Unfreiwillig in Johannesburg – TEIL I

Dieser Blogeintrag ist Bonusmaterial zu meinem Buch >ÜBERLEBEN<

Denn diese spannende und auch etwas lustige Geschichte hat ganz einfach nicht mehr ins Buch gepasst. Aber zum Glück doch noch seinen Weg auf meinen Blog gefunden.

Erster Teil meiner Bonus-Stroy „Unfreiwillig in Johannesburg“.

Viel Spaß beim Lesen!

Care for Wild - Rhino Sanctuary
Gerade eben noch auf der Rhino Sanctuary abseits der Zivilisation. (Foto: Tom Bickles, Februar 2017)

Orientierung: Gerade eben habe ich die Nashorn-Auffangstation im tiefen südafrikanischen Busch verlassen. Die viele körperliche Arbeit brennt noch in meinen Muskeln. Der „Rhino-War“ und hundert andere Eindrücke drehen sich in meinem Kopf, als ich mich auf den Weg nach Johannesburg mache. Von dort aus soll es weiter gehen ins Nachbarland Namibia, genauer gesagt nach Windhoek. Von der namibischen Hauptstadt werde ich dann weiterreisen auf die Auffangstation in der Kalahari, zurück zu den Raubkatzen und Wildhunden. Soweit der Plan.

Landung in der berüchtigten Stadt Johannesburg. Der Flug, mit dem ich ankomme, wäre fast wegen Unwetter abgesagt worden aber wir hatten Glück und die Maschine konnte abheben bevor das Gewitter den kleinen Flughafen erreichte.

„Joburg“ wie ihr Spitzname lautet, ist nicht wirklich eine Stadt, die mich reizt, aber sie ist nun mal ein Knotenpunkt für den Flugverkehr im südlichen Afrika. Die Stadt galt einige Jahre als gefährlichste Stadt der Welt, zusammen mit den hier erfahrenen Erlebnissen die mir ein paar Leute von der Nashorn-Auffangstation im Vorfeld erzählt haben wirkt die Stadt nicht gerade einladend und alles andere als sicher. Beim Hinflug hatte ich gerade mal vierzig Minuten Zeit zum „umsteigen“ in meine nächste Maschine Richtung Nashorn-Auffangstation und auch jetzt bin ich froh, dass ich hier nur ein paar Stunden Aufenthalt am Flughafen habe bevor es um halb acht abends weiter nach Namibia geht.

Okay Sebastian jetzt bist du nicht mehr im tiefen Busch, sondern in der Zivilisation, sage ich zu mir selbst und beobachte die mir fremd gewordenen hektischen Menschenmassen. Ich schaue auf die Uhr, fast vier Stunden noch bis zum Abflug, mehr als genug Zeit um die paar Kleinigkeiten, die ich mir auf einer Liste zusammen geschrieben habe zu besorgen. Unter anderem brauche ich ein neues Tagebuch, Sonnencreme, eins zwei Souvenirs und eine neue Kappe wäre auch gut. Meine alte ist durch Schweiß, Dreck und die starke Sonne ziemlich „fucked up“.

Vertraute Laute in Johannesburg

Während ich den Schildern folge höre ich es plötzlich wieder, vertraut und doch fremd – die deutsche Sprache. Tatsächlich kleine Touristengruppen in karierten Kurzarmhemden, mit unter den Arm geklemmten Jack-Wolfskin Jacken und schlecht gelaunten Gesichtern überholen mich. Ja das sind sie, die Deutschen, denke ich und vergesse kurz das ich selbst einer bin. Nur die weißen Tennissocken in Sandalen sehe ich zum Glück nicht, hat sich wohl endlich nach ein paar Jahrzehnten überall herumgesprochen wie bescheuert das aussieht. Ich fühle mich fast wie ein Naturforscher, der eine äußerst interessante Spezies beobachtet, meine eigene.

Breitmaulnashorn Bulle by Sebastian Hilpert
Die Spezies mit der ich in den Wochen vor Johannesburg am meisten zu tun hatte.

