Murmeltier statt Erdmännchen

Sebastian Hilpert / Animalperson auf dem Gantakopf, Nähe Murmeltierland 2020
Weder Murmeltier noch Erdmännchen – Sebastian auf dem Kamm des Ganatkopfs

Murmeltier – Land

Die Sonne, die uns die letzten zwei Tage im Gebirge brav begleitet hat, versteckt sich mittlerweile hinter dicken Wolken. Obwohl sich jetzt diese tiefen, grauen Gebilde an den Gipfeln der dunklen Berge um uns herum festzuhängen scheinen, sind wir mehr als gut drauf. Der Grund dafür ist nicht nur die halbvolle Heidelbeerweinflasche in meinem Rucksack, sondern: „Das Murmeltierland“. So habe ich das Tal, welches wir durchsteifen, kurzerhand getauft. Mit seiner saftig grünen Vegetation, dem gewundenem, plätscherndem Gebirgsbach, den zahlreichen riesigen Findlingen und den vielen blau, gelb sowie lila leuchtenden Blumen, wirkt es fast schon märchenhaft schön.

Als wir zwei Hüttengroßen Findlingen – die aussehen als hätte sie vor einigen Jahrhunderten ein tollwütiger Drache von den Berghängen herabgeworfen – passieren, zucken wir durch einen plötzlichen vogelartigen schrillen Schrei zusammen. Keine fünf Meter vor uns steht auf einem Felsen, aufrecht wie ein dickes Erdmännchen ein Murmeltier, das sich vor uns wohl genauso erschrocken hat wie wir vor ihm, wegen seines Warnrufs. Es ist sicherlich das zwölfte Erdhörnchen, das wir in diesem Tal sehen und es wird auch nicht das Letzte sein!

Sebastian Hilpert / Animalperson Vermielbach Murmeltierland 2020
Vermielbach – Der Gebirgsbach des “märchenhaft schönen” Murmetierlands

Kalender, Homeoffice und Lärm

Wieso ich dieses Jahr nun Murmeltiere statt Erdmännchen in freier Wildbahn beobachte, hat denselben Grund weshalb so vieles andere dieses Jahr nicht geklappt hat. Der Grund ist, ihr wisst es natürlich – Corona. Dank der allesbeherrschenden Pandemie findet auf unbestimmte Zeit die angestrebte, durch mich begleitete Fotosafari in Namibia, nicht statt. Auch geplante Vorträge wie z.B. als Gastdozent an der Fachhochschule Weihenstephan fielen für mich ins Wasser. Ein großformatiger Safari-Kalender 2021 mit meinen Bildern wird nicht gedruckt, weil der Verlag auf Grund COVID-19 verursachter wirtschaftlicher Probleme die Kalenderproduktion leider komplett eingestellt hat. Aber ich will mich nicht beschweren, andere hatten es weitaus schwerer. So mussten z.B. namibische Freunde aufgrund der Lage ihre Jobs in der Tourismusbranche komplett aufgeben, umziehen und sich völlig neu orientieren.

Ich selbst habe kurz vor dem Lockdown eine neue Stelle in der IT angenommen und wurde gleich am zweiten Tag ins Homeoffice geschickt. Das „Tolle“ war, dass die Vermieterin meiner Wohnung gleichzeitig mit großangelegten Renovierungen am kompletten Wohnhaus startete. So fand ich mich monatelang in Baustaub eingenebelt am Laptop wieder. Eine endlose Videokonferenz nach der anderen habend, während neben mir in der Wohnung die Kacheln von der Wand geschlagen wurden, hinter mir die Mauer durchbrochen wurde und über mir der Boden herausgerissen wurde.

Sebastian Hilpert / Animalperson - Erdmännchen, Velociraptor, Cappuccino Tattoo
Teilt sich den Cappucchino mit einem Velociraptor – Das einzige Erdmännchen, das auf der Reise durchs Hochgebirge zu sehen war.

Was Geiles zum Schluss

Irgendwann reichte es mir dann auch! Frische Luft, Ruhe, Bewegung und Heidelbeerwein mussten her. Weshalb es dann nach Montafon zum Wandern ging, wo wir auch das „Murmeltierland“ entdeckt haben. Österreich statt Namibia, Murmeltier statt Erdmännchen… war auch schön!

Zum Schluss: Ich habe vor kurzem angefangen nebenbei Tierpsychologie zu studieren. Macht Spaß, ist super interessant, nur aktuell schwierig die Zeit zum Lernen zu finden. Auch sehr geil und mehr oder weniger noch „geheim“ – Nächstes Jahr werde ich in einem offiziellen Schul- und Übungsbuch des Klett-Verlags zu finden sein! Mehr verrate ich euch, wenn es soweit ist.

Bleibt gesund!

Marrakesch – Reisebericht und Tipps

Marrakesch Blog, Koutoubia Moschee, Sebastian Hilpert Animalperson
Orientierungspunkt – Das Minarett der Koutoubia-Moschee ist das Wahrzeichen der Stadt sowie des ganzen Landes.

Basar, Abgase und Katzen

Ein altes stinkendes Mofa quetscht sich zwischen uns und einer Gruppe voller verschleierter Frauen, durch die enge schattige Gasse der Media / Altstadt von Marrakesch. Die penetranten Abgase vermischen sich mit der trockenen Luft und dem Geruch von Gewürzen, Fisch und Leder. Zum gefühlt zehntausendsten Mal werde ich von einem Standverkäufer angesprochen, dass ich doch seine „einzigartige“ Ware ansehen und natürlich auch kaufen soll. Aber ich habe nur Augen für die zusammengerollte, schlafende Katze auf dem Teppich. Sie sieht wie die meisten Tiere hier in der Stadt nicht sonderlich gesund aus. Ich würde am liebsten mit allen Katzen Marrakeschs sofort zum Tierarzt rennen. Rundumcheck, entwurmen, impfen – das volle Programm. Unmöglich. Wir steuern auf den „Djemaa el Fna“ zu, dem zentralen Haupt- und Marktplatz. Dieser Platz, auf dem im 12. und 13. Jahrhundert die Köpfe der Hingerichteten ausgestellt wurden, füllt sich jeden Abend mit unzähligen Menschen und Essensständen.

Mein Bauch ist jedoch noch voll mit leckerem Gemüse-Kuskus- Hähnchen-Tajin, sowie frischem, stark gesüßtem Minze Tee. Beides haben wir im strahlenden Sonnenlicht auf einer kleinen Terrasse oberhalb der Dächer der Altstadt genossen. Was war das für ein schöner Ausblick. Über die Dächer und Minarette  bis zum Horizont, wo das schneebedeckte Atlasgebirge thront. Nur meine erste Begegnung mit Taschendieben hat im Anschluss meine Stimmung „etwas“ getrübt…

Marrakesch – Sprache / Währung

Die Stadt wie aus „tausend und einer Nacht“ liegt nur knapp vier Stunden mit dem Flugzeug entfernt. Im Januar, Februar ist es für uns ein ideales Reiseziel, um kurz der Kälte in Deutschland zu entkommen. Tagsüber wird es bis zu 28 Grad heiß. Nachts fällt die Temperatur auf 7 Grad ab. Gesprochen wird in der Stadt, mit knapp 1 Millionen Einwohner, Arabisch und wegen der Kolonialen Vergangenheit, Französisch. Erst an dritter Stelle kommt Englisch, häufig gesprochen von Händlern und allen die am direkten Kontakt mit Touristen verdienen.

Die marokkanische Währung ist „Dirham“, der Wechselkurs liegt aktuelle bei ca. 10 Dirham für 1 Euro. Es bietet sich an, gleich nach der Ankunft am Flughafen Geld zu wechseln, damit man sofort Trinkgeld etc. unkompliziert zur Verfügung hat. Nice to know – der durchschnittliche Verdienst eines Marokkaners liegt bei 350,- € im Monat.

Marrakesch Blog, Medina, Autor Sebastian Hilpert, Animalperson
Vormittags ist es angenehm ruhig in der Median Marrakeschs.

Marrakesch – Unterkunft

Kalt leuchtet der sichelförmige Mond am Nachthimmel während uns das Taxi durch die engen, staubigen düsteren Gassen des Ortes schaukelt. Es ist bereits halb zwei in der Nacht. Die einzigen weiteren Fahrgäste, ein älteres Pärchen, haben wir bereits vor einer halben Stunde in einem stark beleuchteten Luxushotel abgesetzt. Hier ist nichts künstlich beleuchtet, geschweige denn luxuriös. Nur der sichelförmige Mond scheint vom kalten Nachthimmel und beleuchtet eine Gruppe von Straßenhunden, die am Wegesrand liegen. Am Ortsrand Gebäude halten wir abrupt. Vor uns ragt ein dunkler Schatten auf, nur die kantigen Umrisse des Gebäudes zeichnen sich vor dem Sternenhimmel ab. Wir steigen aus, schmecken die kalte trockene leicht verrußte Luft und folgen einer steinernen Treppe, welche uns zu einem wuchtigen, eisenbeschlagen schwarzen Holztor führt. „Das ist es also.“ sage ich etwas tonlos. Wir werfen uns einen Blick zu, in unseren Gesichtern ist klar zu lesen was wir beide denken. „Wo sind wir denn hier gelandet?!“

Das „Kasbah le Mirrage“ wirkt in völliger Finsternis wie eine unbewohnte Burg aus der Berberzeit. Ein wuchtiger Mann in einem traditionellen Gewand (Djellaba) erscheint aufrecht aus einem Seitentor, begrüßt uns freundlich auf Französisch und öffnet kurzerhand das mit schweren Riegeln verschlossenen Haupttor. Damit verändert sich alles. Ein Blick auf einen märchenhaft beleuchteten großen Innenhof eröffnet sich uns. Ein typischer marokkanischer Riad liegt vor uns, verbunden über mehrere Treppen in deren Mitte angenehm das Wasser eines Brunnens plätschert. Wir atmen auf, ein kleines verstecktes Paradies.

Taxis

Die traditionelle Alternative zu den normalen und international ähnlichen Hotels, sind die typischen marokkanischen Unterkünfte, Riads genannt. Diese meist von außen unscheinbaren, mehrstöckigen, Gebäude haben in ihrer Mitte einen schön angelegten Innenhof. Man findet sie in ganz Marrakesch. Egal ob mitten in der Trubel reichen Altstadt / Medina, oder wie unsere rund 10 Kilometer außerhalb vom Stadtkern. Wenn man nicht direkt in der Medina wohnt sollte man sich vorher schlau machen, ob es ein tägliches Shuttel in die Altstadt und zurück, gibt. Bei uns war das zweimal täglich der Fall. Ansonsten sind Taxis zu empfehlen – wichtig, den Preis vorher absprechen. Im Durschnitt kostet eine 20-30 Minuten Fahrt etwa 10,- €. Gefühlt ein Viertel aller Autos in Marrakesch sind Taxis und ihre Fahrweise ist mit „abenteuerlich“ bis „interessant“ zu beschreiben. Nicht selten steht man auch neben einem Eselskarren an der Ampel.

