ZWISCHEN RAUBKATZEN UND NASHÖRNERN

Sebastian Hilpert mit Geparden in Namibia - Würzburger Stadtmagazin LIEBE NACHBARN
Zwischen Raubkatzen…

Erdmännchen die sich in meiner Achillessehne verbeißen, Geparden die mir mit ihrer rauen Zunge den Kopf putzen, übelriechende Afrikanische Wildhunde die mich in Stücke reißen wollen, rotzfreche Paviane die einem in die Unterhose greifen, ein schnarchendes ultraseltenes Pangolin, niedliche Karakale und verwaiste Breitmaulnashörner die ich mit der Flasche aufziehe, eine respekteinflößende Leopardin die sich von mir unter dem Kinn kraulen lässt, Löwen, Nilpferde und Spitzmaulnashörner denen ich zu Fuß begegne, unterschiedlichste Menschen aus aller Welt die ich auf den verschiedensten Abenteuern im Busch des südlichen Afrika kennenlerne. All das sind nur ein paar Beispiele, die ich erlebt habe und über die ich in meinem ersten Buch schreibe.

Vor ein paar Jahren hätte ich niemals gedacht, dass ich solche Erfahrungen sammeln würde. Echte Abenteuer, Afrika selbst erleben und dann auch noch in solch intensiver Art, nein das hätte ich nicht für möglich gehalten. Bevor ich meinen ersten Aufenthalt in Namibia plante, dachte ich Träume verwirklichen, das ist nur etwas für andere. Davon war ich wirklich überzeugt.

Doch es kam anders, es musste anders kommen, denn durch dieses angepasste, meinem Wesen nicht entsprechende, Leben hatte ich mich schon so weit von mir selbst entfernt, dass ich mitten in einer Depression steckte. Aus der ich mich jedoch in dem kommenden Jahr heraus kämpfen sollte.

JETZT ins Abenteuer – vielleicht kommt man später nicht mehr dazu…

Dabei hätte es doch alles weiterhin so bequem sein können. Nach 12 Jahren als Soldat hätte ich mich entscheiden können Berufssoldat zu werden. Es gab auch die Möglichkeit direkt in den öffentlichen Dienst zu wechseln. Um dort in einem Amt oder einer Behörde am Schreibtisch zu sitzen, um auf die vermeintliche Rente zu warten. Oder die Dritte – scheinbar vernünftige Variante – wäre die gewesen mich einfach mit meinem Diplom zum Wirtschaftsinformatiker gleich in die freie Marktwirtschaft zu werfen. Damit würde ich wohl mit Abstand am meisten Geld verdienen. Doch stattdessen ging ich erst ins südliche Afrika. Immer und immer wieder und zwar auf eigene Kosten. Insgesamt sieben mal bereiste ich Namibia und Südafrika innerhalb von nur dreieinhalb Jahren. Arbeitete schwitzend unter der brennenden afrikanischen Sonne monatelang als Volontär auf Wildtierauffangstationen. Erkundete die staubige Kalahari als Fotograf und ging am Ende als Wildhüter auf blutige Patrouillen in einem privaten Wildtierschutzgebiet.

Sebastian Hilpert mit einem Spitzmaulnashorn in Namibia - Würzburger Stadtmagazin LIEBE NACHBARN
… und Nashörnern

„ONLY FOOD RUNS“

Ich werde immer wieder nach der gefährlichsten Situation gefragt, in der ich war. Schwer zu sagen, es gibt ja viele unsichtbare Gefahren denen man sich evtl. in dem Moment gar nicht bewusst war. Verborgene giftige Schlangen, Spinnen, ein Raubtier das man im Busch evtl. gar nicht bemerkt hat während man ein paar Meter entfernt an ihm vorbei lief. So etwas eben. Ich könnte jetzt nicht sagen welche lebensbedrohliche Situation, die ich in meinem Buch beschreibe, jetzt die gefährlichste davon war.

