Wildlife Foundation 2017 – Mein Überblick

Tracking in der Wildline

Motorboot – sie hören sich an wie ein kleines Motorboot. Ob das stimmt oder nicht ist mir egal, ich mag den Vergleich. Stetiges tiefes Brummen, nicht zu tief aber doch sehr basslastig. Die Sonne steht knapp über dem Horizont und wirft lange Schatten über das riesige Gehege das natürlich belassenes Buschland ist.
Um mich herum der Ursprung des Geräusches der kleinen Motorboote, fünf Geparden. Schlanke, langbeinige Katzen deren Fell viele schwarze Punkte aufweisen. Die Punkteanzahl und Anordnung unterscheidet sich von Gepard zu Gepard, es ist wie ein Fingerabdruck.

Ich bin wie jeden Tag hier, entweder wie heute zu zweit mit einer anderen Volontärin oder allein. Allein ist normalerweise nicht erlaubt – Sicherheitsgründe. Aber es ist mein dritter Aufenthalt auf der Wildtierauffangstation; ich weiß wie man sich richtig verhält und bewege mich entspannt und selbstsicher zwischen ihnen. Als Waisen sind sie von klein auf hier und das erste Mal als ich sie gesehen habe gingen sie mir bis zum Knie, jetzt bis zur Hüfte. Doch wo hat man die Möglichkeit solchen Tieren so nahe zu kommen, auf eine gute und positive Weise?

In einer Reihe – die fünf Geparden und ich

„Harnas“ ist afrikaans und bedeutet soviel wie Rüstung/Schutz. Seinen Ursprung hat Harnas – die Wildtierauffangstation in Namibia im Jahre 1978 als die Gründerin eine misshandelte Meerkatze von Wilderern abkaufte. Doch seitdem hat sich viel getan und Harnas ist gewachsen.

Mittlerweile leben auf der ehemaligen Rinderfarm mit knapp 10 000 Hektar Buschland eine Vielzahl von Tieren. Darunter z.B. Löwen, Leoparden (meine Lieblinge), Geparden, Karakale, Meerkatzen, Paviane (nicht meine Lieblinge), Afrikanische Wildhunde (Hyänenhunde), Mungos, Springböcke, Impalas, Zebras, Elands, Gnus, Strauße, Geier, Warzenschweine, Erdmännchen, etc.

Der Schwerpunkt liegt bei verwaisten, missbrauchten, verletzten und gefangen gehaltenen Wildtieren aus Namibia. Und diese wollen versorgt und gepflegt werden, was Zeit und Geld kostet; perfekt für ein Volontärprogramm. Mit dem Volontärprogramm wird unter anderem die Versorgung der Tiere finanziert und bietet unglaubliche Erfahrungsmöglichkeiten.

ABER „Harnas is not for pussies“! Als Volontär verbringt man nicht seine ganze Zeit damit Tiere zu streicheln sondern zu arbeiten und das unter der starken afrikanischen Sonne. Und zwar jeden Tag (ohne Wochenende) während des Aufenthalts der zwischen 2 Wochen und 3 Monaten lang sein kann. Die Arbeit ist körperlich anstrengend, auch wenn sie bei weitem nicht so anstrengend ist wie die Arbeit auf der Nashorn-Auffangstation in Südafrika auf der ich im Januar / Februar 2017 gearbeitet habe (Link zum Beitrag – Nashorn-Auffangstation).
Was man nie vergessen sollte ist, dass man mit Wildtieren arbeitet! Respekt und gesunder Menschenverstand ist gefragt und auch Überwindung gehört dazu. Das Fleisch für die Raubtiere fällt nicht vom Himmel und muss u.a. zugeschnitten werden. Meist Eselfleisch wird verfüttert da es fettarm, nicht zu teuer und durch die Farmer in der Umgebung meist zuverlässig zu Verfügung steht. Es wird alles verwertet was verwertet werden kann, Wildhunde lieben z.B. jede Art von Innereien.