Den weitläufigen Flughafen erkundend, bleibe ich immer dann lauschend stehen, wenn ich eine Touristengruppe deutsch sprechen höre. Denn ich freu mich nach den vielen Wochen, in denen ich mich auf Englisch austauschen konnte jetzt wieder meine vertraute Sprache zu hören. Doch was ich höre schockt mich, mehr als achtzig Prozent der Gespräche und Äußerungen sind negativ. Sie alle sind mit ihren sauberen Klamotten auf dem Weg in den Urlaub oder kommen gerade aus diesem und haben nichts Besseres zu tun als sich am laufenden Band über Lächerlichkeiten zu beschweren. Sie meckern über die Kaffeepreise der Restaurants, sie sind unzufrieden darüber, dass niemand vom Flughafenpersonal deutsch spricht (Hallo wir sind hier in Südafrika und nicht auf Sylt!) und sie wirken fast alle enorm gehetzt, sind aber gleichzeitig genervt davon, dass sie „noch solange“ auf ihren Flug warten müssen.

Ich selbst stehe mit meiner oliv und khakifarbigen Kleidung, aus der der Dreck der letzten Wochen nur notdürftig gewaschen ist, daneben und staune. Der Großteil meiner Landsleute fliegt offensichtlich nur in den Urlaub, um zur Abwechslung auch mal außerhalb von Deutschland schlechte Laune zu haben. Ich bin wirklich entsetzt. Natürlich gibt es auch Ausnahmen aber die meisten der vierzig bis siebzig Jährigen sind hier von Grund auf negativ. Und aus dieser Altersklasse kommen mit Abstand die meisten der deutschsprachigen Touristen, die mir hier begegnen. Bin ich auch so? War ich mal so? Grundsätzliche Negativität trotz Luxus? Uns geht es im Vergleich zu den allermeisten Ländern doch verdammt gut. Wir sind ein demokratischer Rechtsstaat, haben immer fließend Wasser, Strom und eine funktionierende Infrastruktur. Wir haben sogar ein Sozialsystem und ein Gesundheitssystem. Auch wenn diese beiden Systeme sicherlich ausbaufähig sind, wir haben sie und das ist keine Selbstverständlichkeit. Milliarden Menschen in anderen Ländern können von unseren Sicherheiten und Freiheiten nur träumen. Doch statt das zu schätzen meckern wir lieber, suchen nach dem Haar in der Suppe und haben scheinbar Angst vor jeder Art von Veränderung.

So etwas passiert nur anderen

Mich beschäftigt das auffallend negative Verhalten der deutschen Touristen so sehr, dass ich fast die Zeit vergesse. Kontrolle, die Uhr sagt mir, dass ich noch dreißig Minuten bis zum Boarding habe, genug Zeit, um nach einer neuen Kappe in dem Outdoorshop zu sehen. Aus den Lautsprechern krächzen immer wieder mal halb verständliche Durchsagen, meist Personenaufrufe die Gefahr laufen ihre Flieger in Kürze zu verpassen. Ich frag mich wer so knapp anreist, dass er wirklich Gefahr läuft seinen Flug zu verpassen. Klar kann immer wieder mal etwas dazwischenkommen, aber das muss man eben mit genug Puffer einkalkulieren. Flug verpassen, nein so etwas wird mir mal nicht passieren.

Ich finde und bezahle eine grüne unkomplizierte Kappe. Nach etwas Smalltalk mit der Verkäuferin will ich gerade wieder mein Flugticket einstecken, welches man zum Zahlen vorzeigen muss als ich nochmals auf die Abflugzeit schaue. Die jetzt ist! Ströme von Hitze und Kälte durchfahren mich wellenartig von einer auf die andere Sekunde. Ich stürme so schnell ich kann in Richtung meines Flugsteiges. Weiche erschrockenen Menschengruppen aus und bleibe an eins zwei unvorsichtigen Personen hängen. Verdammt war ich wirklich so sehr abgelenkt, dass ich ausversehen die Abflugzeit mit Boardingzeit verwechselt habe?! Ja war ich verflucht nochmal! Ich haste die Treppen hinunter zu meinem Flugsteig, aber ich kann bereits sehen, dass er geschlossen ist, kein Mensch steht mehr dort.