Marrakesch Blog, Lampen, Markt, Autor Sebastian Hilpert, Animalperson
Lampen-Händler in den “Souks” Marrakeschs.

Marrakesch – Souk / Handeln

Der „Souk“ in Marrakesch ist der größte Basar Afrikas. In den engen verwinkelten und weitverzweigten Gassen kann man Lederware, Kleidung, Lampen, Töpferwaren und allen möglichen Kram kaufen. Viele der Stände wiederholen sich, die Waren die man an einem Stand sieht findet man auch gefühlt an 20 bis 50 weiteren. Wichtig, handeln! Niemals den ersten Preis annehmen den ihr genannt bekommt. Diese Preise sind sehr hoch angesetzt, meistens bekommt man alle Waren rund um die Hälfte günstiger, wenn nicht sogar noch darunter, man muss nur richtig verhandeln…

Ich persönlich mag es nicht so zu handeln, aber vielleicht habt ihr auch einen Partner oder Freund, dem es Spaß macht. Unsere Erfahrung war, dass einem spätestens, wenn man bei der Verhandlung abwinkt, sich bedankt und weiter geht, der Händler hinterherkommt und die Ware doch für den „gewünschten“ Preis verkauft. Und wenn nicht – ihr findet das gleiche Produkt ziemlich sicher noch wo anders und könnt es dort einfach noch einmal versuchen.

Marrakesch Blog, Media, Autor Sebastian Hilpert, Animalperson
Über den Dächern der Marrakeschs findet ihr zahllose kleine Restaurants.

„La shukraan“

Achtet darauf euch nicht zu verlaufen, ladet euch zum Beispiel eine Marrakesch-Stadtkarte für die Offline-Nutzung auf eure Smartphones. Lasst euch nicht von jedem vollquatschen und in die Irre führen. Freundlichkeit ist genauso angesagt wie ein gesunder Menschenverstand und Skepsis. Viele Marokkaner haben wenig Berührungsangst, was man im ersten Moment als Freundlichkeit wahrnimmt entpuppt sich schnell als überteuerte abzocke (Gerberviertel). „La shukraan“ arabisch für „Nein Danke“ ist eine nützliche Antwort für die unzählige Male, die man hier angesprochen wird. Desto später am Tag desto mehr ist los. Vormittags ist es am angenehmsten zu bummeln; da noch wenig los ist und auch die Händler meist noch entspannt in ihren Ständen frühstücken.

Marrakesch Blog, Media, Oliven, Händler, Sebastian Hilpert, Animalperson
Oliven, Marokkanische Minze – Marrakesch ist lecker!

Marrakesch – Essen

Kurz „Tajine“ – das wohl bekannteste Essen Marokkos. Wobei die „Tajine“ eigentlich nur das Tongefäß ist, in dem das Essen gegart wird. Zutaten, meist Kuskus und Gemüse, häufig wahlweise mit Hähnchen oder Lamm. Am besten eine lecker Tajine mit frischem marokkanischem Minztee über den Dächern der Medina, in einem der kleinen Restaurants mit Terrasse, genießen. Auf dem Djemaa el-Fna kann man zwar ab dem frühen Abend auch an dutzenden Ständen essen, aber ich persönlich bevorzuge die kleinen Restaurants mit Terrassen und Ausblick über die Stadt, statt dem überfüllten Hauptplatz mit der Massenabfertigung.

Granatapfelsaft – Überall kann man frischgepresste Säfte kaufen, hauptsächlich Granatapfel oder Orange. Sie sind mega lecker und kosten meistens nicht mehr als zwei Euro pro Becher. Tipp – achtet darauf, dass ihr den Saft direkt gepresst bekommt und nicht den „alten“ abgestandenen, der an manchen Ständen in einem Plastikbehälter in der prallen Sonne steht – keine Ahnung wie lange schon.

Djemaa el Fna, Sonnenuntergang, Marrakesch Blog, Fotograf Sebastian Hilpert
“Djemaa el Fna” der Marktplatz Marrakeschs platzt zum Sonnenuntergang aus allen Nähten. Im Hintergrund das Minarett der Koutoubia-Moschee.

Taschendiebe

Wir laufen in der Abenddämmerung im Westen der Medina aus dem Gerberviertel zurück Richtung Djemaa el-Fna, dem Hauptplatz. Vor uns läuft ein junger Mann mit Kopfhörern auffallend langsam direkt vor uns. Er läuft genauso das wir ihn nur schwer überholen können. Plötzlich spüre ich etwas an der rechten Seitentasche meiner Hose. Ich blicke nach unten und sehe wie ein weiterer junger Mann mit zwei Fingern versucht mein Smartphone aus ihr zu ziehen(!) Sofort wende ich mich ihm ruckartig zu und brülle ihn an. Augenblicklich verschwindet er zwischen den Leuten in einer Seitengasse. Puh – meine erste Begegnung mit Taschendieben. Das war unangenehm. Ich habe kurz vor Schreck und Wut gekocht, aber es ist nochmal alles gut gegangen.

Achtet also auf eure Wertsachen, wobei ihr das theoretisch in jeder Großstadt dieser Welt genauso tun müsst. Nicht das ein falscher Eindruck entsteht – Marrakesch ist eine Stadt voller freundlicher und höflicher Menschen, Ausnahmen gibt es immer.

Marrakesch Blog Reisebericht, Katzen, Fotograf Sebastian Hilpert
Fester Bestandtteil in Marrakesch – die unkontrollierte Katzenpopulation.

Marrakesch – Tiere / Helfen

Wie in vielen anderen Ländern gibt es auch in Marokko/Marrakesch leider einiges an „Tierleid“. In Marokko sieht man immer wieder mal Ziegen auf Bäumen, diese sind dort nicht freiwillig, sondern werden meist über Stunden angekettet damit sie sich daran gewöhnen. Der Grund – ein beliebtes Fotomotiv bei Touristen – die Besitzer verlangen im Anschluss natürlich Geld… Auf dem Platz „Djemaa el-Fna“ in Marrakesch wird das Posieren für Fotos mit Berberaffen, Schlagen und Greifvögeln angeboten. Ich bitte jeden Abstand davon zunehmen. Auch hier ist ein klares „la shukraan“ angebracht. Auch sonst findet man in allen Ortschaften in und um die Stadt Straßenkatzen und Hunde, in zum Teil schlimmen Zuständen. Helfen ist schwierig, wer sinnvoll helfen und spenden möchte, dem empfehle ich die „Fondation Helga Heidrich“. Die einzige mir bekannte Organisation die dort Tieren jeder Art aktiv hilft. Link: FHH-SOS-Animaux

BONUS

Essaouira, Marokko, Marrakesch Blog, Fotograf Sebastian Hilpert
Windig – Auf der Stadtmauer Essaouiras direkt am Atlantischen Ozean.

Ausflug nach Essaouira

Nur zweieinhalb Stunden Autofahrt von Marrakesch entfernt liegt im Westen, direkt am Atlantik, die kleine Stadt Essaouira. Auch hier ist die Medina (Altstadt) Weltkulturerbe, aber sie ist so gänzlich anders als Marrakesch.

„Die weiße Stadt am Atlantik“ wird sie auch genannt. Ich würde sie eher „Die Stadt der zufriedenen Katzen“ nennen. Besonders weiß sind die Gebäude hier nicht mehr, aber den Katzen geht es in der Stadt sichtlich sehr gut. Es wirkt als würde jeder der vom Fischmarkt kommt etwas mehr für die Katzen kaufen, die ihm bei beim Nachhause gehen den Weg kreuzen.

Essaouira, Marokko, Marrakesch Blog, Fotograf Sebastian Hilpert
Möwen und noch mehr Möwen. Blick vom Hafen auf die Medina Essaouiras.

 

Die Stadt ist von einer Festungsmauer aus dem 18. Jahrhundert umgeben, die zur Ozeanseite mit dicken Bronzekanonen bestückt ist. Die Luft riecht nach Salz, Fisch und ist erfüllt von den Schreien der unzähligen Möwen, die ihre Kreise am Hafen drehen. Als wir am Vormittag ankommen sind bereits alle Fischerboote wieder im Hafen vertaut. Die fangfrische Ware wird direkt daneben am beeindruckenden Fischmarkt verkauft. Hier kauf gefühlt jeder Bewohner der 80.000 Einwohner Stadt seinen Fisch und alle Restaurants der Umgebung. Manche haben die exotischsten aussehenden Meeresbewohner an ihrem Stand, andere nur ein paar kleine graue Fische auf einem Stück Karton liegen. Am Rand wandeln entspannt aussehende, wohlgenährte Katzen und über alldem große schreiende Möwen. So viele wie ich noch nie zuvor auf einmal gesehen habe. Wir wundern uns, dass niemand von ihnen angekackt wird.

Essaouira, Marokko, Katzen, Marrakesch Blog, Fotograf Sebastian Hilpert
Essaouiras – „Die Stadt der zufriedenen Katzen“

Essaouira / Marrakesch

In der Stadt sind die Händler weniger aufdringlich, die Straßen überschaubarer und die Luft um Welten besser als in Marrakesch. Klarer Tipp: Nicht nur den Markt besuchen, sondern auch unbedingt Fisch in einem der zahlreichen Fisch-Restaurants Essaouiras genießen. Wahnsinnig lecker! Und das sag ich, obwohl ich sonst nicht so DER große „Fisch-Fan“ bin.

Essaouira, Marokko, Fisch Restaurant, Marrakesch Blog, Fotograf Sebastian Hilpert
Frisch aus dem Meer!

Satt sitzen wir im angenehmen Nachmittagslicht auf der Hafenmauer und blicken auf den blauen Ozean. Beide haben wir einen frischgepressten Granatapfelsaft in der Hand, der die gleiche Farbe wie das Kleid meiner Freundin hat. Einmal noch wollen wir tief die salzige Meeresluft einatmen bevor es wieder in das staubige Marrakesch geht. Die Möwen kreisen und kreischen über uns – Und da passiert es – ziel genau auf das rote Kleid. Die Möwe gibt uns zu verstehen das es Zeit wird zu gehen, aber da es das einzige war was an diesem Ausflug „Kacke“ war, hat es sich dann doch voll gelohnt.

Essaouira, Marokko, Hund, Marrakesch Blog, Fotograf Sebastian Hilpert
Straßenhund am Hafen von Essaouira.

ZWISCHEN RAUBKATZEN UND NASHÖRNERN

Sebastian Hilpert mit Geparden in Namibia - Würzburger Stadtmagazin LIEBE NACHBARN
Zwischen Raubkatzen…

Erdmännchen die sich in meiner Achillessehne verbeißen, Geparden die mir mit ihrer rauen Zunge den Kopf putzen, übelriechende Afrikanische Wildhunde die mich in Stücke reißen wollen, rotzfreche Paviane die einem in die Unterhose greifen, ein schnarchendes ultraseltenes Pangolin, niedliche Karakale und verwaiste Breitmaulnashörner die ich mit der Flasche aufziehe, eine respekteinflößende Leopardin die sich von mir unter dem Kinn kraulen lässt, Löwen, Nilpferde und Spitzmaulnashörner denen ich zu Fuß begegne, unterschiedlichste Menschen aus aller Welt die ich auf den verschiedensten Abenteuern im Busch des südlichen Afrika kennenlerne. All das sind nur ein paar Beispiele, die ich erlebt habe und über die ich in meinem ersten Buch schreibe.