Wer ein realitätsfremder, verstrahlter Träumer ist der unter anderem Dinge denkt wie, „Katzen kann man vegetarisch ernähren“ (Das ist so wie als wollte man Kühe mit Fleisch ernähren!!!) und sich unter einer Wildtierauffangstation so etwas wie ein „Blümchen-Ponyhof“ vorgestellt hat, sollte lieber nicht als Volontär nach Harnas kommen.

Löwe – “Trust”

Doch wie sieht denn grob der Tagesablauf auf Harnas aus?

06:30
Löwenbrüllen – Aufstehen, untergebracht im „Volunteersvillage“, eine Anzahl von Hütten in denen vier Personen schlafen. Toiletten und Duschen für alle zentral in der Mitte des Villages.

07:00
Frühstück im „Gemeinschaftshaus“ im Village. Im Anschluss zur ca. 1,5 km entfernten Hauptfarm laufen.

08:00
„Treemeeting“ Einteilung der Gruppen und Volontäre in die Tätigkeiten.
z.B. Futter zubereiten, Gehege reinigen, AM Tour, kümmern um verschiedene Tiere, Research in der Wildline, Farmwork – Gehege bauen / reparieren, Spurenlesen, Walks mit verschiedenen Tieren, etc.

12:30
Mittagessen im Volunteersvillage, Pause

15:00
„Treemeeting“ auf der Farm mit erneutem Einteilen der Volontäre in die Tätigkeiten

19:00
Abendessen im Volunteersvillage, Freizeit
Wie man sieht ist der Tag gut ausgefüllt. Für mich war es diesmal etwas anders, da ich nicht als „normaler“ Volontär gearbeitet habe, sondern als Fotograf. Ändert aber nichts an dem Tagesablauf.

Mein letztes Bild von “Bacon” dem Warzenschweinkeiler. Das Volontärdorf war sein Revier.

Änderungen zu 2015:

Zum Schluss möchte ich für alle die bereits auf Harnas waren ein paar Änderungen aufzählen. Dinge die sich seit meinem letzten Aufenthalt 2015 geändert haben.

Das Essen war teilweise sehr gut. Zu mindestens die ersten zwei Wochen meines jetzigen Aufenthalts. Danach wurde es wirklich schlecht, ähnlich wie 2015. Ständig Pasta, ständig Hackfleischsoße, wenig Abwechslung.

Die Duschen und WCs sind weitaus sauberer und werden täglich kontrolliert.

Von allen Koordinatoren aus dem Jahr 2015 sind leider nur noch Tyla und Bonnita da.

Weniger Volontäre, meist zwischen 20 und 30 Personen. Kaum Skandinavier mehr, 2015 haben sie noch ca. 60% ausgemacht, jetzt sind mittlerweile 85% (leider) deutschsprachig (war ein Schock für mich nach meiner Zeit in Südafrika).

Lapanight ist leider nicht mehr in der Boma auf der Farm sondern im Village. Kein Amarulasong und Tanz mehr, allgemein bei weitem nicht mehr so stimmungsvoll wie 2015.

Atheno ist wieder in seinem alten großen Gehege.

Leopardin Missy Joe hat mit Karakal Bonnie ( <3 ) und Juliette das Gehege getauscht.

Von allen alten Erdmännchen lebt nur noch Hänsel.

Berta, Mimi und Micky sind mit ca. 6 anderen Pferden in einem großen Gehege neben den Straußen

Die „wilden 23“ sind jetzt noch 21.

“Bacon” ist leider tot. (Mitte April)

Das von handaufgezogene und mit “Derek” dem Kudu aufgewachsene Eland „Moose“, streift mit einer wilden Elandherde durch die Gamearea und besucht ab und zu das Volunteersvillage.