In Südafrika, zurück nach Südafrika…

Was mach ich jetzt? Ich steuere die erste Flughafenmitarbeiterin an die ich finden kann. Sie erklärt mir, dass ich zur Information Station muss, evtl. gibt es ja heute einen weiteren Flug nach Windhoek auf dem noch ein Platz frei ist. Okay, das mach ich, denke ich mit stark erhöhtem Puls und ärgere mich unendlich über mich selbst. Verschwitzt und gestresst erreiche ich die Information. Der Mitarbeiter teilt mir mit, dass heute kein weiterer Flug nach Namibia geht, ich habe den letzten des Tages verpasst. Fuck! FUCK!! FUUUCK!!! „Sie müssen bei der Airline einen neuen Flug für Morgen buchen, heute geht definitiv nichts mehr.“ sagt er freundlich. Heute geht nichts mehr, ich versuche das zu verarbeiten, das bedeutet ich muss in Johannesburg übernachten! Aber wo? „Doch zuerst müssen sie wieder in Südafrika einreisen.“ ergänzt er noch. „Ich muss was?“ frage ich völlig verwirrt. Ich befinde mich doch noch in Südafrika. „Laut Reisepass sind sie bereits ausgereist und befinden sich in Richtung Namibia. Sie müssen jetzt erst mal wieder rückwärts durch alle Kontrollen bis zur Passkontrolle und sich dort eine Verlängerung von mindestens einem Tag geben lassen.“

Sebastian Hilpert pflegt Gepard in Namibia
Ziel meines verpassten Fluges – die Auffangstation in Namibia auf der ich bereits 2015 arbeitete.

Als passenden Soundtrack für meine folgende einstündige abendliche Hetzjagd durch den Flughafen von „Joburg“ würde ich wohl etwas von KORN wählen. Laut, hektisch aggressiv, ja das würde passen.

Mit rotem Gesicht und schwitzend haste ich durch die Gänge des Flughafens und frage mich im kurzen Kommandoton kommunizierend von einer Stelle zur nächsten. Währenddessen telefoniere ich mit Lisa (meine damalige Partnerin), die mein unerwarteter Anruf in der heißen Badewanne im eiskalten Deutschland überraschte. Sie wiederum kontaktiert meinen Reiseagenten, Herrn Grün. Einer der wohl am meist entspannten Menschen Mitteleuropas. Er erklärt mir in völlig ruhigen Ton, dass eine Sache in Johannesburg elementar ist. Das Gepäck! Ist es hier einmal weg taucht es auch nicht wieder auf. „Aber ist das nicht jetzt schon auf dem Weg nach Namibia?“ will ich von ihm wissen. „Nein, wenn sie nicht an Bord gegangen sind wird Ihr Gepäck wieder entladen. Finde sie ihr Gepäck als erstes, alles andere können wir danach regeln. Ich schaue mich schon mal für Sie nach verfügbaren Hotels in Johannesburg um.“ Gut, seine Ruhe ist so stark das sie ansteckend wirkt.

OFF LOADED

Mittlerweile bin ich auch wieder laut meines Reisepasses in Südafrika. Auf der Suche nach meinem Gepäck werde ich immer weiter in die Eingeweide des Flughafens gelotst. Andere Touristen sehe ich hier gar nicht mehr. Hin und wieder sitzen ein paar sehr entspannt wirkende Flughafen Mitarbeiter auf Plastikstühlen und sorgen dafür, dass ich mich nicht völlig verlaufe. Endlich komme ich in eine Halle in der sicherlich zwei bis dreihundert Gepäckstücke aufgereiht in zwei Linien liegen. „Alle von heute“ sagt ein an der Wand lehnender grinsender Mann mit Sicherheitsweste. Ich gehe die Gepäckreihen ab, doch mein olivfarbener skandinavischer Wanderrucksack ist nicht dabei. Der Sicherheitswesten-Typ sagt, dass ich es noch in einem Bereich ca. 200 Meter von hier versuchen kann, das wäre die letzte Möglichkeit wo mein Gepäck sein könnte. „Und wenn es dort nicht ist?“