Was mir in allen Erlebnissen Sicherheit gegeben hat waren die verschiedenen Verhaltensregeln, die ich über die Zeit gelernt habe. So zum Beispiel: „Only Food runs“ – Die mit Abstand wichtigste Regel im Umgang mit Raubtieren. Wer wegrennt zeigt seine Schwäche, seine Unterlegenheit. Außerdem weckt er automatisch den Instinkt beim Räuber die fliehende Beute zu jagen. Davonkommen schafft man sowieso nicht. Deshalb gilt, wenn du einem Raubtier begegnest, wie einem über 200 kg schweren Löwen, kannst du viel machen: z.B. beten, laute, der Großkatze fremde Geräusche erzeugen, dein Gewehr (falls du eins hast) in Anschlag nehmen und hoffen, dass du es nicht brauchst, dir vor Angst in die Hose machen, was auch immer, aber eines tue niemals! Wegrennen – Denn nur Beute rennt! Und da kannst du nur verlieren. Usain Bolt, der schnellste Mensch der Welt, schafft vierundvierzig Stundenkilometer, ein Löwe über achtzig.

Und die schwere Raubkatze ist noch nicht mal das schnellste, sondern nur das größte Raubtier Afrikas. Bei anstürmenden Spitzmaulnashörnern oder Nilpferden gelten jedoch andere Regeln…

Aber nicht nur um das eigene Überleben im afrikanischen Busch geht es in meinem Buch mit dem Titel: „ÜBERLEBEN“, sondern wie bereits angedeutet auch um das Überdenken, Überwinden und Überleben falscher Lebenswege. Am meisten jedoch um das Überleben der afrikanischen Wildtiere, deren Lebensraum immer geringer wird. Viele stehen kurz vor dem Aussterben wie zum Beispiel das Nashorn, das Pangolin oder der Afrikanische Wildhund. Andere wie der Gepard, der Leopard oder das Nilpferd sind auf dem direkten Weg dorthin.

Sebastian Hilpert mit Wildhüter Louis in Namibia - Würzburger Stadtmagazin LIEBE NACHBARN
Zum Schutz der Nashörner – Auf Busch-Patrouille in Namibia.

RHINO-WAR

Ich setzte mich immer wieder den verschiedensten Gefahren aus. Wieso? Die Antworten sind vielfältig. Weil ich etwas Sinnvolles, etwas Lebendiges tun wollte. Ich diese berauschenden Landschaften und ihre einmaligen tierischen Bewohner fotografisch festhalten wollte und weil ich die Hintergründe im Konflikt zwischen Wildtier und Mensch, sowie der Wilderei selbst erkennen wollte. Darüber echtes, ungefiltertes Wissen erlangen wollte! Einen Beitrag zum Schutz dieser, mich so faszinierenden, Geschöpfe leisten wollte! Weil ich nicht tatenlos beim Aussterben der letzten Nashörner auf unserem Planeten zusehen wollte und auch zukünftig nicht möchte.

Denn in Afrika herrscht Krieg. Ein von uns in Europa wenig beachteter Krieg. Ein Krieg um die letzten Nashörner. Und dieser hat einen eigenen Namen: „Rhino-War“. Es ist ein recht ungleicher Kampf. Auf der einen Seite steht das wohl organisierte skrupellose internationale Verbrechen, auf der anderen Seite die so gut wie wehrlosen Nashörner. Dazwischen eine dünne Linie unterbezahlter staatlicher Wildhüter und Soldaten, sowie nicht staatliche Antiwilderer-Organisationen und Besitzer privater Wildtierschutzgebiete mit ihren Angestellten. Erschwert wird der Kampf gegen die Wilderer häufig durch korrupte Regierungen und Behörden, die mitverdienen, z.B. in Südafrika.

Wie dramatisch das Sterben der Nashörner ist lässt sich einfach in Zahlen darstellen. Nehmen wir z.B. das Spitzmaulnashorn. Das kleinere, aggressivere der beiden noch existierenden afrikanischen Nashornarten, welches auf dem Cover meines Buches zu sehen ist. Um 1900 gab es auf dem ganzen Kontinent noch in etwa 850.000 Stück dieser Art. In den 1960 Jahren ging der Bestand auf 80.000 Stück stark zurück. Heute sind es nur noch 5000 in ganz Afrika! Innerhalb eines Jahrhunderts hat der Mensch es durch unkontrollierte Jagd und jetzt vor allem durch Wilderei bis kurz vor die Ausrottung getrieben!