Eland “Moose” im Volunteersvillage

Schlusswort: Wer nach Afrika geht um auf einer Wildtierauffangstation zu arbeiten sollte sich fragen warum er das tun möchte. Willst du mit Tieren ARBEITEN und Erfahrungen mit TIEREN sammeln, willst du Tieren helfen? ODER willst du eigentlich nur weit weg von daheim feiern und möglichst spektakuläre Selfies machen? Wenn du zur zweiten Kategorie gehörst dann bleib der Volontärarbeit in Afrika bitte fern und mach lieber einen „Partyurlaub“ auf irgendeiner spanischen Insel…

Ergänzung Anfang 2019: Mir wurde berichtet das sich in den letzten Jahren sehr vieles dort geändert haben soll – und das angeblich leider nicht zum Positiven. Ich weiße hiermit ausdrücklich darauf hin, dass ich keine Werbung für dies Auffangstation machen möchte. Darüber hinaus rate ich wiederholt das jeder der an solch einem Volontärs Projekt teilnehmen möchte, sich im Vorfeld genaustens informieren sollte. Nur weil eine Auffangstation vor Jahren mal gute Arbeit geleistet hat heißt das noch lange nicht das sie es heute noch genauso tut. Es kommt immer auf die Führung der jeweiligen Organisation an. Informiert euch immer aktuell und aus mehreren Quellen!

Der Krieg um die letzten Nashörner und mein Kampf mit der englischen Sprache

Kleines verwaistes Breitmaulnashorn

Es ist angenehm heute Morgen um 06:30. In etwa 23 Grad, die Sonne steht noch tief und hat noch nicht alle Teile des Tales erreicht in das ich so eben laufe.

Dieser Tag wird noch heiß, sowie wie die letzten Wochen wird es bereit um elf Uhr über 33 Grad sein. Dazu kommt die hohe Luftfeuchtigkeit, die einen bei der körperlichen Arbeit regelrecht zerlaufen lässt.
Die Hügel um mich sind stark bewachsen, einzelne große Felsen in braunrot stechen aus dem saftigen Grün heraus.
Die Luft ist noch frisch und von Vogellauten und Insektensurren erfüllt. Seit 05:30 bin ich auf den Beinen, geweckt von Löwengebrüll das durch die offene Tür und Fenster deutlich hörbar ist.
Meine Unterkunft ist eine löchrige Hütte aus dünnem Holz an dem Hang eines Hügels der wie die komplette Umgebung mit saftige grünen bewachsen ist. Amarula- und Mangobäume gehören dazu, ich fühle mich wie in einem Naturparadies.

Den Raum der meine Unterkunft darstellt, ist ca. 10 Quadratmeter groß und ich teile ihn genauso wie das kleine Badezimmer (ohne Spiegel) mit drei anderen Mitbewohnern. Dabei handelt es sich in den ersten 2 Wochen um drei Mädels (Schweden, Südafrika, USA).
Die junge Amerikanerin geht mir nach 2 Wochen so sehr auf die Nerven, das ich die Hütte wechsele und bei den “Älteren” einziehe.

Die Tage sind gut ausgefüllt und neben den beobachten des Verhalten der Tiere, Füttern und ausmisten fallen immer wieder unterschiedliche Zusatztaufgaben an. So müssen z. B. gefällte Mangobäume wegtransportiert werden. Was einen nicht nur durch die körperliche Arbeit zum stark Schwitzen bringt, sondern auch die Tatsache das die eine oder andere Spinne in Untertellergröße “Hallo” sagt. Schlangen sehe ich in vier Wochen nur drei, dafür einige Skorpione (Immer schön unter die Sitzkissen schauen BEVOR man sich hinsetzt) und häufig Tausendfüßler, Baboonspiders und andere große Insekten. Man gewöhnt sich dran…

Der Blick über die Landschaft ist atemberaubend. Blick von der Scheune ins Tal.