Vor ein paar Jahren hätte ich niemals gedacht, dass ich solche Erfahrungen sammeln würde. Echte Abenteuer, Afrika selbst erleben und dann auch noch in solch intensiver Art, nein das hätte ich nicht für möglich gehalten. Bevor ich meinen ersten Aufenthalt in Namibia plante, dachte ich Träume verwirklichen, das ist nur etwas für andere. Davon war ich wirklich überzeugt.

Doch es kam anders, es musste anders kommen, denn durch dieses angepasste, meinem Wesen nicht entsprechende, Leben hatte ich mich schon so weit von mir selbst entfernt, dass ich mitten in einer Depression steckte. Aus der ich mich jedoch in dem kommenden Jahr heraus kämpfen sollte.

JETZT ins Abenteuer – vielleicht kommt man später nicht mehr dazu…

Dabei hätte es doch alles weiterhin so bequem sein können. Nach 12 Jahren als Soldat hätte ich mich entscheiden können Berufssoldat zu werden. Es gab auch die Möglichkeit direkt in den öffentlichen Dienst zu wechseln. Um dort in einem Amt oder einer Behörde am Schreibtisch zu sitzen, um auf die vermeintliche Rente zu warten. Oder die Dritte – scheinbar vernünftige Variante – wäre die gewesen mich einfach mit meinem Diplom zum Wirtschaftsinformatiker gleich in die freie Marktwirtschaft zu werfen. Damit würde ich wohl mit Abstand am meisten Geld verdienen. Doch stattdessen ging ich erst ins südliche Afrika. Immer und immer wieder und zwar auf eigene Kosten. Insgesamt sieben mal bereiste ich Namibia und Südafrika innerhalb von nur dreieinhalb Jahren. Arbeitete schwitzend unter der brennenden afrikanischen Sonne monatelang als Volontär auf Wildtierauffangstationen. Erkundete die staubige Kalahari als Fotograf und ging am Ende als Wildhüter auf blutige Patrouillen in einem privaten Wildtierschutzgebiet.

Sebastian Hilpert mit einem Spitzmaulnashorn in Namibia - Würzburger Stadtmagazin LIEBE NACHBARN
… und Nashörnern

„ONLY FOOD RUNS“

Ich werde immer wieder nach der gefährlichsten Situation gefragt, in der ich war. Schwer zu sagen, es gibt ja viele unsichtbare Gefahren denen man sich evtl. in dem Moment gar nicht bewusst war. Verborgene giftige Schlangen, Spinnen, ein Raubtier das man im Busch evtl. gar nicht bemerkt hat während man ein paar Meter entfernt an ihm vorbei lief. So etwas eben. Ich könnte jetzt nicht sagen welche lebensbedrohliche Situation, die ich in meinem Buch beschreibe, jetzt die gefährlichste davon war.

Was mir in allen Erlebnissen Sicherheit gegeben hat waren die verschiedenen Verhaltensregeln, die ich über die Zeit gelernt habe. So zum Beispiel: „Only Food runs“ – Die mit Abstand wichtigste Regel im Umgang mit Raubtieren. Wer wegrennt zeigt seine Schwäche, seine Unterlegenheit. Außerdem weckt er automatisch den Instinkt beim Räuber die fliehende Beute zu jagen. Davonkommen schafft man sowieso nicht. Deshalb gilt, wenn du einem Raubtier begegnest, wie einem über 200 kg schweren Löwen, kannst du viel machen: z.B. beten, laute, der Großkatze fremde Geräusche erzeugen, dein Gewehr (falls du eins hast) in Anschlag nehmen und hoffen, dass du es nicht brauchst, dir vor Angst in die Hose machen, was auch immer, aber eines tue niemals! Wegrennen – Denn nur Beute rennt! Und da kannst du nur verlieren. Usain Bolt, der schnellste Mensch der Welt, schafft vierundvierzig Stundenkilometer, ein Löwe über achtzig.

Und die schwere Raubkatze ist noch nicht mal das schnellste, sondern nur das größte Raubtier Afrikas. Bei anstürmenden Spitzmaulnashörnern oder Nilpferden gelten jedoch andere Regeln…

Aber nicht nur um das eigene Überleben im afrikanischen Busch geht es in meinem Buch mit dem Titel: „ÜBERLEBEN“, sondern wie bereits angedeutet auch um das Überdenken, Überwinden und Überleben falscher Lebenswege. Am meisten jedoch um das Überleben der afrikanischen Wildtiere, deren Lebensraum immer geringer wird. Viele stehen kurz vor dem Aussterben wie zum Beispiel das Nashorn, das Pangolin oder der Afrikanische Wildhund. Andere wie der Gepard, der Leopard oder das Nilpferd sind auf dem direkten Weg dorthin.

Sebastian Hilpert mit Wildhüter Louis in Namibia - Würzburger Stadtmagazin LIEBE NACHBARN
Zum Schutz der Nashörner – Auf Busch-Patrouille in Namibia.

RHINO-WAR

Ich setzte mich immer wieder den verschiedensten Gefahren aus. Wieso? Die Antworten sind vielfältig. Weil ich etwas Sinnvolles, etwas Lebendiges tun wollte. Ich diese berauschenden Landschaften und ihre einmaligen tierischen Bewohner fotografisch festhalten wollte und weil ich die Hintergründe im Konflikt zwischen Wildtier und Mensch, sowie der Wilderei selbst erkennen wollte. Darüber echtes, ungefiltertes Wissen erlangen wollte! Einen Beitrag zum Schutz dieser, mich so faszinierenden, Geschöpfe leisten wollte! Weil ich nicht tatenlos beim Aussterben der letzten Nashörner auf unserem Planeten zusehen wollte und auch zukünftig nicht möchte.

Denn in Afrika herrscht Krieg. Ein von uns in Europa wenig beachteter Krieg. Ein Krieg um die letzten Nashörner. Und dieser hat einen eigenen Namen: „Rhino-War“. Es ist ein recht ungleicher Kampf. Auf der einen Seite steht das wohl organisierte skrupellose internationale Verbrechen, auf der anderen Seite die so gut wie wehrlosen Nashörner. Dazwischen eine dünne Linie unterbezahlter staatlicher Wildhüter und Soldaten, sowie nicht staatliche Antiwilderer-Organisationen und Besitzer privater Wildtierschutzgebiete mit ihren Angestellten. Erschwert wird der Kampf gegen die Wilderer häufig durch korrupte Regierungen und Behörden, die mitverdienen, z.B. in Südafrika.

Wie dramatisch das Sterben der Nashörner ist lässt sich einfach in Zahlen darstellen. Nehmen wir z.B. das Spitzmaulnashorn. Das kleinere, aggressivere der beiden noch existierenden afrikanischen Nashornarten, welches auf dem Cover meines Buches zu sehen ist. Um 1900 gab es auf dem ganzen Kontinent noch in etwa 850.000 Stück dieser Art. In den 1960 Jahren ging der Bestand auf 80.000 Stück stark zurück. Heute sind es nur noch 5000 in ganz Afrika! Innerhalb eines Jahrhunderts hat der Mensch es durch unkontrollierte Jagd und jetzt vor allem durch Wilderei bis kurz vor die Ausrottung getrieben!

DER GRUND

Aber was ist der Grund für diesen ganzen Wahnsinn? Geld. Der Preis auf dem Schwarzmarkt für ein Kilo Horn liegt bei rund fünfundfünfzigtausend US-Dollar aufwärts. Er ist höher als der von Gold oder Kokain, Horn zählt zu den teuersten Elementen auf dieser Welt. Rebellen- und Terrororganisationen finanzieren sich sogar mit den Hörnern der Tiere. Sie stehen somit auf der gleichen Stufe wie die sogenannten Blutdiamanten. Aber wer will überhaupt diesen »Rohstoff«?

Breitmaulnashorn in Namibia - Sebastain Hilpert - Nashörner
Trotz tonnenschweren Gewichts schutzbedürftig – das Nashorn

Wer zahlt Unmengen an Geld für etwas, das einem Tier aus dem Gesicht gehackt wurde, um es im Anschluss verbluten zu lassen? Wenn es nicht schon vorher tot war, durchsiebt von großkalibrigen Gewehren, ausgestattet mit Schalldämpfern.

Die Käufer sitzen in ostasiatischen Ländern, allen voran China und Vietnam. Hier wird durch eine fehlgeleitete traditionelle Medizin dem Horn des Tieres eine heilende Wirkung zugeschrieben. In Vietnam wird sogar behauptet, es heile Krebs. Die Regierungen dieser Länder haben offensichtlich kein Interesse daran, ihre Bevölkerung darüber aufzuklären, dass mit dem Kauf der Produkte eine ganze Tierart ausgerottet wird. Die angebliche Heilwirkung hat keinerlei wissenschaftliche Grundlage, denn eines steht fest: Das Horn besteht ausschließlich aus Keratin – dem gleichen Material wie menschliche Fingernägel. Aber der Irrglaube über die nicht vorhandene Heilwirkung ist nicht der einzige Grund für den Preis. Längst ist Elfenbein ein Statussymbol der reichen Chinesen und Vietnamesen geworden. Noch exklusiver ist natürlich das weitaus seltenere und teurere Horn eines Rhinos, um Freunde und Geschäftspartner zu beeindrucken.

WIESO?

Umso seltener, umso teurer, umso teurer, umso besser – so einfach ist die Rechnung dieses Wahnsinns. Traurig aber die Wahrheit, es ist wichtig nicht wegzusehen und darauf aufmerksam zu machen. Andernfalls ist es bald zu spät.

Meine Erfahrungen und mein Wissen möchte ich nutzen, um weiterhin auf den Konflikt zwischen Wildtier und Menschen hinzuweisen. Freie Nashörner in ihrer natürlichen Umgebung zu fotografieren ist etwas so faszinierend Schönes und fasziniert immer aufs neue! Umso mehr wünsche ich mir, dass dies auch noch den nächsten Generationen vergönnt bleibt. Aus diesem Grund möchte ich zum Schutz der Nashörner so viel beitragen, wie es mir nur irgendwie möglich ist. Aber dafür brauche ich Unterstützung, egal ob in Form von Organisationen, Firmen oder einzelnen ebenfalls begeisterten Menschen.

Artikel des hervorragenden Würzburger Stadtmagazin “LIEBE NACHBARNHerbst/Winter-Ausgabe.