Er zuckt mit den Schultern, okay nicht aufgeben weiter gehen. Ich erreiche nach 200 Metern eine Einbuchtung, in der ein einzelner grauhaariger Mitarbeiter sitzt, neben ihm sind genau drei Gepäckstücke, meines ist nicht dabei. FUCK! Brülle ich in Gedanken. Was mach ich jetzt? Eine Klappe im Boden hinter dem Mann wird plötzlich von außen aufgeschoben. Lauter Fluglärm schlägt uns aus der Luke entgegen und ich kann ein Stück Flugbahn sehen. Ein Rucksack wird von außen in die Einbuchtung gehoben. Er ist olivgrün ein großer roter Aufkleber klebt auf ihm. „OFF LOADED“ steht darauf. Ich atme auf, es ist tatsächlich meiner.

Fortsetzung der Story

Ende des ersten Teiles meiner Zusatzstory, wie es weiter geht, welche komischen Gestalten mir noch in der Stadt begegnete, warum mein Flug nicht umgebucht wurde und wo ich überhaupt übernachten konnte – alles nächste Woche im Teil II von „Unfreiwillig in Johannesburg“.

TV-INTERVIEW „TALK AM SONNTAG“

Sehr interessant! Nach dem ich bereits beim BR Live in der Sendung „Wir in Bayern“ zu Gast war, durfte ich jetzt mein zweites TV Interview geben. Bei der Sendung „SO GESEHEN – TALK AM SONNTAG“ hatte ich das Glück zwanzig Minuten über Artenschutz, Wilderei, Wildtierauffangstationen, mein Buch und vieles mehr sprechen zu können. Und das alles entspannt in einem gemütlichen Hamburger Café. Obwohl die die Themen teilweise ernst waren, gab es natürlich  auch etwas zu lachen.

Die Sendung wurde am 07.07.19 von SAT1 ausgestrahlt. Hier könnt ihr sie nochmal in voller Länge sehen. Viel Spaß dabei!

 

„ÜBERLEBEN“ DAS BUCH

ES IST SOWEIT! MEIN BUCH IST DA!!!

Ich platze vor Aufregung und Freude! Nach knapp eineinhalb Jahren intensiver Arbeit ist jetzt mein erstes Buch veröffentlicht worden! Wie ihr oben im Video seht fehlen mir etwas die Worte! Die Gefühle spielen einfach verrückt…

All meine abenteuerlichen Erlebnisse und Erfahrungen in Namibia und Südafrika sind in dieses mir unglaublich wichtige Herzensprojekt geflossen. Ich freu mich so sehr das jetzt endlich alles mit euch teilen zu können! Intensiv gefühltes Afrika, außergewöhnliche Wildtier Begegnungen, Hintergründe zu Safari, Volontärs Arbeit, Jagd und Wilderei. Schlicht, über das dortige Leben und Überleben. So nah, ehrlich und persönlich geschrieben wie es mir möglich war. Dazu viele eindrucksvolle Fotos und weiteres Bonusmaterial! Schaut einfach mal rein! Das Buch ist in allen Buchhandlungen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz zu haben. Ansonsten ist es natürlich auch online bestellbar.

Link zur Online Bestellung: ÜBERLEBEN

DIE OFFIZIELLE BUCHBESCHREIBUNG:

