straußen

Die „wilden 23“ sind jetzt noch 21.

„Bacon“ ist leider tot. (Mitte April)

Das von handaufgezogene und mit „Derek“ dem Kudu aufgewachsene Eland „Moose“, streift mit einer wilden Elandherde durch die Gamearea und besucht ab und zu das Volunteersvillage.

Eland Volunteersvillage Harnas
Eland „Moose“ im Volunteersvillage

Schlusswort: Wer nach Afrika geht um auf einer Wildtierauffangstation zu arbeiten sollte sich fragen warum er das tun möchte. Willst du mit Tieren ARBEITEN und Erfahrungen mit TIEREN sammeln, willst du Tieren helfen? ODER willst du eigentlich nur weit weg von daheim feiern und möglichst spektakuläre Selfies machen? Wenn du zur zweiten Kategorie gehörst dann bleib der Volontärarbeit in Afrika bitte fern und mach lieber einen „Partyurlaub“ auf irgendeiner spanischen Insel…

Ergänzung Anfang 2019: Mir wurde berichtet das sich in den letzten Jahren sehr vieles dort geändert haben soll – und das angeblich leider nicht zum Positiven. Ich weiße hiermit ausdrücklich darauf hin, dass ich keine Werbung für dies Auffangstation machen möchte. Darüber hinaus rate ich wiederholt das jeder der an solch einem Volontärs Projekt teilnehmen möchte, sich im Vorfeld genaustens informieren sollte. Nur weil eine Auffangstation vor Jahren mal gute Arbeit geleistet hat heißt das noch lange nicht das sie es heute noch genauso tut. Es kommt immer auf die Führung der jeweiligen Organisation an. Informiert euch immer aktuell und aus mehreren Quellen!

„Rhino-War“ Der Krieg um die letzten Nashörner

Sibeva das Nashorn-Waisenkind wird gefüttert.
Kleines verwaistes Breitmaulnashorn

Es ist angenehm heute Morgen um 06:30. In etwa 23 Grad, die Sonne steht noch tief und hat noch nicht alle Teile des Tales erreicht in das ich so eben laufe.

Dieser Tag wird noch heiß, sowie wie die letzten Wochen wird es bereit um elf Uhr über 33 Grad sein. Dazu kommt die hohe Luftfeuchtigkeit, die einen bei der körperlichen Arbeit regelrecht zerlaufen lässt.
Die Hügel um mich sind stark bewachsen, einzelne große Felsen in braunrot stechen aus dem saftigen Grün heraus.
Die Luft ist noch frisch und von Vogellauten und Insektensurren erfüllt. Seit 05:30 bin ich auf den Beinen, geweckt von Löwengebrüll das durch die offene Tür und Fenster deutlich hörbar ist.
Meine Unterkunft ist eine löchrige Hütte aus dünnem Holz an dem Hang eines Hügels der wie die komplette Umgebung mit saftige grünen bewachsen ist. Amarula- und Mangobäume gehören dazu, ich fühle mich wie in einem Naturparadies.

Wo bin ich, was tue ich

Den Raum der meine Unterkunft darstellt, ist ca. 10 Quadratmeter groß und ich teile ihn genauso wie das kleine Badezimmer (ohne Spiegel) mit drei anderen Mitbewohnern. Dabei handelt es sich in den ersten 2 Wochen um drei Mädels (Schweden, Südafrika, USA).
Die junge Amerikanerin geht mir nach 2 Wochen so sehr auf die Nerven, das ich die Hütte wechsele und bei den „Älteren“ einziehe.

Die Tage sind gut ausgefüllt und neben den beobachten des Verhalten der Tiere, Füttern und ausmisten fallen immer wieder unterschiedliche Zusatztaufgaben an. So müssen z. B. gefällte Mangobäume wegtransportiert werden. Was einen nicht nur durch die körperliche Arbeit zum stark Schwitzen bringt, sondern auch die Tatsache das die eine oder andere Spinne in Untertellergröße „Hallo“ sagt. Schlangen sehe ich in vier Wochen nur drei, dafür einige Skorpione (Immer schön unter die Sitzkissen schauen BEVOR man sich hinsetzt) und häufig Tausendfüßler, Baboonspiders und andere große Insekten. Man gewöhnt sich dran…

Die Landschaft Südafrikas
Der Blick über die Landschaft ist atemberaubend. Blick von der Scheune ins Tal.