DAS! Zu Gast auf dem Roten Sofa “in Namibia”

Ein Stück Namibia in Hamburg

Hey, kennt ihr schon die Sendung als ich Live im NDR „in Namibia“ saß und von Bettina Tietjen interviewt wurde? Einer der angenehmsten TV Auftritte für mich. Klar war ich davor sehr nervös, immerhin war es wieder Live und die Sendung DAS! läuft im Vorabendprogramm! Das bedeute, wenn ich mich verspreche oder ein Black-out habe, sehen das hunderttausende Zuschauer sofort…  Die Nervosität verschwand aber sobald die Sendung live ging. Wie auch bei den vorherigen TV oder Radio Auftritten legt sich bei mir wie ein Schalter um. Die auf mich gerichtete Kameras nehme ich nach den ersten beiden Sätzen überhaupt nicht mehr war. Wieso? Na, ich denke, wenn man über etwas berichten / erzählen kann in dem man Sattelfest ist und für das man brennt – Dann läuft es von ganz allein.

Die Sendung bleibt mir auch deshalb in so angenehmer Erinnerung, weil ich ausgesprochen zuvorkommend und freundlich durch die NDR Mitarbeiter/innen bereut wurde, ich mich über die aufgebaute Namibia-Kulisse gefreut habe und auch weil die eingespielten Beiträge hervorragend auf das Thema abgestimmt waren. Ich freue mich schon auf das nächste Mal! Und jetzt – VIEL SPASS BEIM ANSEHEN

Unfreiwillig in Johannesburg – TEIL II

Dieser Blogeintrag ist Bonusmaterial zu meinem Buch >ÜBERLEBEN<

Denn diese spannende und auch etwas lustige Geschichte hat ganz einfach nicht mehr ins Buch gepasst. Aber zum Glück doch noch seinen Weg in meinen Blog gefunden.

Zweiter Teil meiner Zusatz-Stroy “Unfreiwillig in Johannesburg”.

WICHTIG!!! Lies erst TEIL I, nicht das Du gespoilert wirst…

Viel Spaß beim lesen!

Kampf zweier Nashörner in Namibia
Breitmaulnashörner – mit diesen faszinierende Tieren hatte ich die letzten Wochen in Südafrika gearbeitet.

Orientierung: Gerade eben habe ich die Nashorn-Auffangstation im tiefen südafrikanischen Busch verlassen. Die viele körperliche Arbeit brennt noch in meinen Muskeln. Der „Rhino-War“ und hundert andere Eindrücke drehen sich in meinem Kopf, als ich mich auf den Weg nach Johannesburg mache. Von dort aus soll es weiter gehen ins Nachbarland Namibia, genauer gesagt nach Windhoek. Von der namibischen Hauptstadt werde ich dann weiterreisen auf die Auffangstation in der Kalahari, zurück zu den Raubkatzen und Wildhunden. Soweit der Plan. Doch dann verpasste ich in Johannesburg den letzen Flug nach Namibia…

Ich habe mein Gepäck. Der Fahrer, welcher mich am Flughafen Windhoek abholen sollte weiß genauso wie meine dortige Pension Bescheid, dass ich heute nicht mehr eintreffen werde. Lisa hat mir mit Herrn Grüns Empfehlung ein Hotelzimmer in Johannesburg reservieren können und jetzt fehlt nur noch das Ticket für Morgen. „Nein, wir können ihr Ticket nicht umbuchen, sie müssen ein neues kaufen.“ Aha, Danke auch und wieso musste ich auf diese Antwort so lange warten? Mein Reiseagent klärt mich auf. „Herr Hilpert, mir ist das ganze sehr unangenehm aber leider ist bei South African Airways häufiger mal das Problem, dass etwas angeblich nicht geht was eigentlich ohne Problem gehen würde. Die Mitarbeiter haben meist einfach nur keine Lust. Ich rufe sie in zehn Minuten wieder an, ich denke ich kann das Problem von hier aus lösen.“

Es ist 20:45 Uhr, um 21:00 schließen hier die Schalter. Herr Grün ruft mich tatsächlich pünktlich um fünf vor neun zurück.

Es hat geklappt, ich halte mein vorläufiges Ticket in der Hand und dank ihm muss ich nur eine geringe Umbuchungsgebühr zahlen statt eines komplett neuen Flugs. Der Mann ist wirklich Gold wert, er hat innerhalb von 10 Minuten von seinem Büro in Deutschland aus das geklärt wozu hier direkt vor Ort drei Mitarbeiter nicht in der Lage waren und mich auch noch eine halbe Stunde haben warten lassen bevor sie mir das mitteilten. Dienstleistungsqualität, da gibt es eine sehr große Differenz zwischen Afrika und Deutschland, das ist nicht von der Hand zu weisen.

Nachdem ich Geld gewechselt habe muss ich jetzt nur noch die Stelle finden wovon stündlich ein Transporter zwischen Flughafen und dem Hotel pendelt. Mich langsam wieder entspannend passiere ich eine Gruppe finster dreinblickender Polizisten. Von deutschen Flughäfen kennt man ja die Polizisten, die immer zu zweit patrouillieren, einer trägt dabei meistens eine Maschinenpistole (MP) (Welche fälschlicherweise von jedem als Maschinengewehr (MG) bezeichnet wird. Der Unterschiede zwischen MP und MG ist in etwa so groß wie zwischen einem PKW und einem LKW, kein Polizist läuft mit einem Maschinengewehr herum, keiner! So das musste mal geklärt werden.)

Auf jeden Fall laufen hier die Polizisten nicht zu zweit, sondern zu fünft oder zu acht Patrouille und jeder trägt dabei eine Shotgun/Schrotflinte vor der Brust, die aussieht als wäre sie seit zwei Jahrzehnten täglich im Einsatz.

Die “Deutschen-Themen”

Ich will gerade mit meinen Rucksäcken schwer bepackt in einen Korridor einbiegen, von dem ich denke es könnte der richtige sein, als mich ein Flughafenmitarbeiter in Sicherheitsweste anspricht. Er klärt mich auf, dass ich in die falsche Richtung unterwegs bin und hilft mir den richtigen Weg zu finden. Er begleitet mich sogar bis zu der überdachten Stelle am Rand des Flughafenbereiches. Der dortige Parkplatz wird scheinbar nur für Shuttelservice der Hotels genutzt. Ich möchte mich bei ihm bedanken und verabschieden aber er winkt ab und sagt, dass er mit mir auf den Transporter warten wird, er möchte mich auf keinen Fall hier im Dunkeln alleinstehen lassen. Okay, denke ich etwas irritiert, aber wieso?

Der Smalltalk mit ihm läuft zu Beginn sehr vertraut ab. Die erste obligatorische Frage ist woher ich komme. Wenn ich dann mit Deutschland antworte geht es IMMER um die gleichen Themen, völlig egal ob ich an einer Tankstelle, einem Flughafen, einem Einkaufszentrum, einer Safarilodge, einer Wildtierauffangstation oder mitten im Nirgendwo angesprochen wurde.

Die vorprogrammierten Themen sind: Autos, Fußball, Bier, Ingenieure, Autobahn und wenn ich Pech habe der Österreicher A. Hitler. Besonders unangenehm wird es, wenn der Gesprächspartner den „Führer“ des zwölf Jahre dauernden „tausendjährige Reich“ gut findet, nicht selten sind es dann auch noch dunkelhäutige. Ich frage mich in solchen Momenten immer ob sie es ernst meinen und einfach keine Ahnung haben, oder ob sie denken sie tun mir einen Gefallen ihn gut zu finden. Mein jetziger Gesprächspartner der sich als Walther vorgestellt hat, möchte neben Autos „made in Germany“ aber zum Glück nichts davon wissen. Nein er hat eine andere Frage: „Wieso kommen eigentlich so viele Deutsche nach Südafrika um Elefanten, Löwen usw. zu sehen? Habt ihr selbst keine?“ Das ist etwas, das mir auch schon häufig aufgefallen ist. Vielen Afrikanern ist offensichtlich nicht bewusst, dass es viele Tierarten nur auf ihrem Kontinent gibt, geschweige denn, dass diese dramatisch schnell immer weniger werden. Nachdem ich Walther erklärt habe, dass es bei uns gerade mal noch im Großen und Ganzen, Wildschweine und Eichhörnchen gibt, frage ich ihn ob er selbst schon Elefanten, Löwen, Giraffen oder sogar mal ein Nashorn gesehen hat. Wie die allermeisten seiner Landsleute hat er es nicht, er kennt diese Tiere leider nur aus Büchern.

Elefantenbulle in Erindi Namibia
“Habt ihr denn keine Elefanten in Deutschland?”

Im weiteren Gespräch erfahre ich, dass er bereits seit sechs Uhr am Morgen arbeitet (es ist jetzt kurz vor zehn Uhr am Abend) und dass er gerade mal 600 Meter vom Flughafen entfernt wohnt. Er zeigt die Straße vor uns hinunter und erklärt mir, dass seine Wohnung in dieser Richtung liegt. „So nah, das ist gut dann kannst du ja immer zur Arbeit laufen.“ sage ich ahnungslos an ihn gewandt aber er schüttelt mit dem Kopf. „Nein das geht nicht, ich fahre immer mit Freunden im Auto nach Hause.“ Ich schaue ihn stirnrunzelnd an. „Siehst du das große Haus dort“ er zeigt auf ein Hotel auf der anderen Seite des Parkplatzes, ca. 150 Meter entfernt. „Wenn du an diesem Haus vorbei läufst wirst du überfallen. Die klauen dir da alles und wenn du dich wehrst stechen oder knallen sie dich ab. Es gibt so viel verrückte Leute in dieser Stadt.“ sagt er etwas traurig und schaut zu Boden. Ich blicke ihn entsetzt an.  „Was? Wenn du dieses Hotel passierst dann wirst du überfallen? Nur jetzt in der Nacht oder auch am Tag?“ Er nickt, „Egal welche Tageszeit! Ob du Tourist bist oder Einheimischer interessiert diese Menschen auch nicht.“

Ich erinnere mich an die Geschichten die Karl und Lee erzählt haben. Von Leuten die mit ihrem Fahrzeug an Ampeln standen und dann von blitzschnellen Überfallgruppen aus dem Fahrzeug gezogen wurden. Von Räubern die mit Ziegelsteinen die Scheiben der Fahrzeuge einschmeißen völlig ohne Rücksicht ob sie die darin Sitzenden schwer verletzen oder gar töten. Lee ist es sogar schon selbst vor ein paar Jahren passiert. Die Angreifer mussten jedoch sehr schmerzlich feststellen, dass die kleine drahtige Frau einige Erfahrung im Kampfsport hat. Ja Südafrika hat neben der wunderschönen Natur auch eine sehr hässliche Seite, die enorm hohe Kriminalität.

Wir unterhalten uns fast eine Stunde. So lange bis der nächste Shuttel zum Hotel eintrifft. Es ist ein Kleinbus mit verdunkelten Scheiben und einem niedrigen, massiv wirkenden Anhänger für das Gepäck. Walther und ich verabschieden uns mit Handschlag und wünschen uns gegenseitig ein „Stay safe!“ Fahrer und Beifahrer steigen aus dem Shuttel, sie grüßen mit ernstem Gesicht. Beide tragen schwarze Anzüge mit goldenen Namensschildern des Hotels auf der linken Brust. Der Beifahrer wirkt irgendwie etwas kastenförmig unter seinem Jackett. Und wieso überhaupt sind sie zu zweit? Reicht nicht ein Fahrer? Es hieß doch das Hotel ist nur zwanzig Minuten vom Flughafen entfernt. Als die beiden meinen schweren Rucksack in den Anhänger heben und der Beifahrer sich über diesen beugt kann ich sehen was er unter dem Jackett trägt. Eine Schusssichere Weste und eine Pistole im Schulterholster. Okay, der Mann ist wohl für die Sicherheit während der Fahrt zuständig. Ist „Joburg“ wirklich so heftig? Scheinbar habe ich die Bewohner der Stadt unterschätzt.