„Tief im südlichen Afrika, inmitten berauschender Landschaften, wo Geparden ihm den Kopf putzen, Erdmännchen sich in seiner Achillessehne verbeißen und er einem Spitzmaulnashorn zu Fuß begegnet, erlebt Sebastian Hilpert Abenteuer, die er sich nie hätte vorstellen können. Zwölf Jahre war er Soldat und hatte sich am Ende so weit von sich selbst entfernt, dass er in eine Depression stürzte. Der Weg der seelischen Heilung führt ihn zu verwaisten Raubkatzen in der Kalahari und weiter auf eine Nashorn-Auffangstation in Südafrika, wo der Rhino War, der Krieg um die letzten Nashörner, erbarmungslos wütet. Als Volontär kümmert er sich um verwaiste und verletzte Tiere, zieht Karakale und Nashörner mit der Flasche auf und lernt die Härte der Natur wie auch die Skrupellosigkeit der Wilderer aus erster Hand kennen. Später reist er als Fotograf durch die beeindruckende Weite Namibias und arbeitet als Wildhüter in einem Wildtierreservat.
Ein Buch voller Engagement und Abenteuer in nahezu unberührter Natur und zugleich eine Geschichte des inneren Wachstums, die uns an die Verantwortung erinnert, die wir tragen: gegenüber den Lebewesen dieser Erde und uns selbst.“

SOMEWHERE IN NAMIBIA – ON PATROL

Ein stimmungsvolles, kurzes persönliches Video mit faszinierenden Landschafts- und Tieraufnahmen aus Namibia.

Unsere Artenvielfalt ist beeindruckend, faszinierend und wunderbar. Doch um sie weiter zu erhalten, muss sie in vielen Teilen der Welt stark und vor allem aktiv geschützt werden. Ohne diesen Schutz geht es einfach nicht mehr. Innerhalb kürzester Zeit würden viele Arten durch die Zerstörung von Lebensraum und der Wilderei ausgerottet werden. Aber auch der Natur- und Artenschutz ist vielseitig. Forschung, seriöse Schutzorganisationen, Auffangstationen und private Wildtierreservate sind nur wenige Beispiele.

Im August und September 2017 begleitete ich meinen Freund Louis bei seiner Tätigkeit als Wildhüter auf einem dieser riesigen privaten Wildtierreservate. Wildlife Management und Antiwildere Patrouillen im namibischen Busch – das war unsere tägliche Arbeit. Dieser Aufenthalt war meine bisher intensivste Zeit in Afrika. Weder meine Aufenthalte als Fotograf auf Safari, noch als Volontär auf verschiedenen Wildtierauffangstationen haben mich nachhaltig so beschäftigt.

Im August 2018 bin ich dann wieder nach Namibia gereist. Natürlich habe ich auch wieder Louis besucht. Diesmal zwar nur zwei Wochen, aber dafür zusammen mit meinem Bruder Alex. Der währenddessen diese wunderbaren Filmaufnahmen von uns gemacht hat. Zusehen sind wir auf Patrouille, die beeindruckende namibische Landschaft und Tierwelt. Ich hoffe das kurze Video, das daraus entstand kann euch ein wenig zeigen warum ich mich so magisch von diesem Land angezogen fühle.

PS. Schaut es euch am Besten in HD und Vollbild an.

PPS. Lasst mich wissen, wenn ihr gerne mehr solcher Videos sehen würdet.

PPPS.  Das Video darf sehr gerne kommentiert, geteilt und verteilt werden.

Harnas Wildlife Foundation 2017 – Mein Überblick

Tracking in der Wildline bei Harnas
Harnas – Tracking in der Wildline

Motorboot – sie hören sich an wie ein kleines Motorboot. Ob das stimmt oder nicht ist mir egal, ich mag den Vergleich. Stetiges tiefes Brummen, nicht zu tief aber doch sehr basslastig. Die Sonne steht knapp über dem Horizont und wirft lange Schatten über das riesige Gehege bei Harnas, das natürlich belassenes Buschland ist.
Um mich herum der Ursprung des Geräusches der kleinen Motorboote, fünf Geparden. Schlanke, langbeinige Katzen deren Fell viele schwarze Punkte aufweisen. Die Punkteanzahl und Anordnung unterscheidet sich von Gepard zu Gepard, es ist wie ein Fingerabdruck.

Ich bin wie jeden Tag hier, entweder wie heute zu zweit mit einer anderen Volontärin oder allein. Allein ist normalerweise nicht erlaubt – Sicherheitsgründe. Aber es ist mein dritter Aufenthalt auf der Wildtierauffangstation Harnas; ich weiß wie man sich richtig verhält und bewege mich entspannt und selbstsicher zwischen ihnen. Als Waisen sind sie von klein auf hier und das erste Mal als ich sie gesehen habe gingen sie mir bis zum Knie, jetzt bis zur Hüfte. Doch wo hat man die Möglichkeit solchen Tieren so nahe zu kommen, auf eine gute und positive Weise?