DER GRUND

Aber was ist der Grund für diesen ganzen Wahnsinn? Geld. Der Preis auf dem Schwarzmarkt für ein Kilo Horn liegt bei rund fünfundfünfzigtausend US-Dollar aufwärts. Er ist höher als der von Gold oder Kokain, Horn zählt zu den teuersten Elementen auf dieser Welt. Rebellen- und Terrororganisationen finanzieren sich sogar mit den Hörnern der Tiere. Sie stehen somit auf der gleichen Stufe wie die sogenannten Blutdiamanten. Aber wer will überhaupt diesen »Rohstoff«?

Breitmaulnashorn in Namibia - Sebastain Hilpert - Nashörner
Trotz tonnenschweren Gewichts schutzbedürftig – das Nashorn

Wer zahlt Unmengen an Geld für etwas, das einem Tier aus dem Gesicht gehackt wurde, um es im Anschluss verbluten zu lassen? Wenn es nicht schon vorher tot war, durchsiebt von großkalibrigen Gewehren, ausgestattet mit Schalldämpfern.

Die Käufer sitzen in ostasiatischen Ländern, allen voran China und Vietnam. Hier wird durch eine fehlgeleitete traditionelle Medizin dem Horn des Tieres eine heilende Wirkung zugeschrieben. In Vietnam wird sogar behauptet, es heile Krebs. Die Regierungen dieser Länder haben offensichtlich kein Interesse daran, ihre Bevölkerung darüber aufzuklären, dass mit dem Kauf der Produkte eine ganze Tierart ausgerottet wird. Die angebliche Heilwirkung hat keinerlei wissenschaftliche Grundlage, denn eines steht fest: Das Horn besteht ausschließlich aus Keratin – dem gleichen Material wie menschliche Fingernägel. Aber der Irrglaube über die nicht vorhandene Heilwirkung ist nicht der einzige Grund für den Preis. Längst ist Elfenbein ein Statussymbol der reichen Chinesen und Vietnamesen geworden. Noch exklusiver ist natürlich das weitaus seltenere und teurere Horn eines Rhinos, um Freunde und Geschäftspartner zu beeindrucken.

WIESO?

Umso seltener, umso teurer, umso teurer, umso besser – so einfach ist die Rechnung dieses Wahnsinns. Traurig aber die Wahrheit, es ist wichtig nicht wegzusehen und darauf aufmerksam zu machen. Andernfalls ist es bald zu spät.

Meine Erfahrungen und mein Wissen möchte ich nutzen, um weiterhin auf den Konflikt zwischen Wildtier und Menschen hinzuweisen. Freie Nashörner in ihrer natürlichen Umgebung zu fotografieren ist etwas so faszinierend Schönes und fasziniert immer aufs neue! Umso mehr wünsche ich mir, dass dies auch noch den nächsten Generationen vergönnt bleibt. Aus diesem Grund möchte ich zum Schutz der Nashörner so viel beitragen, wie es mir nur irgendwie möglich ist. Aber dafür brauche ich Unterstützung, egal ob in Form von Organisationen, Firmen oder einzelnen ebenfalls begeisterten Menschen.

Artikel des hervorragenden Würzburger Stadtmagazin „LIEBE NACHBARNHerbst/Winter-Ausgabe.

DAS! Zu Gast auf dem Roten Sofa „in Namibia“

Ein Stück Namibia in Hamburg

Hey, kennt ihr schon die Sendung als ich Live im NDR „in Namibia“ saß und von Bettina Tietjen interviewt wurde? Einer der angenehmsten TV Auftritte für mich. Klar war ich davor sehr nervös, immerhin war es wieder Live und die Sendung DAS! läuft im Vorabendprogramm! Das bedeute, wenn ich mich verspreche oder ein Black-out habe, sehen das hunderttausende Zuschauer sofort…  Die Nervosität verschwand aber sobald die Sendung live ging. Wie auch bei den vorherigen TV oder Radio Auftritten legt sich bei mir wie ein Schalter um. Die auf mich gerichtete Kameras nehme ich nach den ersten beiden Sätzen überhaupt nicht mehr war. Wieso? Na, ich denke, wenn man über etwas berichten / erzählen kann in dem man Sattelfest ist und für das man brennt – Dann läuft es von ganz allein.