So jetzt durchatmen, geschafft, es geht endlich zum Hotel. Ich konnte tatsächlich alles in der kurzen Zeit klären bzw. organisieren. Aber als wäre das nicht genug für heute gewesen, steigen jetzt zwei plötzlich aus der Dunkelheit auftauchend merkwürdige Typen in den Kleinbus. Sie setzten sich auf die Plätze vor mich und ich habe das Gefühl in den Vorspann eines achtziger Jahre Actionfilmes versetzt worden zu sein. Der linke sieht Original aus wie Dolph Lundgren, spricht aber mit tief russischem Akzent, während der rechte eine breitere und jüngere Ausgabe von Al Pacino ist. Er jedoch hat einen anderen Akzent, einen den ich mittlerweile auch gut kenne, israelisch. Was machen diese zwei aufgepumpten Brocken hier!? Ist das eine gemeinsame Aktion von KGB und Mossad? Solche Typen gibt’s doch sonst nur in Hollywood Filmen! Die zwei Actionfiguren da vor mir sollen mich bloß in Ruhe lassen! All das denke ich während ich müde aus dem Transporter auf die vorbeiziehenden nächtlichen Straßen von Johannesburg blicke. Mir reichst für heute mit der Aufregung, ich will jetzt duschen und schlafen, morgen geht es für mich schon wieder um 6 Uhr zum Flughafen zurück.

Fünf Rand für “ganz üble Kerle!”

Der nächste Morgen. Die Nacht war kurz und mein Schlaf noch kürzer. War ein komisches Gefühl einen ganzen Raum inkl. Bad wieder für sich allein zu haben. Ich nehme meinen schweren Reiserucksack und betrete beim ersten Tageslicht wieder den Flughafen von Johannesburg. Kaum habe ich das getan spricht mich ein hochgewachsener junger dunkelhäutiger Mann an. Wo ich denn hin möchte will er wissen. Er trägt ein perfekt sitzendes Hemd und teuer wirkende Schuhe, allgemein ein sehr sauberes Erscheinungsbild – im Gegensatz zu mir, ich sehe immer noch wie ein Ranger frisch aus dem Busch aus, zum mindestens war das letzten Abend Walthers Meinung.

Ich sage ihm zu welchem Schalter ich muss und denke mir nichts dabei. Walther hat mir gestern ja auch einfach so geholfen. Er führt mich über einen angeblich schnelleren Weg durch den Flughafen und ist dabei ausgesprochen freundlich. Wir erreichen den Schalter. Eine uniformierte Mitarbeiterin von South African Airways um die vierzig sitzt lesend dahinter. Sie blickt auf, sieht zuerst mich an dann den aus dem Ei gepellten Typen, der mich hierhergeführt hat. Ihr Blick verwandelt sich innerhalb von Sekunden von neutral über eiskalt bis hin zu „wenn Blicke töten könnten“. Der perfekt gestylte, angeblich hilfsbereite Kerl dreht sich auf dem Absatz um und rennt einfach weg. Was war das?! „Haben sie den Mann bezahlt?!“ donnert die Stimme der Flughafenmitarbeiterin mir entgegen. „Ich, was? Nein wieso sollte ich?“ frage ich verwirrt. „Das ist verboten! Sie dürfen solchen Leuten kein Geld geben! Das sind Verbrecher! Ganz üble Kerle! Die rennen mit ihrem Gepäck weg und was machen sie dann?!“ will sie wütend und mit finsterem Blick von mir wissen. Was zur Hölle ist denn jetzt schon wieder los? Ich habe niemandem irgendetwas gegeben! „Ich habe ihm kein Geld gegeben.“ sage ich und erwidere ihren Blick. „Gut“ ist ihre kurze Antwort und sie nimmt schweigend meinen Reisepass und mein vorläufiges Ticket entgegen. Während sie die Daten in den Rechner eingibt und mir mein richtiges Ticket wieder ausgibt spricht sie jetzt ruhig weiter. „Der wird wiederkommen, wenn sie hier fertig sind. Geben sie ihm maximal fünf Rand (Das sind in etwa 33 Cent), lassen sie sich in keine Gespräche verwickeln und vertrauen sie nur Leuten in Sicherheitswesten mit Ausweis. Begeben sie sich einfach auf dem schnellsten Weg in den Check-in-Bereich.“ Ich will mich gerade für ihre Aufklärung bedanken als sie den Finger hebt und hinzufügt: „Und gehen sie nicht den Weg zurück, den sie gekommen sind, gehen sie vorne herum. Dort wo die Polizisten stehen.“ Sie deutet nach „vorne“ ich folge ihrer Richtungsangabe und kann fünf Polizisten mit ihren Shotguns sehen die sich an einem Geländer anlehnen. „Dann wird er sich wahrscheinlich erst gar nicht trauen ihnen zu folgen“.

Wiedersehen

Im Check-in-Bereich angekommen frühstücke ich erst mal entspannt. Der Kerl, der wie aus einem Mode-Katalog aussah ist nicht mehr aufgetaucht und die 5 Rand Münze, die ich mir für ihn zurechtgelegt hatte kann ich gleich dem Trinkgeld für das Frühstück hinzufügen.

Ich ziehe mein Tagebuch aus dem Rucksack und schreibe in Ruhe all das auf was mir in den letzten 24 Stunden passiert ist. Die Uhr behalte ich dabei ganz genau im Blick. Eine gute Stunde vor dem Boarding laufe ich schlendernd zum Flugsteig. Ich schaue links und rechts in die Läden, passiere den Outdoorshop aus dem ich gestern gestürmt bin und erreiche fast die Treppe zum Flugsteig als mir jemand in einem Souvenirshop auffällt. Ich muss grinsen, freue mich schon auf die Reaktion der Person und trete von hinten an sie heran. „Entschuldigen Sie, sind sie zufällig Prinzessin Swildan?“. Lili dreht sich in Zeitlupe um, als wir uns ansehen fallen wir beide in schallendes Gelächter. „Was zur Hölle machst du denn hier? Solltest du nicht in Namibia sein?“ ist ihre erste begründete Frage nachdem wir wieder Luft haben. Ich erzähle der schwedischen Volontärin, mit der ich die letzten Wochen auf der Nashornauffangstation einige Abenteuer erlebt habe, in Kurzform was passiert ist. Während ich berichte schüttelt sie immer wieder grinsend den Kopf. Nach zehn Minuten gutgelauntem Austausch verabschieden wir uns nun zum zweiten Mal und ich wünsche ihr wieder viel Spaß auf Madagaskar – ihrem nächsten Resieziel. Für mich wird es jetzt endlich, mit einem Tag Verzögerung, wieder Zeit Namibia zu erleben. Ich freu mich drauf.

Junger verwaister Gepard in Namibia
Mein Ziel in Namibia – zurück zu den Raubkatzen.

Ende meiner „Outtake“ Bonus-Story, wies weiter geht erfahrt ihr natürlich in meinem Buch.

Ich hoffe es hat euch Spaß gemacht zu lesen!

Unfreiwillig in Johannesburg – TEIL I

Dieser Blogeintrag ist Bonusmaterial zu meinem Buch >ÜBERLEBEN<

Denn diese spannende und auch etwas lustige Geschichte hat ganz einfach nicht mehr ins Buch gepasst. Aber zum Glück doch noch seinen Weg auf meinen Blog gefunden.

Erster Teil meiner Bonus-Stroy “Unfreiwillig in Johannesburg”.

Viel Spaß beim Lesen!

Care for Wild - Rhino Sanctuary
Gerade eben noch auf der Rhino Sanctuary abseits der Zivilisation. (Foto: Tom Bickles, Februar 2017)

Orientierung: Gerade eben habe ich die Nashorn-Auffangstation im tiefen südafrikanischen Busch verlassen. Die viele körperliche Arbeit brennt noch in meinen Muskeln. Der „Rhino-War“ und hundert andere Eindrücke drehen sich in meinem Kopf, als ich mich auf den Weg nach Johannesburg mache. Von dort aus soll es weiter gehen ins Nachbarland Namibia, genauer gesagt nach Windhoek. Von der namibischen Hauptstadt werde ich dann weiterreisen auf die Auffangstation in der Kalahari, zurück zu den Raubkatzen und Wildhunden. Soweit der Plan.

Landung in der berüchtigten Stadt Johannesburg. Der Flug, mit dem ich ankomme, wäre fast wegen Unwetter abgesagt worden aber wir hatten Glück und die Maschine konnte abheben bevor das Gewitter den kleinen Flughafen erreichte.

„Joburg“ wie ihr Spitzname lautet, ist nicht wirklich eine Stadt, die mich reizt, aber sie ist nun mal ein Knotenpunkt für den Flugverkehr im südlichen Afrika. Die Stadt galt einige Jahre als gefährlichste Stadt der Welt, zusammen mit den hier erfahrenen Erlebnissen die mir ein paar Leute von der Nashorn-Auffangstation im Vorfeld erzählt haben wirkt die Stadt nicht gerade einladend und alles andere als sicher. Beim Hinflug hatte ich gerade mal vierzig Minuten Zeit zum „umsteigen“ in meine nächste Maschine Richtung Nashorn-Auffangstation und auch jetzt bin ich froh, dass ich hier nur ein paar Stunden Aufenthalt am Flughafen habe bevor es um halb acht abends weiter nach Namibia geht.

Okay Sebastian jetzt bist du nicht mehr im tiefen Busch, sondern in der Zivilisation, sage ich zu mir selbst und beobachte die mir fremd gewordenen hektischen Menschenmassen. Ich schaue auf die Uhr, fast vier Stunden noch bis zum Abflug, mehr als genug Zeit um die paar Kleinigkeiten, die ich mir auf einer Liste zusammen geschrieben habe zu besorgen. Unter anderem brauche ich ein neues Tagebuch, Sonnencreme, eins zwei Souvenirs und eine neue Kappe wäre auch gut. Meine alte ist durch Schweiß, Dreck und die starke Sonne ziemlich „fucked up“.

Vertraute Laute in Johannesburg

Während ich den Schildern folge höre ich es plötzlich wieder, vertraut und doch fremd – die deutsche Sprache. Tatsächlich kleine Touristengruppen in karierten Kurzarmhemden, mit unter den Arm geklemmten Jack-Wolfskin Jacken und schlecht gelaunten Gesichtern überholen mich. Ja das sind sie, die Deutschen, denke ich und vergesse kurz das ich selbst einer bin. Nur die weißen Tennissocken in Sandalen sehe ich zum Glück nicht, hat sich wohl endlich nach ein paar Jahrzehnten überall herumgesprochen wie bescheuert das aussieht. Ich fühle mich fast wie ein Naturforscher, der eine äußerst interessante Spezies beobachtet, meine eigene.