Geparden mit Animalperson - Sebastian Hilpert
In einer Reihe – die fünf Geparden und ich

Harnas Wildtierauffangstation

„Harnas“ ist afrikaans und bedeutet soviel wie Rüstung/Schutz. Seinen Ursprung hat Harnas – die Wildtierauffangstation in Namibia im Jahre 1978 als die Gründerin eine misshandelte Meerkatze von Wilderern abkaufte. Doch seitdem hat sich viel getan und Harnas ist gewachsen.

Mittlerweile leben auf der ehemaligen Rinderfarm mit knapp 10 000 Hektar Buschland eine Vielzahl von Tieren. Darunter z.B. Löwen, Leoparden (meine Lieblinge), Geparden, Karakale, Meerkatzen, Paviane (nicht meine Lieblinge), Afrikanische Wildhunde (Hyänenhunde), Mungos, Springböcke, Impalas, Zebras, Elands, Gnus, Strauße, Geier, Warzenschweine, Erdmännchen, etc.

Der Schwerpunkt liegt bei verwaisten, missbrauchten, verletzten und gefangen gehaltenen Wildtieren aus Namibia. Und diese wollen versorgt und gepflegt werden, was Zeit und Geld kostet; perfekt für ein Volontärprogramm. Mit dem Volontärprogramm wird unter anderem die Versorgung der Tiere finanziert und bietet unglaubliche Erfahrungsmöglichkeiten.

Harnas – Arbeit mit dem Wildtier

ABER „Harnas is not for pussies“! Als Volontär verbringt man nicht seine ganze Zeit damit Tiere zu streicheln sondern zu arbeiten und das unter der starken afrikanischen Sonne. Und zwar jeden Tag (ohne Wochenende) während des Aufenthalts der zwischen 2 Wochen und 3 Monaten lang sein kann. Die Arbeit ist körperlich anstrengend, auch wenn sie bei weitem nicht so anstrengend ist wie die Arbeit auf der Nashorn-Auffangstation in Südafrika auf der ich im Januar / Februar 2017 gearbeitet habe (Link zum Beitrag – Nashorn-Auffangstation).

Was man nie vergessen sollte ist, dass man mit Wildtieren arbeitet! Respekt und gesunder Menschenverstand ist gefragt und auch Überwindung gehört dazu. Das Fleisch für die Raubtiere fällt nicht vom Himmel und muss u.a. zugeschnitten werden. Meist Eselfleisch wird verfüttert da es fettarm, nicht zu teuer und durch die Farmer in der Umgebung meist zuverlässig zu Verfügung steht. Es wird alles verwertet was verwertet werden kann, Wildhunde lieben z.B. jede Art von Innereien.

Wer ein realitätsfremder, verstrahlter Träumer ist der unter anderem Dinge denkt wie, „Katzen kann man vegetarisch ernähren“ (Das ist so wie als wollte man Kühe mit Fleisch ernähren!!!) und sich unter einer Wildtierauffangstation so etwas wie ein „Blümchen-Ponyhof“ vorgestellt hat, sollte lieber nicht als Volontär nach Harnas kommen.

Löwe Trust
Löwe – „Trust“

Doch wie sieht denn grob der Tagesablauf auf Harnas aus?

06:30
Löwenbrüllen – Aufstehen, untergebracht im „Volunteersvillage“, eine Anzahl von Hütten in denen vier Personen schlafen. Toiletten und Duschen für alle zentral in der Mitte des Villages.

07:00
Frühstück im „Gemeinschaftshaus“ im Village. Im Anschluss zur ca. 1,5 km entfernten Hauptfarm laufen.

08:00
„Treemeeting“ Einteilung der Gruppen und Volontäre in die Tätigkeiten.
z.B. Futter zubereiten, Gehege reinigen, AM Tour, kümmern um verschiedene Tiere, Research in der Wildline, Farmwork – Gehege bauen / reparieren, Spurenlesen, Walks mit verschiedenen Tieren, etc.