Die Sendung bleibt mir auch deshalb in so angenehmer Erinnerung, weil ich ausgesprochen zuvorkommend und freundlich durch die NDR Mitarbeiter/innen bereut wurde, ich mich über die aufgebaute Namibia-Kulisse gefreut habe und auch weil die eingespielten Beiträge hervorragend auf das Thema abgestimmt waren. Ich freue mich schon auf das nächste Mal! Und jetzt – VIEL SPASS BEIM ANSEHEN

TV-INTERVIEW „TALK AM SONNTAG“

Sehr interessant! Nach dem ich bereits beim BR Live in der Sendung „Wir in Bayern“ zu Gast war, durfte ich jetzt mein zweites TV Interview geben. Bei der Sendung „SO GESEHEN – TALK AM SONNTAG“ hatte ich das Glück zwanzig Minuten über Artenschutz, Wilderei, Wildtierauffangstationen, mein Buch und vieles mehr sprechen zu können. Und das alles entspannt in einem gemütlichen Hamburger Café. Obwohl die die Themen teilweise ernst waren, gab es natürlich  auch etwas zu lachen.

Die Sendung wurde am 07.07.19 von SAT1 ausgestrahlt. Hier könnt ihr sie nochmal in voller Länge sehen. Viel Spaß dabei!

 

„ÜBERLEBEN“ DAS BUCH

ES IST SOWEIT! MEIN BUCH IST DA!!!

Ich platze vor Aufregung und Freude! Nach knapp eineinhalb Jahren intensiver Arbeit ist jetzt mein erstes Buch veröffentlicht worden! Wie ihr oben im Video seht fehlen mir etwas die Worte! Die Gefühle spielen einfach verrückt…

All meine abenteuerlichen Erlebnisse und Erfahrungen in Namibia und Südafrika sind in dieses mir unglaublich wichtige Herzensprojekt geflossen. Ich freu mich so sehr das jetzt endlich alles mit euch teilen zu können! Intensiv gefühltes Afrika, außergewöhnliche Wildtier Begegnungen, Hintergründe zu Safari, Volontärs Arbeit, Jagd und Wilderei. Schlicht, über das dortige Leben und Überleben. So nah, ehrlich und persönlich geschrieben wie es mir möglich war. Dazu viele eindrucksvolle Fotos und weiteres Bonusmaterial! Schaut einfach mal rein! Das Buch ist in allen Buchhandlungen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz zu haben. Ansonsten ist es natürlich auch online bestellbar.

Link zur Online Bestellung: ÜBERLEBEN

DIE OFFIZIELLE BUCHBESCHREIBUNG:

„Tief im südlichen Afrika, inmitten berauschender Landschaften, wo Geparden ihm den Kopf putzen, Erdmännchen sich in seiner Achillessehne verbeißen und er einem Spitzmaulnashorn zu Fuß begegnet, erlebt Sebastian Hilpert Abenteuer, die er sich nie hätte vorstellen können. Zwölf Jahre war er Soldat und hatte sich am Ende so weit von sich selbst entfernt, dass er in eine Depression stürzte. Der Weg der seelischen Heilung führt ihn zu verwaisten Raubkatzen in der Kalahari und weiter auf eine Nashorn-Auffangstation in Südafrika, wo der Rhino War, der Krieg um die letzten Nashörner, erbarmungslos wütet. Als Volontär kümmert er sich um verwaiste und verletzte Tiere, zieht Karakale und Nashörner mit der Flasche auf und lernt die Härte der Natur wie auch die Skrupellosigkeit der Wilderer aus erster Hand kennen. Später reist er als Fotograf durch die beeindruckende Weite Namibias und arbeitet als Wildhüter in einem Wildtierreservat.
Ein Buch voller Engagement und Abenteuer in nahezu unberührter Natur und zugleich eine Geschichte des inneren Wachstums, die uns an die Verantwortung erinnert, die wir tragen: gegenüber den Lebewesen dieser Erde und uns selbst.“

Mein Rückblick auf 2017

Wildhüter Sebastian Hilpert mit Beagle Welpen Stouter Kabouter in Namibia

Ein ereignisreiches und erkenntnisreiches Jahr liegt hinter mir.