Breitmaulnashorn Bulle by Sebastian Hilpert
Die Spezies mit der ich in den Wochen vor Johannesburg am meisten zu tun hatte.

Den weitläufigen Flughafen erkundend, bleibe ich immer dann lauschend stehen, wenn ich eine Touristengruppe deutsch sprechen höre. Denn ich freu mich nach den vielen Wochen, in denen ich mich auf Englisch austauschen konnte jetzt wieder meine vertraute Sprache zu hören. Doch was ich höre schockt mich, mehr als achtzig Prozent der Gespräche und Äußerungen sind negativ. Sie alle sind mit ihren sauberen Klamotten auf dem Weg in den Urlaub oder kommen gerade aus diesem und haben nichts Besseres zu tun als sich am laufenden Band über Lächerlichkeiten zu beschweren. Sie meckern über die Kaffeepreise der Restaurants, sie sind unzufrieden darüber, dass niemand vom Flughafenpersonal deutsch spricht (Hallo wir sind hier in Südafrika und nicht auf Sylt!) und sie wirken fast alle enorm gehetzt, sind aber gleichzeitig genervt davon, dass sie „noch solange“ auf ihren Flug warten müssen.

Ich selbst stehe mit meiner oliv und khakifarbigen Kleidung, aus der der Dreck der letzten Wochen nur notdürftig gewaschen ist, daneben und staune. Der Großteil meiner Landsleute fliegt offensichtlich nur in den Urlaub, um zur Abwechslung auch mal außerhalb von Deutschland schlechte Laune zu haben. Ich bin wirklich entsetzt. Natürlich gibt es auch Ausnahmen aber die meisten der vierzig bis siebzig Jährigen sind hier von Grund auf negativ. Und aus dieser Altersklasse kommen mit Abstand die meisten der deutschsprachigen Touristen, die mir hier begegnen. Bin ich auch so? War ich mal so? Grundsätzliche Negativität trotz Luxus? Uns geht es im Vergleich zu den allermeisten Ländern doch verdammt gut. Wir sind ein demokratischer Rechtsstaat, haben immer fließend Wasser, Strom und eine funktionierende Infrastruktur. Wir haben sogar ein Sozialsystem und ein Gesundheitssystem. Auch wenn diese beiden Systeme sicherlich ausbaufähig sind, wir haben sie und das ist keine Selbstverständlichkeit. Milliarden Menschen in anderen Ländern können von unseren Sicherheiten und Freiheiten nur träumen. Doch statt das zu schätzen meckern wir lieber, suchen nach dem Haar in der Suppe und haben scheinbar Angst vor jeder Art von Veränderung.

So etwas passiert nur anderen

Mich beschäftigt das auffallend negative Verhalten der deutschen Touristen so sehr, dass ich fast die Zeit vergesse. Kontrolle, die Uhr sagt mir, dass ich noch dreißig Minuten bis zum Boarding habe, genug Zeit, um nach einer neuen Kappe in dem Outdoorshop zu sehen. Aus den Lautsprechern krächzen immer wieder mal halb verständliche Durchsagen, meist Personenaufrufe die Gefahr laufen ihre Flieger in Kürze zu verpassen. Ich frag mich wer so knapp anreist, dass er wirklich Gefahr läuft seinen Flug zu verpassen. Klar kann immer wieder mal etwas dazwischenkommen, aber das muss man eben mit genug Puffer einkalkulieren. Flug verpassen, nein so etwas wird mir mal nicht passieren.

Ich finde und bezahle eine grüne unkomplizierte Kappe. Nach etwas Smalltalk mit der Verkäuferin will ich gerade wieder mein Flugticket einstecken, welches man zum Zahlen vorzeigen muss als ich nochmals auf die Abflugzeit schaue. Die jetzt ist! Ströme von Hitze und Kälte durchfahren mich wellenartig von einer auf die andere Sekunde. Ich stürme so schnell ich kann in Richtung meines Flugsteiges. Weiche erschrockenen Menschengruppen aus und bleibe an eins zwei unvorsichtigen Personen hängen. Verdammt war ich wirklich so sehr abgelenkt, dass ich ausversehen die Abflugzeit mit Boardingzeit verwechselt habe?! Ja war ich verflucht nochmal! Ich haste die Treppen hinunter zu meinem Flugsteig, aber ich kann bereits sehen, dass er geschlossen ist, kein Mensch steht mehr dort.

In Südafrika, zurück nach Südafrika…

Was mach ich jetzt? Ich steuere die erste Flughafenmitarbeiterin an die ich finden kann. Sie erklärt mir, dass ich zur Information Station muss, evtl. gibt es ja heute einen weiteren Flug nach Windhoek auf dem noch ein Platz frei ist. Okay, das mach ich, denke ich mit stark erhöhtem Puls und ärgere mich unendlich über mich selbst. Verschwitzt und gestresst erreiche ich die Information. Der Mitarbeiter teilt mir mit, dass heute kein weiterer Flug nach Namibia geht, ich habe den letzten des Tages verpasst. Fuck! FUCK!! FUUUCK!!! „Sie müssen bei der Airline einen neuen Flug für Morgen buchen, heute geht definitiv nichts mehr.“ sagt er freundlich. Heute geht nichts mehr, ich versuche das zu verarbeiten, das bedeutet ich muss in Johannesburg übernachten! Aber wo? „Doch zuerst müssen sie wieder in Südafrika einreisen.“ ergänzt er noch. „Ich muss was?“ frage ich völlig verwirrt. Ich befinde mich doch noch in Südafrika. „Laut Reisepass sind sie bereits ausgereist und befinden sich in Richtung Namibia. Sie müssen jetzt erst mal wieder rückwärts durch alle Kontrollen bis zur Passkontrolle und sich dort eine Verlängerung von mindestens einem Tag geben lassen.“

Sebastian Hilpert pflegt Gepard in Namibia
Ziel meines verpassten Fluges – die Auffangstation in Namibia auf der ich bereits 2015 arbeitete.

Als passenden Soundtrack für meine folgende einstündige abendliche Hetzjagd durch den Flughafen von „Joburg“ würde ich wohl etwas von KORN wählen. Laut, hektisch aggressiv, ja das würde passen.

Mit rotem Gesicht und schwitzend haste ich durch die Gänge des Flughafens und frage mich im kurzen Kommandoton kommunizierend von einer Stelle zur nächsten. Währenddessen telefoniere ich mit Lisa (meine damalige Partnerin), die mein unerwarteter Anruf in der heißen Badewanne im eiskalten Deutschland überraschte. Sie wiederum kontaktiert meinen Reiseagenten, Herrn Grün. Einer der wohl am meist entspannten Menschen Mitteleuropas. Er erklärt mir in völlig ruhigen Ton, dass eine Sache in Johannesburg elementar ist. Das Gepäck! Ist es hier einmal weg taucht es auch nicht wieder auf. „Aber ist das nicht jetzt schon auf dem Weg nach Namibia?“ will ich von ihm wissen. „Nein, wenn sie nicht an Bord gegangen sind wird Ihr Gepäck wieder entladen. Finde sie ihr Gepäck als erstes, alles andere können wir danach regeln. Ich schaue mich schon mal für Sie nach verfügbaren Hotels in Johannesburg um.“ Gut, seine Ruhe ist so stark das sie ansteckend wirkt.

OFF LOADED

Mittlerweile bin ich auch wieder laut meines Reisepasses in Südafrika. Auf der Suche nach meinem Gepäck werde ich immer weiter in die Eingeweide des Flughafens gelotst. Andere Touristen sehe ich hier gar nicht mehr. Hin und wieder sitzen ein paar sehr entspannt wirkende Flughafen Mitarbeiter auf Plastikstühlen und sorgen dafür, dass ich mich nicht völlig verlaufe. Endlich komme ich in eine Halle in der sicherlich zwei bis dreihundert Gepäckstücke aufgereiht in zwei Linien liegen. „Alle von heute“ sagt ein an der Wand lehnender grinsender Mann mit Sicherheitsweste. Ich gehe die Gepäckreihen ab, doch mein olivfarbener skandinavischer Wanderrucksack ist nicht dabei. Der Sicherheitswesten-Typ sagt, dass ich es noch in einem Bereich ca. 200 Meter von hier versuchen kann, das wäre die letzte Möglichkeit wo mein Gepäck sein könnte. „Und wenn es dort nicht ist?“

Er zuckt mit den Schultern, okay nicht aufgeben weiter gehen. Ich erreiche nach 200 Metern eine Einbuchtung, in der ein einzelner grauhaariger Mitarbeiter sitzt, neben ihm sind genau drei Gepäckstücke, meines ist nicht dabei. FUCK! Brülle ich in Gedanken. Was mach ich jetzt? Eine Klappe im Boden hinter dem Mann wird plötzlich von außen aufgeschoben. Lauter Fluglärm schlägt uns aus der Luke entgegen und ich kann ein Stück Flugbahn sehen. Ein Rucksack wird von außen in die Einbuchtung gehoben. Er ist olivgrün ein großer roter Aufkleber klebt auf ihm. „OFF LOADED“ steht darauf. Ich atme auf, es ist tatsächlich meiner.

Fortsetzung der Story

Ende des ersten Teiles meiner Zusatzstory, wie es weiter geht, welche komischen Gestalten mir noch in der Stadt begegnete, warum mein Flug nicht umgebucht wurde und wo ich überhaupt übernachten konnte – alles nächste Woche im Teil II von “Unfreiwillig in Johannesburg”.

“UEBERLEBEN” THE BOOK

IT’S SO FAR! MY BOOK IS HERE!!!

I’m bursting with excitement and joy! After almost one and a half years of intensive work, my first book has now been published! As you can see in the video above I am a little short of words! The feelings simply go crazy…

All my adventurous experiences in Namibia and South Africa have flowed into this incredibly important heart project. I am so happy to finally be able to share everything with you! Intense felt Africa, extraordinary wildlife encounters, backgrounds to safari, volunteer work, hunting and poaching. Simply, about life and survival there. Written as close, honestly and personally as I could. In addition many impressive photos and further bonus material! Just have a look! The book is available in all bookstores in Germany, Austria and Switzerland. Otherwise it is of course also available online.

LINK TO ONLINE ORDER

The official book description:

“Deep in southern Africa, in the midst of breathtaking landscapes, where cheetahs clean his head, meerkats bite his Achilles tendon and he meets a black rhino on foot, Sebastian Hilpert experiences adventures he never could have imagined. He had been a soldier for twelve years and in the end had distanced himself so far from himself that he plunged into a depression. The path of spiritual healing leads him to orphaned cats of prey in the Kalahari and on to a rhino sanctuary in South Africa, where the Rhino War, the war for the last rhinos, rages mercilessly. As a volunteer he takes care of orphaned and injured animals, raises caracals and rhinos with a bottle and learns first-hand about the harshness of nature as well as the unscrupulousness of poachers. Later he travels as a photographer through the impressive vastness of Namibia and works as a gamekeeper in a wildlife reserve. A book full of commitment and adventure in almost untouched nature and at the same time a story of inner growth that reminds us of the responsibility we bear: towards the living creatures of this earth and ourselves”.