Die erste Woche war hart, die starke Temperaturumstellung, der “Kulturschock” und vor allem die Sprache hat mich gefordert. So bin ich in der Gruppe der Volontäre der einzige deutschsprachige. Die meisten der andern 8 -16 Freiwilligen kommen aus den USA, UK oder Australien und somit “Muttersprachler”. Dazu kommt noch, dass jeder einen anderen Dialekt spricht. Südafrikanisch, Südaustralisch, Israelisch, US Westküste, US mittlerer Westen, Oxford, skandinavisch, Westaustralisch, Irisch… Jeder spricht die Worte anders aus und so bin ich in der ersten Woche mit meinen mittelmäßigen Englischkenntnissen damit beschäftigt überhaupt etwas zu verstehen. Von Woche zu Woche wurde es einfacher für mich und jetzt im Nachhinein denke ich, etwas Besseres hätte mir wohl nicht passieren können.
Doch wieso sind all diese Leute hier? Als Freiwillige im afrikanischen Busch, wo das Wasser aus der Leitung auch mal rotbraun sein kann. Der Strom nicht selbstverständlich ist und Zecken sowie Moskitos einen Alle möglichen Krankheiten geben möchten?

6 Liter in unter 3 Minuten, für die kleine Sibeva kein Problem 🙂

Es sind Studenten, Geschäfts-Manager, Hausfrauen, angehende Tierärzte, Anwälte und ehemalige Soldaten aller möglichen Nationen. Und sie alle wollen ihren Beitrag zur Erhaltung einer Tierart leisten die kurz vor der Ausrottung steht. Dem Nashorn, alle Nashornarten stehen kurz davor nicht mehr zu existieren obwohl sie bereits seit 50 Millionen Jahren diesen Planeten bewohnen. Aber wieso stehen sie eigentlich kurz vor dem Aussterben?

Die Antwort ist recht simpel und traurig – “Rhino – War”

Es geht darum zu verhindern das die noch verbliebenen Nashornarten aussterben. Der Preis für das Horn das Nashorn per Gramm in Asien ist momentan über den von Kokain, Gold oder Diamanten. Und das alles nur wegen solch beschränkten fernöstlichen Irrglauben wie z. B. das es die potenzsteigernd ist. Auch wird es als Statussymbol in China gehandelt. Die Wilderei hat solche überhand genommen das die Wilderer mit Nachtsichtgeräten, hoch modernen vollautomatischen Gewehren und Schalldämpfern ausgestattet sind. Selbst Hubschrauberpiloten die zur Kontrolle die Gebiete abfliegen tragen mittlerweile Schusssicherewesten da bereits Piloten von Wilderen vom Boden aus erschossen wurden.

Gerade mal 1 Jahr alt und schon an die 350 kg

Doch was tun die Wilderer eigentlich?
Die Nashörner werde erschossen oder angeschossen um dann die Hörner aus dem Gesicht gehackt oder gesägt zu bekommen. Wenn es sich um eine Nashornmutter mit Kalb handelt, wird das Baby ignoriert, da es noch kein Horn hat. Versucht es seiner Mutter zu helfen so wird es von Wilderern mit Macheten oder mittels Gewehr vertrieben. Hier auf der Wildtierauffangstation für Nashornwaisen haben wir z. B. Nashornbabys mit Narben am Kopf die von Macheten stammen. Eines hatte eine faustgroße Schussverletzung an der Schulter, die aber durch guter Behandlung mittlerweile verheilt ist.
Sobald die Wilderer dann mit dem Horn abgezogen sind bleibt das Kleine verletzt zurück. Der Geruch lockt dann natürlich Raubtiere an und dem Nashornbaby steht eine extrem heftige Zeit bevor, wenn es nicht zeitnah von Rangern, Soldaten oder anderen Patrouillen entdeckt wird.

Also man sieht die Wilderer schrecken vor nichts zurück. Dementsprechend ist das ca. 46 000 Hektar große Gebiet, in dem sich die Auffangstation befindet auch abgesichert. Mehrere elektrische Zäune, Wachen, Patrouillen zu Fuß, Patrouillen zu Pferd, Patrouillen mit belgischen Schäferhunden etc.
Und mitten drin eine kleine Anzahl Volontäre aus aller Welt die sich mit Fachpersonal um die Nashornwaisen und andere Tiere kümmern.

Was für ein Ort, was für eine Zeit.