Nachdem meine Militärdienstzeit nach 12 Jahren zu Ende ging hieß es für mich gleich Anfang Januar „zurück nach Afrika“. Erst in den Südafrikanischen Busch auf eine Nashorn-Auffangstation um dort als Volontär die Auswirkungen des „Rhinowar“ hautnah zu erleben. Gleich im Anschluss weiter um den Rest des Februars und den März auf der Wildtierauffangstation in der namibischen Kalahari zu verbringen wo vor fast drei Jahren meine Afrika-Leidenschaft begonnen hat. Nach nur einem Monat Pause und reparieren meiner Kamera in Deutschland ging es im April/Mai wieder nach Namibia, diesmal selbstständig als Fotograf auf Safari. Höhepunkt des Jahres war dann im August und September meine insgesamt fünfte Namibia-Reise. Zu Gast bei namibischen Freunden, wo ich die Möglichkeit hatte sie bei der täglichen Arbeit auf einem riesigen privaten Wildtierreservat zu begleiten. Wildtiermanagement und Antiwilderer Patrouillen waren hier der klare und blutige Schwerpunkt.

So viele neue Erlebnisse, Eindrücke und interessante Menschen durfte ich dieses Jahr kennenlernen. Tausende von Bildern aufnehmen. Doch, 2017 war ein tolles Jahr, wenn auch nicht immer alles super positiv oder leicht zu verdauen war, aber alle Erkenntnisse waren und sind wichtig.
Danke an alle die mich dieses Jahr in welcher Form auch immer unterstützt haben! Ich wünsche euch ein tolles und erfolgreiches Jahr 2018!!!

Ps. Der kleine Beagle Welpe den ich auf dem Foto im Arm habe gehört meinen namibischen Freunden und war im August/September mein ständiger Begleiter.

Der Ameisenbärendrache

Pangolin auf Erindi
Der Schwanz des „Ameisenbärendrachens“

Die Sonne steht weit im Westen und bereits so tief, dass mir die Krempe meines Hutes kaum mehr Schutz bietet. Es ist windig, die Vegetation ist dicht für die Jahreszeit und wir suchen die Nadel im Heuhaufen.

700 km² also 70 000 Hektar ist das private Wildtierschutzgebiet „Erindi“ groß. Da kann man schon mal an einer ganzen Elefanten Herde in 100 Meter Entfernung vorbeifahren und diese nicht bemerken.Das Tier das wir jedoch suchen ist gerade mal 40 – 80 cm lang und gut getarnt. Unsere einzige Chance ist es mit Hilfe eines kleinen Peilsenders zu finden den es bei sich trägt. Aber dieser hat nur eine geringe Reichweite und selbst wenn wir ein Signal finden würden heißt das lange noch nicht das wir auch das Tier finden.

Aber von welchem Tier schreibe ich hier überhaupt? Es ist eines der seltensten Säugetiere das man im südlichen Afrika suchen kann. Eines der unerforschtesten, eines der gefährdetsten, eines der faszinierendsten und skurrilsten.
Wenn ich es kurz beschreiben sollte würde ich sagen es ist ein Mischung aus Ameisenbär und einem kleinen Drachen – ein Ameisenbärendrache, ja das wäre meine Beschreibung.

Der englische Name, der mir auch gut gefällt ist „Pangolin“, der deutsche Name ist mehr eine Bezeichnung, eine unpersönlich klingender Name „Schuppentier“. Nicht zu verwechseln mit dem Gürteltier. Aber wie gesagt der Ameisenbärendrache verdient einen wohlklingenden Namen und deshalb werde ich den englischen verwenden – Pangolin.

Und dieses Pangolin suchen wir. Gerade mal zu Dritt in dem großen olivenen Land Rover der mich mit seinen Fahreigenschaften an den ein oder anderen Radpanzer meiner Militärzeit erinnert.