 

SOMEWHERE IN NAMIBIA – ON PATROL

An atmospheric, short personal video with fascinating landscape and animal shots from Namibia.

Our biodiversity is impressive, fascinating and wonderful. But in order to preserve it further, it must be strongly and above all actively protected in many parts of the world. Without this protection it is simply not possible anymore. Within a very short time, many species would be exterminated by the destruction of habitats and poaching. But nature and species conservation is also multifaceted. Research, serious conservation organisations, reception stations and private wildlife reserves are just a few examples.

In August and September 2017 I accompanied my friend Louis in his work as a gamekeeper on one of these huge private game reserves. Wildlife management and anti-wild patrols in the Namibian bush – that was our daily work. This stay was my most intensive time in Africa so far. Neither my stays as a photographer on safari, nor as a volunteer at various wildlife sanctuaries have kept me so busy.

In August 2018 I travelled again to Namibia. Of course I also visited Louis again. This time only two weeks, but together with my brother Alex. Who made these wonderful film shoots of us during this time. We are watching on patrol, the impressive Namibian landscape and wildlife. I hope the short video that came out of it can show you a little why I feel so magically attracted to this country.

PS. TAKE A LOOK AT IT IN HD AND FULL SCREEN. Watch it in HD and full screen.

PPS. LET ME KNOW. Let me know if you’d like to see more of these videos.

PPPS. May very gladly be commented, shared and distributed.

Mein Rückblick auf 2017

Wildhüter Sebastian Hilpert mit Beagle Welpen Stouter Kabouter in Namibia

Ein ereignisreiches und erkenntnisreiches Jahr liegt hinter mir.

Nachdem meine Militärdienstzeit nach 12 Jahren zu Ende ging hieß es für mich gleich Anfang Januar „zurück nach Afrika“. Erst in den Südafrikanischen Busch auf eine Nashorn-Auffangstation um dort als Volontär die Auswirkungen des „Rhinowar“ hautnah zu erleben. Gleich im Anschluss weiter um den Rest des Februars und den März auf der Wildtierauffangstation in der namibischen Kalahari zu verbringen wo vor fast drei Jahren meine Afrika-Leidenschaft begonnen hat. Nach nur einem Monat Pause und reparieren meiner Kamera in Deutschland ging es im April/Mai wieder nach Namibia, diesmal selbstständig als Fotograf auf Safari. Höhepunkt des Jahres war dann im August und September meine insgesamt fünfte Namibia-Reise. Zu Gast bei namibischen Freunden, wo ich die Möglichkeit hatte sie bei der täglichen Arbeit auf einem riesigen privaten Wildtierreservat zu begleiten. Wildtiermanagement und Antiwilderer Patrouillen waren hier der klare und blutige Schwerpunkt.

So viele neue Erlebnisse, Eindrücke und interessante Menschen durfte ich dieses Jahr kennenlernen. Tausende von Bildern aufnehmen. Doch, 2017 war ein tolles Jahr, wenn auch nicht immer alles super positiv oder leicht zu verdauen war, aber alle Erkenntnisse waren und sind wichtig.
Danke an alle die mich dieses Jahr in welcher Form auch immer unterstützt haben! Ich wünsche euch ein tolles und erfolgreiches Jahr 2018!!!

Ps. Der kleine Beagle Welpe den ich auf dem Foto im Arm habe gehört meinen namibischen Freunden und war im August/September mein ständiger Begleiter.

“Owl Baerbel and double cream”

Together with the Eurasian owl through the forest

Occasional orange sun beams make their way through the dense forest which consists mainly of young birch trees in this area. Baerbel is sitting tightly on my arm and I can clearly feel her claws. Her head with its huge orange-glowing eyes is observantly yet calmly moving from side to side watching every movement around her. Baerbel is a Eurasian owl.

Brilliancy!

This type of owl is the biggest one having a wingspan from 1.70m to 1.80m. It kills its prey with its strong claws right at the spot without any further help of its beak. That way it kills a fully grown fox in less than three seconds. Whether it would take the owl one or two seconds more to kill a Labrador, I’m not keen to find out. Fortunately, the woman passing us by is smart enough to keep her Labrador on the leash and making a big circle around us.

It’s our fourth or fifth time visiting falconer Tanja who has become world famous with her pictures of her German Sheppard dog “Ingo” and her Minervas’s owl “Poldi” during the past two years. She’s humble, grounded and still in touch with reality. Anyway, she wins international awards and her pictures are printed in magazines all over the globe.

Together with “Ingo” and “Poldi” to worldwide fame. Source: Tanja Brandt – www.ingoundelse.de

We leave the forest behind and step onto a field with knee-high weed. Tanja is looking for a good position while holding her Nikon with its great great 300mm 2,8 objective. I take off the falconry gauntlet, so we can see from what we want to take the pictures from: the tattoo of Baerbel on my left underarm together with its living model.

The owl claws into the naked skin of my right arm and Tanja lets us move a little bit to the right so that the background suits the foreground.

Right at that moment Baerbel seems to see something at the edge of the woods which seems to bother her. She wants to fly off my arm but I can grab her just in time to keep her from leaving. I’m making the mistake to grab her with my left hand as well trying to put her back on my arm. Burning pain shoots through my hand because one of her claws had grazed my hand. Luckily, only the top layer of my skin is lacerated by this incidental touch of Baerbel. In just five days the wound will have totally healed; way faster than the bite of a meerkat.

Exterior side of my left underarm. You can see the profile of Baerbel’s head. Black pecker, orange eye and her “ear feathers” can clearly be seen.

Baerbel is back on my arm and Tanja is taking some pictures together with Lisa. Afterwards we walk back through the dense forest to the falconry to look after Tanja’s gryphons.

After that, we leave for the ice cream parlour right in the middle of the “beautiful Remscheid”, or is it Wuppertal? I cannot tell them apart. Here you are driving along the very same street, passing three times the place-name sign “Remscheid” and twice the sign of “Wuppertal”, as someone born in Wuerzburg this confuses me. Well, anyway, GPS will lead us the way.

Like the two years before, Tanja orders the very same dish:” Four scoops of strawberry with double whipped cream please, because of my diet.”

Tanja and Baerbel

The Anteater-dragon

 

Tail of the „Anteater-dragon“

Sun is setting in the west and already that deep that the brim of my head offers no more protection against the still strong sun beams. It’s windy, vegetation is quite dense for that time of the year and we – we’re looking for a needle in a haystack.

The private wildlife protectorate “Erindi” comprises 700 km² or 70 000 hectare. A place where you can easily drive past a herd of elephants which is only 100 meters away, and you still didn’t see them. The animal we’re looking is between 40 to 80cm long and well camouflaged. Our only chance is a little DF transmitter it is wearing. Its range is limited and even we could capture its signal it wouldn’t mean finding our needle.

Right now you might be asking yourself, what animal is he talking about? It’s one of the rarest mammals you can be looking for in southern Africa. It’s one of the less examined, most endangered, most bizarre and most fascinating animals.

To make it short: it seems to be a mixture of an anteater and a little dragon – an anteater-dragon; this would be my attempt of describing it.

The English name is “Pangolin” – a name I kind of like – whereas the German name “Schuppentier” (scale animal) seems quite impersonal to me. Don’t mix it up with an armadillo. Anyway, this animal deserves a melodious name – so I will stick to its English name “Pangolin”.

And that’s the animal we’re looking for. It’s just the three of us sitting in an huge, olive green Land Rover whose driving comfort reminds me of my time in a light wheeled tank during my time in the forces.

The three of us: our guide Warren, Lisa and I. Warren is a Pangolin expert in Erindi. Nobody had ever spotted as many Pangolins as he has. They even have a ranking who of the guides has seen the most Pangolins in his or her life (or if they have seen at least one).

We start in the late afternoon because Pangolins are crepuscular to nocturnal. First, we have an half an hour drive through the scrub to the highest still passable mountain – the “Officehill”. The view is breathtaking. Scrub as far as you can see – only partly separated by smaller ranges of hills or massive mountains in the far distance. Warren gets out, assembles the aerial of the DF transmitter and climbs a bit higher.

On top of “Officehill”

Until he comes back I’m using my time to take some pictures. When he comes back he’s just shaking his head. No signal. We have to try it somewhere else. He tells us, all the last three attempts to find a Pangolin were without any success. We continue the search – of course. We’re driving down the adventurous “Officehill” in order to have a second try near a different rock formation20 minutes later.

This time he catches a weak signal in western direction. Weak – yet a signal!

Unfortunately, that doesn’t automatically mean that we will find it. He could be in an impassable area, or in a cave under the earth or a predator might have ripped it off while trying to crack the Pangolin open.

Neither big cats like lions, leopards, nor wild dogs nor birds of prey have a chance to crack the overlapping scales if it has curled up into a ball. Only hyenas would have a chance because of them having the strongest bite of all animals.

What is a Pangolin eating? Ants, a lot of ants! Wandering through the night, it catches about 300 000 ants with its tongue which is between 20 and 60 centimeters long. That sums up to a weight of 1 kilogram of ants – while only weighing between 8 to 35 kilograms itself.

Next stop, next signal check. There it is – a constant peeping! A clear signal coming from the northern direction but: there’s no bush path to be seen. So, we have to go across country. The signal is getting stronger und the intervals are getting shorter. We stop several times to check the direction while the sun hasn’t set yet. I really hope finding the Pangolin while we have some daylight left so I would be able to take some pictures.

Warren who was focused all the time stops again and gets off the car. He walks a little bit and comes back after two minutes. He’s smiling from ear to ear. “You found it?”, I’m asking excited. “Yes”, he answers, still smiling. “Right over there, sleeping under that little tree. Not in a cave, right here under the sky.” YES! Lucky me! We get off the car and follow our still smiling guide through the bush.

Pangolin, the little face (not visible right now) lying on the ground under its scales. A safe way to sleep.

Suddenly, there it is – a camouflaged little rock, which isn’t one. A rock made out of scales. Its itsy-bitsy face lying on the ground, protected by the scales of its upper body. It’s a fascinating sight and I’m very excited.

Warren drives the car a little bit closer and uses the radio to tell the other guides that he found another of these mythical creatures. I’m taking come close-ups of the wonderful scales when I suddenly hear a sound: a quiet, but deep breathing with occasional sighs – quite similar to our cats at home! That’s just like Peter our tomcat sounds when he sleeps safe and sound. I’m asking Lisa and warren if they can hear it too. Our guide comes closer until the both of us are only about 20 centimeters away from the Pangolin.”Yes, it’s incredible”, Warren says. “He’s snoring, I’ve never heard that before!”.

How awesome is that?! I’m falling right away in love with the anteater-dragon which sounds just like our tomcat at home.

The small snoring Pangolin and I – his newest biggest fan!