12:30
Mittagessen im Volunteersvillage, Pause

15:00
„Treemeeting“ auf der Farm mit erneutem Einteilen der Volontäre in die Tätigkeiten

19:00
Abendessen im Volunteersvillage, Freizeit
Wie man sieht ist der Tag gut ausgefüllt. Für mich war es diesmal etwas anders, da ich nicht als „normaler“ Volontär gearbeitet habe, sondern als Fotograf. Ändert aber nichts an dem Tagesablauf.

Bacon Warzenschweinkeiler Volontärdorf Harnas
Mein letztes Bild von „Bacon“ dem Warzenschweinkeiler. Das Volontärdorf war sein Revier.

Änderungen zu 2015:

Zum Schluss möchte ich für alle die bereits auf Harnas waren ein paar Änderungen aufzählen. Dinge die sich seit meinem letzten Aufenthalt 2015 geändert haben.

Das Essen war teilweise sehr gut. Zu mindestens die ersten zwei Wochen meines jetzigen Aufenthalts. Danach wurde es wirklich schlecht, ähnlich wie 2015. Ständig Pasta, ständig Hackfleischsoße, wenig Abwechslung.

Die Duschen und WCs sind weitaus sauberer und werden täglich kontrolliert.

Von allen Koordinatoren aus dem Jahr 2015 sind leider nur noch Tyla und Bonnita da.

Weniger Volontäre, meist zwischen 20 und 30 Personen. Kaum Skandinavier mehr, 2015 haben sie noch ca. 60% ausgemacht, jetzt sind mittlerweile 85% (leider) deutschsprachig (war ein Schock für mich nach meiner Zeit in Südafrika).

Lapanight ist leider nicht mehr in der Boma auf der Farm sondern im Village. Kein Amarulasong und Tanz mehr, allgemein bei weitem nicht mehr so stimmungsvoll wie 2015.

Atheno ist wieder in seinem alten großen Gehege.

Leopardin Missy Joe hat mit Karakal Bonnie ( <3 ) und Juliette das Gehege getauscht.

Von allen alten Erdmännchen lebt nur noch Hänsel.

Berta, Mimi und Micky sind mit ca. 6 anderen Pferden in einem großen Gehege neben den Straußen

Die „wilden 23“ sind jetzt noch 21.

„Bacon“ ist leider tot. (Mitte April)

Das von handaufgezogene und mit „Derek“ dem Kudu aufgewachsene Eland „Moose“, streift mit einer wilden Elandherde durch die Gamearea und besucht ab und zu das Volunteersvillage.

Eland Volunteersvillage Harnas
Eland „Moose“ im Volunteersvillage

Schlusswort: Wer nach Afrika geht um auf einer Wildtierauffangstation zu arbeiten sollte sich fragen warum er das tun möchte. Willst du mit Tieren ARBEITEN und Erfahrungen mit TIEREN sammeln, willst du Tieren helfen? ODER willst du eigentlich nur weit weg von daheim feiern und möglichst spektakuläre Selfies machen? Wenn du zur zweiten Kategorie gehörst dann bleib der Volontärarbeit in Afrika bitte fern und mach lieber einen „Partyurlaub“ auf irgendeiner spanischen Insel…

Ergänzung Anfang 2019: Mir wurde berichtet das sich in den letzten Jahren sehr vieles dort geändert haben soll – und das angeblich leider nicht zum Positiven. Ich weiße hiermit ausdrücklich darauf hin, dass ich keine Werbung für dies Auffangstation machen möchte. Darüber hinaus rate ich wiederholt das jeder der an solch einem Volontärs Projekt teilnehmen möchte, sich im Vorfeld genaustens informieren sollte. Nur weil eine Auffangstation vor Jahren mal gute Arbeit geleistet hat heißt das noch lange nicht das sie es heute noch genauso tut. Es kommt immer auf die Führung der jeweiligen Organisation an. Informiert euch immer aktuell und aus mehreren Quellen!