Der Guide Warren, Lisa und ich. Warren ist der Pangolin Spezialist auf Erindi. Keiner hat hier soviel Pangolins gesichtet wie er. Es gibt ein regelrechtes Ranking unter den Guides wer wie viele Pangolins in seinem Leben gesehen hat oder ob er überhaupt mal eins gesehen hat.

Wir fahren am späten Nachmittag los da Pangolins nacht- dämmerungsaktiv sind. Wir fahren erst mehr als eine halbe Stunde durch Buschland auf den höchsten noch zu befahrenden Berg – den „Officehill“. Der Ausblick ist atemberaubend. Buschland bis an den Horizont gelegentlich durchbrochen von kleinen Hügelketten oder massiven Bergen in weiter Ferne. Warren steigt aus, baut die Antenne für den Peilsender zusammen und klettert noch etwas höher.

Erindi Officehill
Auf dem „Officehill“

Bis er zurückkommt nutze ich die Zeit um ein paar Bilder zu machen. Als er dann zurückkommt schüttelt er mit dem Kopf. Kein Signal. Wir müssen es anderswo probieren. Er verrät uns, dass die letzten drei Versuche das Pangolin zu finden leider erfolglos waren. Wir versuchen es natürlich weiter. Wir fahren den abenteuerlichen „Officehill“ wieder herunter um nach 20 Minuten Fahrt auf einer anderen Felsformation es erneut zu probieren.

Diesmal fängt er ein schwaches Signal in westlicher Richtung ein. Zwar schwach aber ein Signal!

Leider heißt das nicht automatisch, dass wir es auch finden. Es könnte sich z.B. in völlig unwegsamen und unerreichbarem Gebiet aufhalten, sich in eine Höhle unter der Erde zurückgezogen haben oder der Sender ist an ein Raubtier verloren gegangen das versucht hat das Pangolin zu knacken.

Raubkatzen wie z.B. Löwen oder Leoparden, Wildhunde und Greifvögel haben keine Chance die Rüstung aus sich überlappenden Panzerschuppen zu brechen wenn es sich eingerollt hat. Nur die Hyänen, die die stärkste Beißkraft in der ganzen Tierwelt besitzen, könnten es schaffen.

Aber von was ernährt sich eigentlich so ein Pangolin? Ameisen, sehr viele Ameisen! Pro Streifzug in der Nacht fängt es mit seiner 30 – 60 cm langen Zunge ca. 300 000 Ameisen. Das entspricht einem Gesamtgewicht von etwa 1 kg Ameisen und das bei einem Eigengewicht von 8 – 35 kg.

Wir machen den nächsten Halt, erneute Signalprüfung. Da ist es, das stetige Piepen. Ein deutliches Signal Richtung Norden, doch dahin führt kein Buschpfad mehr. Also querfeldein durchs Buschland. Das Piepen wird lauter und die Abstände zwischen den Tönen geringer. Wir halten immer wieder an um die Richtung zu kontrollieren und noch ist die Sonne noch nicht untergegangen. Ich hoffe sehr, dass wir das Pangolin finden, wenn das im Tageslicht wäre wäre es umso perfekter da ich dann sogar noch ein paar Fotos machen könnte.

Warren der bisher immer sehr konzentriert wirkte hält erneut im Buschland an und steigt aus. Er läuft ein Stück und kommt nach zwei Minuten zurück. Grinsend von einem zum anderen Ohr. „Du hast ihn gefunden???“ frage ich aufgeregt. „Ja“ antwortet er noch immer grinsend. „Gleich da hinten liegt er unter einem kleinen Baum und schläft. Nicht in einer Höhle sondern im Freien.“ JA! Was für ein Glück! Wir steigen aus und laufen mit dem sich immer noch sichtlich freuenden Guide durch den Busch.

 

Panzerschuppen Pangolin
Pangolin, das kleine Gesicht (nicht sichtbar) am Boden unter den Panzerschuppen. So schläft es sich sicherer.