Die erste Woche war hart, die starke Temperaturumstellung, der „Kulturschock“ und vor allem die Sprache hat mich gefordert. So bin ich in der Gruppe der Volontäre der einzige deutschsprachige. Die meisten der andern 8 -16 Freiwilligen kommen aus den USA, UK oder Australien und somit „Muttersprachler“. Dazu kommt noch, dass jeder einen anderen Dialekt spricht. Südafrikanisch, Südaustralisch, Israelisch, US Westküste, US mittlerer Westen, Oxford, skandinavisch, Westaustralisch, Irisch… Jeder spricht die Worte anders aus und so bin ich in der ersten Woche mit meinen mittelmäßigen Englischkenntnissen damit beschäftigt überhaupt etwas zu verstehen. Von Woche zu Woche wurde es einfacher für mich und jetzt im Nachhinein denke ich, etwas Besseres hätte mir wohl nicht passieren können.
Doch wieso sind all diese Leute hier? Als Freiwillige im afrikanischen Busch, wo das Wasser aus der Leitung auch mal rotbraun sein kann. Der Strom nicht selbstverständlich ist und Zecken sowie Moskitos einen Alle möglichen Krankheiten geben möchten?

Sebastian Hilpert und die Opfer des Rhino-War
6 Liter in unter 3 Minuten, für die kleine Sibeva kein Problem 🙂

Es sind Studenten, Geschäfts-Manager, Hausfrauen, angehende Tierärzte, Anwälte und ehemalige Soldaten aller möglichen Nationen. Und sie alle wollen ihren Beitrag zur Erhaltung einer Tierart leisten die kurz vor der Ausrottung steht. Dem Nashorn, alle Nashornarten stehen kurz davor nicht mehr zu existieren obwohl sie bereits seit 50 Millionen Jahren diesen Planeten bewohnen. Aber wieso stehen sie eigentlich kurz vor dem Aussterben?

Die Antwort ist recht simpel und traurig – „Rhino-War“

Es geht darum zu verhindern das die noch verbliebenen Nashornarten aussterben. Der Preis für das Horn das Nashorn per Gramm in Asien ist momentan über den von Kokain, Gold oder Diamanten. Und das alles nur wegen solch beschränkten fernöstlichen Irrglauben wie z. B. das es die potenzsteigernd ist. Auch wird es als Statussymbol in China gehandelt. Die Wilderei hat solche überhand genommen das die Wilderer mit Nachtsichtgeräten, hoch modernen vollautomatischen Gewehren und Schalldämpfern ausgestattet sind. Selbst Hubschrauberpiloten die zur Kontrolle die Gebiete abfliegen tragen mittlerweile Schusssicherewesten da bereits Piloten von Wilderen vom Boden aus erschossen wurden.

Breitaulnashorn Waise auf Care for Wild in Südafrika
Gerade mal 1 Jahr alt und schon an die 350 kg

Doch was tun die Wilderer eigentlich?

Die Nashörner werde erschossen oder angeschossen um dann die Hörner aus dem Gesicht gehackt oder gesägt zu bekommen. Wenn es sich um eine Nashornmutter mit Kalb handelt, wird das Baby ignoriert, da es noch kein Horn hat. Versucht es seiner Mutter zu helfen so wird es von Wilderern mit Macheten oder mittels Gewehr vertrieben. Hier auf der Wildtierauffangstation für Nashornwaisen haben wir z. B. Nashornbabys mit Narben am Kopf die von Macheten stammen. Eines hatte eine faustgroße Schussverletzung an der Schulter, die aber durch guter Behandlung mittlerweile verheilt ist.
Sobald die Wilderer dann mit dem Horn abgezogen sind bleibt das Kleine verletzt zurück. Der Geruch lockt dann natürlich Raubtiere an und dem Nashornbaby steht eine extrem heftige Zeit bevor, wenn es nicht zeitnah von Rangern, Soldaten oder anderen Patrouillen entdeckt wird.

Also man sieht die Wilderer schrecken vor nichts zurück. Dementsprechend ist das ca. 46 000 Hektar große Gebiet, in dem sich die Auffangstation befindet auch abgesichert. Mehrere elektrische Zäune, Wachen, Patrouillen zu Fuß, Patrouillen zu Pferd, Patrouillen mit belgischen Schäferhunden etc.
Und mitten drin eine kleine Anzahl Volontäre aus aller Welt die sich mit Fachpersonal um die Nashornwaisen und andere Tiere kümmern.

Was für ein Ort, was für eine Zeit.