In the meantime, the news had reached all the guides who are trying to convince their guests to take that trip instead of looking for lions or elephants. Obviously, most of them don’t really know what a Pangolin is and don’t want to go across country for that not-well known animal. Unfortunately, the average safari guest only want to see the “Big Five”, because that’s what you must have seen. If an animal isn’t exceptional loud or big, it’s not worth looking for. They only want to see elephants or lions and, if possible, all in one day. Poor guides! If it were for me – so much stupidity and ignorance would freak me out!

How exceptional is it to see a wildlife Pangolin? Warren, a guide in Erindi for 9 years, has a clear answer to that:

Only one in a million visitors of the Krüger National park will see a Pangolin – maybe.”

300 000 ants per day… fascinating.

The reason for the rare occurance of the Pangolin is – once again – mankind. The prices are high – the penalties are even higher than for the illegal trade of the horn of a rhino. Main customers, with over 90%, come from China – once again.

My opinion of China is not very. This comes both from my experiences at the rhino rescue center in South Africa (LINK) and several negative encounters with Chinese people. This lead to a strong refusal of the Chinese culture by me which is, in my eyes, without any respect for nature and the animals living on this planet.

In the meantime, our little ant bandit has woken up and has curled itself into a ball. I can see its little sharp face with its beady eyes – for about three seconds.

The sun sets and we leave the Pangolin, so it can go on its nocturnal hunting trip.

When we got into the Land Rover, the wind has slowed down and I add a not-cat type animal to my most favored animals. Well, at least it sounds like a cat while being asleep.

Swakopmund – between the Namibian desert, the Atlantic, emperor and Smallworld

Swakopmund’s landmark at sundown, the lighthouse built 1902

It’s almost like being in Germany, a place you have to go to!” This is what I was told about the little coastal town with its prominent red and white lighthouse during my first stay in Namibia in spring 2015. Frankly speaking, why should I take a 10-hour flight from Germany to Namibia, add a 5-hour car drive just to visit a place which is supposed to be “just like Germany”? I make my trips to South Africa in order to escape good old Germany, not to visit some kind of German offspring. I could have had this way easier – I could have just stayed where I was. These were my thoughts back in December 2015. Soon after that, I visited this town anyway while I was travelling through Namibia – and I was positively surprised. It was completely different to what I had expected. That’s why I paid the small town of Swakopmund and its 43.000 inhabitants a second visit in April 2017. That’s why I’m writing this blog entry.

Mexican-like flat roofs, broad American-like streets – that’s what you can find right next to the oldest desert on earth which you can see if you’re standing on the right crossing looking south. If you turn your head away from the south to the west, you will see the sparkling and ice-cold Atlantic Ocean. “Just like Germany”? Definitely not! Nevertheless, this is the city where you can still see best the German influences of the colonial times. That isn’t bad at all, because that makes it kind of a special place. It’s the most favored holiday destination in Namibia, even for Namibians.

“Bismark Straße” – some old street names still exist

What makes this town one of a kind?


Responsible for that are several factors. First, its remarkable location: the Namibian desert in the south, the Atlantic in the west and the Skeleton coast in the north.

Second, the climatic conditions – you have two days of rain per year. Two days! If you don’t watch out, you might miss one just my oversleeping.

“Jetty” – this catwalk reaches 300 meters into the cold South Atlantic

Third, the architecture of the town centre. The German colonial time between 1884 and 1915 left its marks here – wilhelminische pediments and art nouveau fronts can be found. Right here in Africa – that’s incredible! Right across from our accommodation you can find the Protestant Lutheran Church which was was consecrated in 1912. It looks just like being teleported from a Middle German town. Not only the church, but also the old farm from 1901, the “Alte Amtsgericht”, the lighthouse, the Woermann house, the Hohenzoller house or die old barracks – all of them were designed and built following the example set by the German architecture during the “Kaiserzeit”. Those combined with palm trees and the sand on the street – a special and unique flair.

Safety measures – everyone in Swakopmund protects his/her land with barbed wire and an alarm. In the background: Protestant Lutheran Church from 1912

Activitites

“I’m sorry, we’re completely booked out”. “Nothing in the next three days? All travel agencies are booked out?” “Unfortunately yes.”

The “Living Dessert Tour” was recommended to me from all sides, but obviously we had underestimated the demand. “Most people book the tour at home before their trip. Demand is rising, more and more tourists are visiting our country.” That’s what the nice lady at the information told me. She was right with that.

Two years ago fewer than 25% of today’s tourists were crossing our paths. Luckily, Namibia is still far away from getting this mass tourism flair. Still, I have to advise you to book desert tours, hot air balloon trips, skydiving etc. before your trip, otherwise you will share our destiny…

Fortunately, there are a lot of things left to do.

The Damara tower at the anchorage is perfect to become a good view of the city. The tower is 25 meters high and belongs to the “Woermann” house which was built in 1894. It’s one of the oldest buildings in the town. The view from its top is impressive: right behind the roofs of the town you can see the dunes of the Namibian desert reaching for the Atlantic Ocean.

View from the Damara tower southwards; dunes on the left, ocean on the right

Swakopmund museum is privately run and very interesting, therefore perfect for a relaxed Sunday afternoon walk when all the other shops are closed.

The museum is bigger on the inside than you might think from the outside and offers a big variety of historical and cultural pieces of Namibia.

My little inside tip for those who like to take the unusual and remarkable picture, or wanted to travel the coast northwards anyway:

Take the coastal highway from Swakopmund heading in the direction of Skeleton coast. You’ll have the surf of the sea to the left and wasteland to your right. After about 50km you will see something rising up out of the water which made me shiver when I first saw it. It was December 2015 when I was heading to Damaraland. The coast was foggy and the missing sun made the land look grey and lifeless. Suddenly, a post apocalyptic nightmare of a ship wreck rose right in front of me. Back then I didn’t stop to take a picture. That bothered me and so, I made up for it this year.

We got up in the early hours of the morning to take pictures of the Angolan cutter “Zeila” in the morning light. In the meantime, they had even put up a small sign which tells you about the wreck. Right next to the street, you’ll find an even spot to park your car and gives you the opportunity to walk a few steps to get to the beach. I love photo motifs like that!

Shipwreck at the coast – “Zeila”, 50km north of Swakopmund

Restaurants & Cafés

Food is important – especially good food. If I’m in a bad mood, give me something good to eat or a well-brewed coffee and my mood lightens up immediately.

Good restaurants are numerous, I will only write about those I visited personally.

Imagine that: I’m standing in the burning African sun, 32° degrees Celsius, smelling the salty sea air and read this:”Hopfen und Malz, Gott erhalts”. (God shall protect our hop and malt)

It’s the “Swakopmund Brauhaus” (brewery) with a ceiling decorated with flags from all over the world, but especially those from Germany. Next to the flags of Finland and Wales, you will find those of Bremen, Hamburg, Saxony, Bavaria, and even those from Franconia and Lower Franconia.

The best way to strike up a conversation with locals is to take a seat at the bar. The food are typical German dishes which are accompanied by beer which is mainly brewed after the German “Reinheitsgebot” (beer purity law). Although the whine menu is huge, it seems not to be of a big interest for the South African tourists. That is, right after the German tourists, the second largest group of tourists in Namibia. The South African tourists seem to love the large, boot-shaped beer glasses which contain up to two liters of beer. This is according to their guidebook a typical German way to drink beer. I’m sorry guys, we only have the “Maßbier” which contains “only” one liter – otherwise the beer would become stale before you could drink it up…

Flags and beer – Swakopmund Brauhaus

Sushi in Namibia? Why not? I even think it was the best Sushi I’ve ever had. The “Ocean Cellar” belongs to a hotel, but that didn’t bother me at all. Fish, sea food and the Sushi – it was excellent. Besides that, sitting on the terrace, you have an great view over the little beach where brave ones of every age jump into the sea – which has only about 18 to 20° degress Celsius.

So totally different than the rest of this country. Waiting for our Sushi in the shadows of our sun screen.

Coffee, Coffee, Coffee

I like good coffee. No instant or filter coffee, only the real good stuff from Italian coffee machines, for example.

Who wants something bizarre visits “Café Anton”. The café can be found in the “Schweizer Haus” (Swiss house) which has a beautiful terrace with a view overlooking the lighthouse. Bizarre is the style of it: it’s completely decorated in the style of the German 1970s. Furthermore, you can order a “Schwarzwälderkirschtorte” (Black Forest gâteau) or a ”Frankfurter Kranz“ (ring-shaped, layered cake with cream filling) to your coffee. For someone like me, for whom Namibia is bush and wilderness, this appears to be quite confusing. That’s Swakopmund.

Colorful, typical African, full of the joys of life and marvelous uncomplicated, and with it huge breakfast sandwiches, that’s what the “Village Café” stands for. The colorful inner courtyard with its old VW Bulli is a great place to veg out. A must-visit place.

The smell of freshly roasted and grinded coffee comes from the “Slowtown”. You could find this café in a hotspot in Hamburg, Vienna or Berlin with its new and modern interior. It’s comfy and bright, with home brewed and grinded coffee which is joined by incredible cakes (I only know one café in Germany which makes better ones). Again, you can see the lighthouse from the terrace. I really love this place. From all the cafes we visited, this one’s my favorite one.

Incredible coffee experience in house or freshly roasted coffee and muffin to go? “Slowtown” has it all – with the best quality

And what else – why Swakopmund again?

What makes a place a spot you want to visit again? The huge numbers of shops? All the shops with safari equipment, books (among others the oldest one of Namibia from 1910) and souvenirs? The achitectural design? The unique location? What is it?

For me, a special place is a spot where people live I want to meet again. For Swakopmund, this is an artist we’ver met in 2015. He’s a builder and a creative jewelry artist. He surfs the Atlantic waves for over 30 years and lives on a farm in the desert. His name is Karsten and he owns a little jewelry shop calles “Smallworld” at the Ankerplatz.

Probably the most beautiful jewelry of the planet – right in “Smallworld”

That’s where he sells lavishly designed necklaces, bracelets and more little works of art. The material he uses are semi-precious stones which come, for example, from the Namibian desert or from the Brandberg massif. Every piece is an unicum and I’m overwhelmed by his work. I’m already wearing three of his bracelets and I would have more, if I could afford it…

Yes, that’s my hand in the sunset…

We had the honor of being invited several times to his place. Outside Swakopmund he has his little creative paradise right in the middle of nowhere. A farm with flat roofs and terraces, designed with all his heart and incomparable to anything I’ve seen before. It’s a pleasure just sitting there, enjoying a good cup of coffee or having a barbecue while experiencing the sunset. The last light if the day paints the desert in a honey color while it becomes more red with every minute, and the shadows grow longer and darker.

Karsten’s new terrace, with overlook of the halfpipe. Marvelous!

Two years ago, several skater pros from Germany, the US and Canada stayed there with us. Why? Because Karsten had built a halfpipe for his sun right between some rocks. A halfpipe in the African desert – something you must have seen, especially as a pro.

Karsten has some plans for his farm. He wants to add some crash pads and a café in the next two years. I really hope, he follows his plan. I couldn’t imagine any place better for my future stays.

Catperson 😉