Und plötzlich vor uns liegt gut getarnt ein kleiner Fels, der keiner ist. Ein Fels der aus Panzerschuppen besteht. Das klitzekleine Gesicht zum Schutz am Boden und durch die Panzerschuppen des Oberkörpers versteckt. Es ist ein faszinierender Anblick und ich bin ganz aufgeregt.

Warren holt den Wagen etwas näher und verkündet über Funk stolz den anderen Guides dass wir das kleine Fabeltier gefunden haben. Ich mache derweil Nahaufnahmen von den wunderschönen Panzerschuppen als ich plötzlich etwas höre. Ein leises doch tiefes atmen mit gelegentlich zufriedenen Seufzern. Das erinnert mich sofort an unseren Kater Zuhause! So hört sich Peter unser Kater an wenn er tief schläft und träumt. Ich frage Lisa und Warren ob sie das auch hören. Der Guide kommt näher, so das wir beide nur noch zwanzig Zentimeter mit unseren Ohren von ihm entfernt sind. „Ja unglaublich“ sagt Warren, „Er schnarcht, das habe ich noch nie zuvor gehört!“

Wie genial ist das denn?! Ich bin sofort verliebt in den Armeisenbärendrache der Geräusche wie mein Kater macht.

 

Sebastian Hilpert mit dem schnarchende Pangolin
Der kleine schnarchende Pangolin und ich – sein neuer und begeisteter Fan!

Mittlerweile hat es sich unter den Guides herumgesprochen und sie versuchen ihre Gäste zu überzeugen, dass sie dieses faszinierende Tier einer Suche nach einem Elefanten oder Löwen vorziehen sollten. Aber offensichtlich können viele mit einem Pangolin nichts anfangen und einfach zu finden sind wir mitten im Busch abseits der Wege auch nicht. Leider ist es so, dass der Duchschnitts-Safarigast denkt eine Safari besteht daraus möglichst viele der „Big Five“ zu sehen und wenn ein Tier nicht besonderes laut oder groß ist ist es nichts Besonderes. Sie wollen lieber Elefanten oder Löwen sehen und das am besten innerhalb eines Tages. Arme Guides, ich würde bei soviel Ignoranz und unbelehrbarer Dummheit völlig eskalieren.

Aber wie außergewöhnlich ist es denn ein Pangolin in der Wildnis zu sehen? Warren, seit 9 Jahren Guide auf Erindi, hat darauf eine deutliche Antwort:

„Von einer Millionen Touristen die den Krüger Nationalpark besuchen sieht ein einziger davon (evtl.) ein Pangolin.“

Pangolin liegt flach auf dem Boden
300.000 Ameisen täglich… faszinierend.

Grund für ihre Seltenheit ist auch bei diesem Tier mal wieder der Mensch. Die Preise sind extrem hoch, der illegale Handel mit Pangolins oder Teilen von ihnen wird sogar noch höher bestraft als der mit dem Horn des Nashorns.
Hauptabnehmer mit über 90 % auf dem Schwarzmarkt ist wieder China.

Ich habe ein extrem schwieriges Verhältnis zu China. Das hängt zum einen mit meinen Erfahrungen auf der Nashornauffangstation in Südafrika zusammen (LINK zum Beitrag) zum anderen mit diversen negativen Begegnungen mit Chinesen. Das führt dazu, dass ich mittlerweile eine massive Ablehnung gegenüber der chinesischen Kultur habe die mir persönlich als die respektloseste gegenüber der Natur und den Tieren auf dieser Welt erscheint.

Der kleine Ameisenschreck ist mittlerweile aufgewacht und rollt sich nun ein. Für drei Sekunden kann ich sein kleines spitzes Gesicht mit den Knopfaugen sehen.

Die Sonne verschwindet hinter dem Horizont und wir beschließen wieder zu fahren, dann kann der Pangolin in Ruhe auf seinen nächtlichen Streifzug gehen.

Als wir den Land Rover wieder besteigen hat sich der Wind gelegt und ich habe meine Lieblingstiere, die aus verschiedenen Katzenarten bestehen, nun um eine Nicht-Katzenart erweitert. Naja immerhin hört es sich wie eine Katze an, wenn es schläft.